Wahl Geislinger Schüler sicher: „Jeder ist besser als Trump“

Kathrin Bulling 31.10.2016

In einer Woche wählen die US-Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Der Wettstreit zwischen Republikaner Donald Trump und Demokratin Hillary Clinton interessiert auch viele Deutsche. Im Neigungskurs Gemeinschaftskunde am Helfenstein-Gymnasium behandelt Lehrerin Anette Schindler den Wahlkampf mit ihren Schülern. Sie sollen sich mit unterschiedlichen Regierungssystemen auf der Welt vertraut machen – das amerikanische ist eines davon.

„Die USA sind das mächtigste Land der Welt, natürlich hat die Politik auch Einfluss auf uns“, meint Eric Rösler. Der 18-Jährige und sein gleichaltriger Sitznachbar Alexander Frey diskutieren darüber, was es bedeuten würde, gewänne Trump die Wahl. „Ich denke nicht, dass ‚America great‘ wird – mit ihm sicher nicht“, sagt Eric und bezieht sich mit dem Zitat auf Trumps Wahlkampfslogan. Ale­xander entgegnet: „Er wäre sicher kein guter Präsident. Aber ich glaube nicht, dass sich viel ändern würde. Er regiert ja nicht alleine.“

Andere Mitschüler bleiben nicht ganz so gelassen: „Ich habe schon Angst davor, was passiert, wenn er gewinnen sollte“, sagt die 17-jährige Ines Schendel. „Für mich ist er eine große Lachnummer“, meint dagegen die 18-jährige Jana Heumüller. „Wie kann es sein, dass der Trump so weit gekommen ist?“

Anette Schindler zeigt ihren Schülern die Videoaufnahme, in der Trump gegenüber einem Fernsehmoderator mit der sexuellen Belästigung von Frauen prahlte. Die Jugendlichen schütteln angewidert die Köpfe, anschließend bleibt es still, bis ein Mädchen ungläubig fragt: „Ist Trump nicht auch verheiratet?“ Anette Schindler antwortet trocken: „Nicht zum ersten Mal.“

Für die Abiturienten ist es unverständlich, dass der Republikaner trotz dieser Enthüllungen nach wie vor bei vielen Amerikanern beliebt ist. „So sollte man nicht über Frauen reden“, sagt Eric – und korrigiert sich: „So sollte man über niemanden reden.“

Veraltete Ansichten, ein schlechtes Frauenbild und rechtsradikale Ansichten, das ist Sandra Eßlingers (17) Urteil über Trump: „Ich verstehe nicht, dass er so gut ankommt.“ Anette Schindler will wissen, ob der Politiker auch in Deutschland eine Chance hätte. Die 17-jährige Elisa Grimaldi meint: „Vor der Landtagswahl hätte ich gesagt: keine Chance. Aber jetzt? Die AfD hat viele Stimmen bekommen. Ich glaube, dass viele Menschen Angst haben – und Trump würde sie vermutlich ansprechen.“ Davon sind auch etliche andere überzeugt und verweisen ebenfalls auf den großen Erfolg der AfD. Wie Eric, der sagt: „Die AfD gibt manchmal auch Kommentare von sich, das ist nicht weit von ihm entfernt.“

Die 17-jährige Laureen Prinz wirft ein: „Aber unser System würde seine Propaganda nicht zulassen.“ Anette Schindler erwidert: „Wir haben ja auch keine Regierung mit nur einer Partei wie in den USA.“

Etliche Schüler beschäftigen sich auch außerhalb des Unterrichts mit der Wahl, schauen sich Ausschnitte aus Debatten an – und bilden sich ihre Meinung, wie die 17-jährige Kim Öhler: „Abgesehen von Trumps Propaganda gefällt mir generell nicht, wie die Wahlen in den USA laufen. Es ist komplett abgedriftet, es geht nur um Geld – ohne das klappt es nicht. Das finde ich traurig.“

Die Schüler betrachten den Wahlkampf differenziert. Hillary Clinton? Nicht unbedingt eine gute Wahl, meinen sie. „Aber jeder ist besser als Trump“, sagt Sandra und bringt es für alle auf den Punkt.

Für eine genaue Untersuchung des US-Wahlkampfes bleibe leider nicht genügend Zeit, meint Anette Schindler. Im Frühjahr schaute sie sich mit den Schülern die Vorwahlen an, nach der Wahl nächste Woche wird sie mit ihnen das Ergebnis untersuchen, Statistiken und die Wählerwanderung anschauen. „Es gibt viele Aspekte, die wir nicht besprechen können. Für Clinton und ihre E-Mailaffäre haben wir leider keine Zeit, viel konzentriert sich auf Trump.“

So auch in der nächsten Aufgabe: Die Abiturienten sollen Trumps Rhetorik analysieren um zu erkennen, wie man mit Sprache manipuliert. In einer TV-Show äußerte sich der Republikaner zur Diskriminierung von Religionen. Oder auch nicht? „Nein, er antwortet überhaupt nicht auf die Frage“, echauffiert sich Laureen. Im Sekundentakt fällen die Schüler ein deutliches Urteil nach dem anderen: Trump benutzt Verallgemeinerungen, Eigenlob und Vorurteile, er stammelt und wiederholt sich ständig. „Das ist Sprache auf Viertklässler-Niveau“, sagt Eric. Überall recken sich Hände in die Höhe, jeder will etwas dazu sagen. Anette Schindler nickt zufrieden. „Die Schüler sind sehr interessiert und machen toll mit“, sagt sie lächelnd. Die nächste Unterrichtsstunde nach der Wahl am 8. November verspricht interessant zu werden.

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