Kulturhalle Torsten Moll: „Die Akustik ist der Hammer“

Theaterleiter Torsten Moll im Herzen des Kaminzimmers. Der lauschige Raum  im Schulungsgebäude bietet Platz für Lesungen, Schauspielaufführungen und Konzerte. In der Sägehalle nebenan finden die großen Musicalaufführungen statt.
Theaterleiter Torsten Moll im Herzen des Kaminzimmers. Der lauschige Raum  im Schulungsgebäude bietet Platz für Lesungen, Schauspielaufführungen und Konzerte. In der Sägehalle nebenan finden die großen Musicalaufführungen statt. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 24.08.2018
Für Torsten Moll ist das Theater im Sägewerk „wie für uns gemacht“. Die Kombination Theatersaal und Kaminzimmer ermöglicht Flexibilität im Programm.

Früher kreischten im Sägewerk bei „Holzbau Staudenmaier“ Sägen und Holzbearbeitungsmaschinen. Seit 2014 klingen die Töne anziehend – Musik liegt in der Luft. Torsten Moll hat sich mit seiner New Stage Company im ehemaligen Laden- und Ausstellungsraum sowie in der Sägehalle gegenüber niedergelassen. Er und sein Compagnon Dean Mihaljev geben Kindern und Erwachsenen hier Gesangs- und Tanzunterricht und nutzen die außergewöhnliche Gebäudekombination für kulturelle Veranstaltungen. Das Ganze nennt sich „Theater im Sägewerk“.

Für Torsten Moll ist das Staudenmaier’sche Gelände hinterm Geislinger Friedhof „wie für uns gemacht. Da stimmt einfach alles.“ Als Beispiel nennt der 40-Jährige eine Besonderheit im Theatersaal in der ehemaligen Säge-Scheuer, in dem er seine Musicals oder auch die Musical-Gala aufführt.

„Die Stützbalken in der Sägehalle sind nicht mittig, sondern stehen ziemlich links – dadurch haben wir einen säulenfreien Zuschauerraum. Das ist optimal“, sagt er und schwärmt weiter: „Magic ist auch das Gebälk, das die Sicht bis unter den zehn Meter hohen Dachfirst freigibt. Das wirkt spektakulär, wenn wir es bei Veranstaltungen anstrahlen.“

Weil auf dem Gelände des Sägewerks auch die alte Gipsmühle aus dem 15. Jahrhundert steht, ist die Scheuer mit denkmalgeschützt. „Was wir innen geändert haben, sind nur sogenannte fliegende Bauten“, erzählt er. Also Veränderungen, die ohne Spuren wieder rückgängig gemacht werden können.

Die zwölf mal zehn Meter große Bühne zum Beispiel oder das inzwischen nach hinten ansteigende Parkett für die 199 Besucher, die darin Platz finden. „Die Akustik hier genauso wie drüben im Kaminzimmer ist der Hammer. Dank des vielen Holzes wird negativer Hall gedämpft und die Stimmen kommen klar zur Geltung.“

Entlang der vorhandenen Stützsäulen wird der Zuschauerbereich vom Foyer und Eingangsbereich abgetrennt. „Dort haben wir die alten Holzdielen drin gelassen. Sie wirken authentisch“, sagt Torsten Moll.

Wenn nur diese Halle zum „Theater im Sägewerk“ gehörte, hätte das den klaren Nachteil, dass dort zwar inzwischen um einiges besser isoliert ist als in den ersten Jahren, dass jedoch die Räumlichkeit immer noch nicht geheizt werden kann.

„Für die kalten Monate eignet sich unser lauschiges Kaminzimmer aber ganz hervorragend“, berichtet der Theater-Principal. Es ermöglicht ihm auch ein breiteres Kulturspektrum von Schauspielstücken über Lesungen bis zu Konzerten.

Das Kaminzimmer ist der Blickfang im Schulungsgebäude der New Stage Company. Der kreisförmige Bereich befindet sich – einen halben Meter tiefer als der Rest des Erdgeschosses – genau unter einer gläsernen Lichtpyramide, durch die Licht ins Innere flutet.

Unter einem Holzbalkon, einst für Demonstrationszwecke im Laden eingebaut, befindet sich ein weiß vergipster Kachelofen. „Wenn darin das Feuer knistert, ist es sofort gemütlich. Das ist unsere Winterspielstätte für bis zu 100 Zuschauer.“

Gäste, die sich umsehen, freuen sich am edel-rustikalen Charme, der von der Holzdecke mit ihren unterschiedlichen Höhenbereichen ausgeht. „Oft warten die Eltern unserer Schüler im Winter hier, bis der Unterricht ihrer Kinder vorüber ist. Im Sommer tun sie das lieber im Freien in der einladenden Pergola.“

Die Schulungsräume – zwei Ballettsäle und der Gesangsraum – sind rund um das Kaminzimmer angeordnet. Fensterfronten bis zum Boden und Spiegelfronten auf der anderen Wandseite geben den Räumen Licht, Wohlfühlgefühl und Praxistauglichkeit. „Von meinem Gesangsraum habe ich einen wunderschönen Blick auf Wiese, Rohrach und den alten Garten. Das ist ein wunderschönes Arbeiten“, freut sich Torsten Moll.

Nachgefragt bei Torsten Moll

Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Das war mein Fest zum 40. Geburtstag und mein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Weil so immens viele Gäste mit mir meinen wahr gewordenen Traum feierten.

Das größte Lob für das Theater im Sägewerk?

Das stand auf facebook: Dass wir „das beste Beispiel dafür seien, dass hervorragendes Entertainment bei bester Gesangsqualität in einer bezaubernden Location zu fairen Preisen möglich ist“.

Gab es einen besonders peinlichen Zwischenfall?

Hier zum Glück noch nie. Aber mir selber ist es als Vampir beim Tanz der Vampire im SI-Theater in Stuttgart mal passiert, dass ich vergessen hatte, mir die Vampirzähne vor der Vorstellung einzusetzen.

Was wollen Sie unbedingt noch im Theater im Sägewerk sehen oder hören?

Was ich hier auf jeden Fall mal aufführen will, ist die große Broadway-Show „La cage aux folles“, als Film unter dem Titel „Ein Käfig voller Narren“ bekannt.

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