Diesel Vorsicht Falle: Spritbettler sind unterwegs

Kreis Göppingen / Ralf Heisele 02.11.2016

Da steht er plötzlich: Ein Mann mit einer Straßenkarte in der Hand, wild fuchtelnd auf der Geislinger Steige am Ausranker kurz vor der Straub Mühle. Hinter ihm steht ein weißer Kombi mit ausländischem Kennzeichen. Die junge Frau aus einem Amstetter Teilort ist gerade auf der Heimfahrt von ihrer Arbeitsstätte in Geislingen. Sie hält an, will helfen, öffnet das Fenster auf der Beifahrerseite einen Spalt und fragt, was los sei. In gebrochenem Deutsch und weinerlicher Stimme erzählt der zwischen 30 und 40 Jahre alte Mann, dass er dringend Hilfe braucht. Seine Familie hätte einen schlimmen Unfall gehabt. Er müsse zu Frau und Kinder nach München, doch der Tank in seinem Auto sei leer. „Hilfe, Hilfe, bitte, bitte, keine Euro, kein Diesel“, ruft der Mann vermutlich türkischer Herkunft immer wieder.

Er greift in seine Jackentasche, holt ein Bündel türkischer Lira heraus, bietet der jungen, zierlichen Frau sogar seine Uhr an. Das alles dürfe sie behalten, wenn sie ihm nur helfe. Die Amstetterin will die Polizei rufen, doch der Mann winkt ab. Er brauche keine Polizei, er brauche Diesel. Schließlich gibt die Frau ihm 20 Euro und erklärt ihm noch, wo die nächste Tankstelle ist – ein paar Hundert Meter weiter oben in Amstetten.

Der Mann nimmt das Geld, bedankt sich tausend Mal und steigt ins Auto. Darin fährt er ein Stück weit hinter der Amstetterin her. Oben an der Steige biegt er plötzlich nach rechts in Richtung Wittingen ab und ward nicht mehr gesehen.

„Das kam mir  dann schon spanisch vor“, beschreibt die Frau die Situation, in der ihr allmählich dämmert, dass sie gerade einem Betrüger aufgesessen ist. Sie erzählt ihre Geschichte daheim und im Freundeskreis. Sie erfährt, dass zwei Bekannten an der Geislinger Steige und bei Westerstetten dasselbe passiert ist – im ersten Fall sogar die gleiche Geschichte mit dem Unfall in München, nur stand der Mann vor einem schwarzen Auto.

Im Nachhinein ist man immer klüger. „Ich weiß, dass es dumm von mir war“, sagt die junge Frau. Sie ruft bei der Polizei an, will wissen, wie man sich verhalten soll, bekommt aber nach eigener Aussage keine befriedigende Antwort.  Jetzt grübelt sie, was sie künftig in einem solchen Fall tun soll. „Ich will ja helfen, aber ich werde es mir dreimal überlegen, ob ich anhalten soll.“

Der Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, Rudi Bauer, weiß von weiteren Fällen der sogenannten Spritbettler. Die  Masche ist immer die gleiche: Sie täuschen eine Notlage vor, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen. Bauer rät allen Autofahrern, die „Hilfesuchende“ am Straßenrand sehen, zur Vorsicht. Liegt kein offensichtlicher Unfall vor, sollte man nicht aus dem Auto aussteigen, sondern nur das Fenster ein Stück weit öffnen. Wenn man Verdacht schöpft, lieber die Polizei anrufen und sich das Autokennzeichen merken. Und das Wichtigste: „Machen Sie auf keinen Fall Ihren Geldbeutel auf!“

Infobox
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel