Technik-Geschichte „I ond mei Isetta, mir zwoi laufet emmer“

Böhmenkirch / Jochen Horndasch 12.06.2018

Als dunkle Gewitterwolken beim Böhmenkircher Schützenverein Hubertus aufzogen, machten sich einige Besitzer nobel restaurierter Oldtimer schnell vom Acker. Sie suchten einen sicheren Unterstand und wollten auf keinen Fall an ihren teuren Gefährten einen Hagelschaden ris­kieren.

Und so war die zwei Hektar große Wiese, auf der das 14. Böhmenkircher Oldtimertreffen stattfand, um die Mittagszeit zum größten Teil nur noch von Relikten aus der Landwirtschaft belegt. Deutz, McCormick, Fendt, Hanomag, Eicher, Güldner, Porsche und Co. standen nebeneinander und präsentierten sich einem nicht nachlassenden Besucherstrom. Denn das Wetter hatte ein Einsehen, Regen, Gewitter, Sturm und Hagel blieben aus und schon bald strahlte die Sonne vom blauen Himmel und mit ihr die Oldtimerfans, die nun in Scharen kamen.

Für den Steyr extra ins Montafon

Stefan Lotspeich hatte sich zusammen mit seinem Kumpel Julian Horn in einem MB-Trac Baujahr 1982 von Söhnstetten aus auf dem Weg zum Schützenhaus gemacht. Der mit Aggregaten aus dem Unimog ausgestattete Systemschlepper wurde von 1972 bis 1991 von Mercedes-Benz in Gaggenau gebaut. Mit einem sechs Zylinder Dieselmotor mit sechs Liter Hubraum und 150 PS wird das Fahrzeug bei den Lotspeichs für die Land- und Forstwirtschaft eingesetzt und hat sich dabei bis heute bestens bewährt.

Eine Gruppe von 18 Oldtimerfreunden war mit sechs landwirtschaftlichen Raritäten von Bräunisheim aus ins gut zehn Kilometer entfernte Böhmenkirch gekommen. Helmut Baarsch mit einem Deutz Baujahr 1965, Herbert Lenz steuerte einen 15 PS starken Steyr, den er vor vier Jahren im Montafon in Vorarlberg gekauft und für den deutschen TÜV hergerichtet hat. Mit einem 66 Jahre alten Eicher, den schon sein Großvater in seiner Landwirtschaft einsetzte, kam Jürgen Huber und Fabian Fink chauffierte einen Hanomag Baujahr 1954. Walter Reyer fuhr mit dem 68 Jahre alten Allgaier, den er 2012 von seinem Vater übernommen hat. Mit einem IHC McCormick Baujahr 1960 kam Wolfgang Fink. Er nutzt das Gefährt zum Holzmachen und als Zugmaschine für seinen über 60 Jahre alten Holzmacher-Wagen.

Der einachsige Karren ist für acht Mann ausgelegt und war mehrere Jahre für die Wald- und Forstgemeinschaft Itzelberg im Einsatz. Dann hat ihn jahrzehntelang der selbstständige Waldarbeiter Gerhard Baarsch im Wald rund um Bräunisheim genutzt, bevor er vor fünf Jahren in einem völlig desolaten Zustand von Wolfgang Fink übernommen und vollständig hergerichtet wurde. Seither dient der Wagen als Wohnwagen, in dem die Finks auch übernachten können.

Neben den landwirtschaftlichen Relikten waren auch einige automobile Raritäten präsent wie Opel Kadett, Manta, VW Käfer, Mercedes 220 SE oder Ford 17M.

Besonderes Augenmerk galt einer BMW Isetta, die am 1. Juni 1960 zugelassen wurde. Sie gehört Helmut Benz aus Leipheim, der das Rollermobil, ein Zwischending zwischen Auto und Roller, 1980 erworben hat. 1200 Mark hat er damals für das stark restaurierungsbedürftige Fahrzeug bezahlt, bei dem Motor, Getriebe, Vorderachse und Bremsen defekt waren. Mit viel Liebe und Sachverstand richtete Benz das mit einem Motorradmotor ausgestattete 12 PS starke Gefährt wieder her. Seither sind die beiden fast jeden Tag ohne Probleme unterwegs. Und nicht ohne Stolz betont der mittlerweile 87-jährige Benz in breitem Schwäbisch. „I ond mei Isetta, mir zwoi laufet emmer.“