Traditionsbetriebe „Ein unglaublich vielfältiger Beruf“

Geislingen / Claudia Burst 07.11.2018

In Schlat gründet Hermann Messerle 1847 eine Metzgerei.  Dasselbe tut Martin Häcker 1909 in Geislingen. Drei Generationen später kreuzen sich die Wege ihrer Nachkommen:  Messerles Urenkel, der ebenfalls Hermann Messerle heißt, geht auf die „Walz“. In Geislingen landet er bei der Metzgerei Häcker. Dort lernt er Waltraud Häcker, die Tochter seines Chefs, kennen und lieben. Sie heiraten 1973. Aus der Metzgerei Häcker wird später die „Häcker & Messerle GmbH“. Die ist bis heute fest in Familienhand – sogar vierfach.

„Büroarbeit war mir zu wenig“

Die Geschäftsführung teilen sich Hermann und Waltraud Messerles Kinder Petra und Holger, Waltraud Messerles Bruder Martin Häcker und dessen Sohn Wolfgang. Alle vier sind vom Fach und haben Fleischermeister beziehungsweise Fleischereifachverkäuferin gelernt. „Weil’s uns allen Spaß macht und der Beruf unglaublich vielseitig ist“, begründet Petra Messerle. Wie ihr Bruder besuchte sie das Michelberg-Gymnasium. Sie studierte Betriebswirtschaft und merkte bereits während ihrer Praktika bei Porsche und BMW: „Das war mir zu wenig. Ich wollte nicht nur die Arbeit im Büro, sondern die Vielfalt, die ich von zu Hause kannte.“ Deshalb setzte die heute 43-Jährige eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin noch obendrauf.

Das Vierer-Leitungsteam versteht sich ausgesprochen gut, berichten Petra und Holger Messerle. „Jeder hat im Prinzip seinen eigenen Verantwortungsbereich. Wo die sich überschneiden, reden wir kurz drüber. Und bei grundlegenden Entscheidungen sitzen wir zusammen und besprechen das.“ „Zum Glück“ – da ist sich das Geschwisterpaar einig – helfen ihre Eltern noch voll mit.

Filialen schaffen Synergien

Insgesamt arbeiten bei Häcker & Messerle 76 fest angestellte Mitarbeiter, elf Auszubildende und 30 Mini- und Midi-Jobber im Hauptgeschäft in der Stuttgarter Straße sowie den sieben Filialen. Für die Struktur mit Filialen hat sich die Familie wegen der Synergieeffekte entschieden. „Wir können unserer Kundschaft auf diese Weise viel mehr Vielfalt und viel mehr Frische bieten“, sagt Holger Messerle. Manches, was sie nur in kleinen Mengen brauchten – wie etwa fertiger Rehbraten, Rehgulasch oder Sauerbraten – würde sich für einen einzelnen Laden gar nicht lohnen zu kochen, rechnet er vor. „Aber bei kleinen Mengen mal acht ist das was anderes.“

Stolz sind die Häckers und Messerles darauf, dass sich unter ihren Angestellten 19 ehemalige Azubi befinden. „Ausbildung ist für uns ein ausgesprochen wichtiges Thema“, betont Petra Messerle. Das gelte nicht nur für Häcker & Messerle speziell, sondern für das Handwerk im Allgemeinen. „Und überhaupt für die Gesellschaft.“ Erst in diesem Jahr haben fünf eigene Azubi mit sehr guten Noten ihre Ausbildung beendet und werden übernommen. „Damit ziehen wir uns guten Nachwuchs heran“, sagt Holger Messerle.

Handwerk fehlt der Nachwuchs

Der 41-Jährige ist Mitglied im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Stuttgart und weiß, dass es viel zu wenig Azubi im Metzgerhandwerk gibt. „Dabei bedeutet das für die Betriebe, in die Zukunft zu investieren“, findet er. Dass auf der anderen Seite auch die Nachfrage nach den Ausbildungsplätzen nicht allzu groß ist, findet er ebenfalls schade: „Dabei ist nicht nur der Beruf selber vielfältig und interessant, schon die Ausbildung ist ein Erlebnis.“ So seien zwei seiner Azubi gerade erst bei einem „Metzgeraustausch“ in Schleswig-Hol­stein gewesen, erzählt er. Vor Kurzem hätten sie auch Gäste beim Kabarettisten Christoph Sonntag bewirtet  und waren an einem Stand auf der Grünen Woche in Berlin im Einsatz.

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