Interview Profitänzer Torsten Moll feiert Bühnenjubiläum

Geislingen / Eva Heer 15.06.2018
Torsten Moll – Profitänzer, Choreograf, Leiter der Tanz- und Musicalschule New Stage Company und „Prinzipal“ im Theater im Sägewerk – feiert sein 20-jähriges Bühnenjubiläum.

Sie feiern mit einer Gala am 23. Juni Ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum. Erinnern Sie sich noch an diesen ersten großen Auftritt als Profi ?

Ich stand ja schon als Kind in einer Vielzahl von Produktionen auf der Bühne. Später dann in Vorstellungen der Hochschule für Musik und Theater Hannover und parallel zum Studium als Eleve an der niedersächsischen Staatsoper in Hannover. 1996 bekam ich meinen ersten Solovertrag für „Bats in the belfry“, einem Rockballett. 1998 absolvierte ich mein Studium mit dem Diplom an der Hochschule und bekam dann meinen ersten Profivertrag als Solotänzer. Mein Engagement führte mich an das Stadttheater Hildesheim. Yener Durukan holte mich für die Produktion „Im weissen Rössl“ an dieses schöne Theater. Ich erinnere mich sehr gut an den Schluss­applaus und das wunderschöne Gefühl, als Profi bestanden zu haben. Dieses Gefühl hält bis heute an und macht mich glücklich.

Welches war Ihr  bewegendster Moment auf der Bühne?

Sehr bewegend war die Weltpremiere von „Schulamit“ mit Giora Feidmann 2000. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Und der spannendste?

Spannend war die Probenzeit von „Tanz der Vampire“ mit Roman Polanski. Ein unglaublich beeindruckender Mann und Regisseur.

Und der schönste?

Meinen schönsten Moment hatte ich vermutlich als Prinz Siegfried im Ballett  Schwanensee. Nach der Vorstellung klopfte es an meiner Garderobentür. Ein blindes Mädchen war in der Vorstellung und hat sich bei mir für die Vorstellung bedankt. Es war ein unglaubliches Gefühl, dieses blinde Kind erreicht zu haben. Sie konnte ja die Vorstellung nicht sehen und spürte die Energie und Emotionen. Unglaublich.

 Wie alt waren Sie, als Sie wussten, dass Sie Tänzer und Sänger werden wollten?

Solange ich denken kann, gab es nie etwas anderes für mich. Ich wusste schon immer, dass ich auf die Bühne gehöre. Ich glaube, so etwas bekommt man von oben geschenkt. Ich kann es nicht erklären, es ist einfach da.

 Gab es Menschen aus Geislingen und der näheren Umgebung, die Sie geprägt und unterstützt haben?

Meine Familie ist mein Anker. Ihr Einsatz für mich ist unglaublich. Damit meine ich nicht, dass sie mir stets erzählen, wie toll ich bin. Im Gegenteil! Ich komme aus einem bodenständigen Elternhaus. Für sie war es sicherlich eine große Überraschung mit meinem Talent. Ich bin ihnen unendlich dankbar, dass sie mir diesen Weg ermöglicht haben.

War es denn ein schwerer Weg?

Es gab viel Gegenwind damals. Ein Junge, der zum Ballettunterricht ging, war schon etwas Besonderes hier in der Region vor 35 Jahren.

 Sie hatten nach Ihrer Ausbildung an der Musicalschule und anschließend an der staatlichen Hochschule für Musik und Theater - beide in Hannover - Engagements in großen Produktionen. Warum sind Sie nach Geislingen zurückgekehrt?

Ich bin gern in Geislingen und fühle mich hier wohl. Es ist mein Zuhause. Ich liebe das Leben in der Großstadt, fühle mich aber hier sehr stark verwurzelt. Da ich beruflich ja viel in Städten unterwegs bin, habe ich für mich die perfekte Lebenssituation gefunden. Ich denke zudem, dass Kunst nicht ausschließlich in die Großstadt gehört. Wir haben hier in der Region viel Potenzial.

2004 haben Sie Ihre Ballett- und Musicalschule in Geislingen eröffnet. Wie viel Mut und Optimismus gehören dazu, in einer kleinen, eher provinziellen Stadt diesen Schritt zu wagen?

Oh, ich glaube schon recht viel. Aber wir sind nächstes Jahr bereits 15 Jahre in Geislingen, eine schöne Bestätigung für unser Tun. Ich denke, Qualität setzt sich am Ende immer durch. Mein Ziel ist es, guten Unterricht anzubieten.

Was ist guter Unterricht?

Es gibt da sehr große Unterschiede. Leider ist die Berufsbezeichnung Tänzer oder Tanzpädagoge nicht wirklich geschützt. Jeder kann quasi Unterricht anbieten. Als ich angefangen habe in Geislingen zu unterrichten, kamen die ersten Kinder mit Tüllkleidern und Puscheln auf den Schuhen zu mir in den Unterricht. Für viele Eltern ist das Ballett. Dies hat mit der Realität aber nur wenig zu tun. In meiner Schule wird auf eine gute Basis und einen anatomisch korrekten Unterricht geachtet. Mittlerweile haben sich die Eltern aber an den schlichten Kleidungsstil und die Unterrichtsmethodik gewöhnt. Kostüme gibt es bei uns auf der Bühne.

 Seither geht es immer aufwärts. Die Schule vergrößerte sich, es folgten zwei Umzüge, bis Sie schließlich mit dem Theater im Sägewerk 2014 auch Ihre eigene Spielstätte eröffnet haben. Seit 2015 stellen Sie jedes Jahr eine eigene große Produktion auf die Beine.  Sind alle Ihre Träume nun in Erfüllung gegangen?

Ich stecke mir stets neue Ziele. Stillstand bedeutet für mich Rückschritt. Ich liebe es, in Bewegung zu bleiben und mich weiter zu entwickeln. Ich bin sehr stolz darauf, was sich in Geislingen mit dem Theater im Sägewerk und der New Stage Company bereits getan hat. Sicher ist, dass wir den Standort Geislingen weiter aufbauen werden. Schritt für Schritt. Ich finde es wichtig, Kunst und Kultur aus der Region für die Region anzubieten. Qualität ist nicht an einen Ort und eine Großstadt gebunden. Somit kann man in Geislingen noch auf einiges gespannt sein und weiterträumen.

 Wie feiern Sie Ihr Bühnenjubiläum?

Ich habe mir liebe Kollegen eingeladen. die mit mir zusammen an diesem Abend auf der Bühne stehen. Meine liebe Freundin und sehr geschätzte Kollegin Marika Lichter aus Wien wird, wie gewohnt,  an meiner Seite sein, ebenso wie Adoro-Star Nico Müller, der für mich extra seine Zorro-Proben unterbricht und Solotänzer Dean Mihaljev. Weiter sind viele Schüler sowie Studenten und die Special-Need-Klasse an der Gala beteiligt.

Was erwartet die Gäste?

Wir zeigen ein buntes Programm aus großen, bekannten Musicalproduktionen, Popsongs, Swing und Evergreens, mit den Highlights der vergangenen Jahre und neuen Nummern. Es soll ein glanzvoller Abend werden.

Info  Die große Musical Gala zum 20-jährigen Bühnenjubiläum von Torsten Moll findet am Samstag, 23. Juni, im Theater im Sägewerk in Geislingen statt. Beginn ist um 19 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es direkt im Theater im Sägewerk oder unter karten-saegewerk@gmx.de

Zur Person: Torsten Moll

Torsten Moll wurde 1978 in Geislingen geboren und wuchs in Kuchen auf. Er absolvierte eine Ausbildung an der Musicalschule in Hannover, studierte anschließend Bühnentanz an der staatlichen Hochschule für Musik und Theater Hannover und schloss als Diplom-Bühnentänzer ab.

 Zu seinen großen Engagements gehörten: „Tanz der Vampire“, „Elisabeth“, „Evita“, „Der Mann von La Mancha“, „Hair“ und „La Cage Aux Folles“ und weitere bekannte Musicals.

2004 eröffnete er die Ballett- und Musicalschule New Stage Company in Geislingen.  Seit 2015 inszeniert er jedes Jahr ein Musical in seiner eigenen Spielstätte, dem Theater im Sägewerk. Aktuell: Dracula. Es gibt noch Karten für die Vorstellungen im Juli.

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