Kreis Göppingen Kein Segen für gleichgeschlechtliche Paare

Gleichgeschlechtliche Paare können sich zwar im Rahmen der Seelsorge segnen lassen, aber nicht öffentlich.
Gleichgeschlechtliche Paare können sich zwar im Rahmen der Seelsorge segnen lassen, aber nicht öffentlich. © Foto: Ralf Hirschberger (dpa)
Kreis Göppingen / Stefanie Schmidt und Celina Sautter 13.02.2018
Evangelische Pfarrer dürfen gleichgeschlechtliche Paare  nicht öffentlich segnen. In den Gemeinden regt sich Widerstand.

In den Göppinger Kirchengemeinden werden homosexuelle Paare nicht abgelehnt. Inhaltlich gesehen sei die Idee einer solchen Trauung bedeutungsvoll, dennoch sei die Umsetzung noch etwas unsicher, meint Andreas Weidle, Pfarrer der Stadtkirchengemeinde Oberhofen. „Paare, die an einer gleichgeschlechtlichen Trauung interessiert sind, dürfen sich immer bei uns melden“, meint Weidle. „Gemeinden im Kreis Göppingen, die eine gleichgeschlechtliche Ehe nicht mit sich vereinbaren können, leiten die Paare an solche Gemeinden weiter, die eine derartige Trauung mit offenen Armen entgegen nehmen“, sagt Weidle.

Auch in Geislingen werden gleichgeschlechtliche Paare nicht stehen gelassen. Die Kirchengemeinde ist seit Ende Januar eine Regenbogengemeinde. Mit einem Beschluss hat der Kirchengemeinderat festgehalten, dass die Gemeinde offen sei für Lesben und Schwule, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und für Pfarrer und Pfarrerinnen, die mit dem gleichgeschlechtlichen Partner im Pfarrhaus leben möchten. Praxis sei dies in der Gemeinde schon lange, betont der Geislinger Pfarrer Dietrich Crüsemann. Mit dem offiziellen Beschluss habe man nun aber ein Zeichen setzen wollen.

Auslöser war ein Beschluss der Landessynode zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Diese können sich zwar im Rahmen der Seelsorge segnen lassen, aber nicht öffentlich. Eine offizielle Amtshandlung, zum Beispiel einen Traugottesdienst, oder einen Eintrag ins Kirchenbuch gibt es nicht. Seit 2001 gilt in der Evangelischen Landeskirche Württemberg diese Regelung. Bei der Herbstsitzung der Landessynode machte der theologisch liberale Gesprächskreis Offene Kirche einen Vorstoß, dies zu ändern: Sie brachte einen Gesetzesentwurf ein, der gleichgeschlechtliche und heterosexuelle Paare in der Trauordnung gleichstellt – so wie es seit Oktober 2017 auch für die Zivil­ehe gilt. Für diesen Entwurf gab es in der Synode nicht einmal eine einfache Mehrheit.

Was zu bedauern ist, wie es Martina Rupp, Pfarrerin in Uhingen, findet. „Klar, die Ehe für Gleichgeschlechtliche ist ein komplexes Thema, aber es ist schade, dass es noch nicht mehr Mut zu mehr Offenheit gibt“, meint Rupp. Sie beschreibt die Gemeinde in Uhingen als eine „prinzipiell offene“ Gemeinde, die alle Menschen willkommen heißt und wert schätzt. „Es ist wirklich schade, dass die Chance auf einen neuen Entwurf wieder vertan wurde“, sagt die Uhinger Pfarrerin.

Auch ein Kompromissvorschlag des Oberkirchenrats scheiterte mit zwei Stimmen an der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit. Der Kompromiss sah folgende Regelung vor: Eine öffentliche Segnung kann es in einer Kirchengemeinde nur geben, wenn Dreiviertel des Kirchengemeinderats und auch der Pfarrer zustimmen. Außerdem sollte die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine „Ausnahme“ bleiben und sich als Amtshandlung klar von einer Trauung unterscheiden. Nach dem Beschluss der Herbstsynode bleibt alles beim Alten.

Keine Gewissensentscheidungen

Die „übergroße Mehrheit der Basis“ sei „entsetzt“ über die Entscheidung der Synode, meint der Geislinger Pfarrer Dietrich Crüsemann. Die konservativen Kräfte hätten in der Synode größeren Einfluss als sich in den Gemeinden widerspiegelt, glaubt er. Auch ein Großteil der Dekane der Landeskirche wollen sich mit dem Beschluss nicht  abfinden.

Im Dezember wandten sich die Ulmer Prälatin Gabriele Wulz und die Dekane des Ulmer Sprengels in einem Schreiben an Landesbischof  Frank Otfried  July. Die Regelung lasse Gemeinden und Pfarrern keinen Raum für ihre Gewissensentscheidung, gleichgeschlechtliche Paare öffentlich in einem Gottesdienst zu segnen.

Auch Beate Keller, eine der Synodalen der Lebendigen Gemeinde im Wahlkreis Göppingen/Geislingen bedauert, dass der Kompromiss gescheitert ist. Jener hätte keiner Kirchengemeinde eine Handlungsweise aufgezwungen, „sondern einen Rahmen geschaffen, in welchem jeder nach seinem Gewissen und seiner Verantwortung vor Gott hätte handeln können“.

Wie nun Gottes Segen auf gleichgeschlechtliche Paare ausgedehnt werden könne, könne die Lebendige Gemeinde nicht nachvollziehen. „Aus diesem Hintergrund heraus überrascht uns etwas die Forderung nach dieser Segnung von einem Teil der Kirche“, so die Stellungnahme weiter. Statt den vier „Allein“ der Reformation – „allein die Schrift, allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube“ – könnte man fast meinen, es müsste nun „allein dem Zeitgeist“ heißen.

Die Ehe sei bei den Lutheranern „ein rein weltlich Ding“, sagt dagegen Dietrich Crüsemann. „Eine Randfrage wird zur Bekenntnisfrage hochstilisiert“, findet er. „Homosexualität ist einfach eine Schöpfungsvariante.“

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