Geislingen an der Steige "Die Giselas" singen im Schlachthof

Sechs Weibsbilder auf Urlaubsreise: Was anstrengend klingt, artet bei Gisela mit ihrer multiplen Persönlichkeit in absolutes Chaos aus.
Sechs Weibsbilder auf Urlaubsreise: Was anstrengend klingt, artet bei Gisela mit ihrer multiplen Persönlichkeit in absolutes Chaos aus. © Foto: Sabrina Balzer
STEFANIE SCHMIDT 18.04.2016
So viel Gisela war noch nie: "Die Giselas" - das multipel begabte A-cappella-Ensemble mit Persönlichkeit - nahm das Publikum im Geislinger Schlachthof mit auf eine turbulente musikalische "Reise mit Meise".

Eigentlich ist Gisela Gründlich (Monika Kopfmann) eine strukturierte Person, die Wert legt auf eine gewisse Ordnung in ihrem Leben. Wären da nicht ihre fünf aufmüpfigen multiplen Persönlichkeiten in ihrem Kopf, die Gisela immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Was für die Protagonistin nur schwer zu ertragen ist, ist für die Zuschauer ein Gewinn: Für den Preis einer Eintrittskarte bekommen sie nicht nur eine, sondern gleich sechs Giselas.

Wie die Hühner auf der Stange sitzen ihre fünf Alter Egos in der Arztpraxis Dr. von Klüsenbeck neben der leidgeplagten Gisela: die Hippiefrau mit Rastafrisur (Fiona Combosch), dieSexbombe mit Marilyn-Monroe-Perücke (Camilla Kallfaß), die Punkerin mit den Nina-Hagen-Haaren (Nicole Haas), die Dame im 50er-Jahre-Kleid (Beate Sänger) und das Gör im Schulmädchen-Outfit (Heike Lamprecht).

Dr. von Klüsenbeck empfiehlt seiner gestressten Patientin eine Urlaubsreise zur Entspannung. Und schon geht es los zur musikalischen "Reise mit Meise" in den Vatikan, während der die sechs Persönlichkeiten das pure Chaos walten lassen. Die Darstellerinnen verbinden stimmgewaltige, anspruchsvoll arrangierte A-cappella-Versionen bekannter Pophits mit Theaterelementen.

Der Humor des "A-Cappellicals" speist sich vor allem aus dem unausweichlichen und genüsslich zelebrierten Clash der sechs Persönlichkeiten. Etwa wenn Camilla Kallfaß, sich lasziv windend, verführerisch singt: "Komm, lass deinen Körper sprechen und mach' mit mir heiße sexy Liebe" und Monika Kopfmann als stocksteife Gisela Nummer eins mit hochgezogenen Schultern daneben steht und ihr Alter Ego mustert wie ein gefährliches Raubtier.

Im Petersdom eskaliert der Konflikt zwischen den Giselas: Während die drei "vernünftigen Giselas" ergriffen ein geistliches Lied anstimmen, werfen die übrigen Giselas kichernd Drogen ein, und alles endet im psychedelischen Chaos. Gisela Gründlich greift durch und lässt die Alter Egos durch Einnahme einer Wunderpille verschwinden.

Vom Publikum gibt es für die am Ende wieder vereinten Giselas viel Applaus. Ganz nach dem Motto: Gisela, so, wie du bist, bist du wunderbar.