Kunst „Der Raum ist die Herausforderung“

Roland Funk (links), Vorsitzender des Geislinger Kunst- und Geschichtsvereins und Stefan Renner, Ausstellungsleiter, sprechen über Bewerbungen von Künstlern, die in der Galerie im Alten Bau ausstellen möchten. 
Roland Funk (links), Vorsitzender des Geislinger Kunst- und Geschichtsvereins und Stefan Renner, Ausstellungsleiter, sprechen über Bewerbungen von Künstlern, die in der Galerie im Alten Bau ausstellen möchten.  © Foto: Sabrina Balzer
Geislingen / Eva Heer 14.08.2018

Die große blaue Kiste ist proppenvoll. Kataloge, Mappen  und beige Din-A-4-Umschläge ragen aus ihr heraus. Dazwischen stecken prall gefüllte kleinere Umschläge, Broschüren, Flyer. Stefan Renner, Ausstellungsleiter in der Geislinger Galerie im Alten Bau, legt schützend und ein bisschen stolz seinen Arm um die Kiste. In ihr befinden sich – sinnbildlich – die Austellungen der kommenden Jahre. 20 bis 30 Bewerbungen von Künstlern selbst sowie Empfehlungen, welchen Künstler man denn in der Galerie unbedingt ausstellen solle, stecken in Renners blauer Kiste. Er zieht einige heraus, blättert durch Flyer und Bewerbungsunterlagen. „Dazu kommen auch noch die Online-Bewerbungen“, sagt er.

Es gibt nur fünf Schauen pro Ausstelllungsjahr (und eine sechste, die Weihnachtsausstellung, deren Fokus auf lokalhistorischen Themen liegt). Von den fünf Kunstausstellungen im Alten Bau ist eine für die Reihe mit Arbeiten von Studierenden oder Lehrenden der Kunsthochschule Burg Giebiechenstein reserviert. Bleiben also vier freie Plätze im Ausstellungsjahr. „Wenn wir fünf Ausstellungen machen, können wir 30 nicht machen“, bedauert Renner. Man müsse Künstlern  absagen oder sie auf spätere Jahre vertrösten: „Das tut uns immer leid.“

Dass Künstler sich bei Kunstvereinen bewerben, sei ein ganz normales Prozedere, erläutert Stefan Renner. Oft gebe es Empfehlungen durch Mund-zu-­Mund-Propaganda oder die Künstler besuchten die Vernissagen und ihnen gefalle der Raum, die Atmosphäre in Geislingen. Seit 2009 ist Stefan Renner Ausstellungsleiter der städtischen Galerie, er betont die gute Zusammenarbeit mit dem an Auswahl, Konzeption und Aufbau der Ausstellungen beteiligten Team, bestehend aus Hartmut Gruber, Georg Oswald und Ulrich Klieber.

Die Kriterien zur Auswahl der Künstler kann Stefan Renner sehr genau eingrenzen. Sie geben den Rahmen vor: Ausgestellt werden nur professionelle Künstler und bevorzugt solche mit einem Bezug zu Geislingen oder der Region. Renner verweist etwa auf das Ausstellungsjahr 2017 mit den Schauen der mehrfach ausgezeichneten Künstlerin Fee Kleiß, geboren 1984 in Kuchen und der Hommage an den Maler, Gestalter und WMF-Designer Karl Holzinger, 1892 in Geislingen geboren.   Oder die Gruppenausstellung von Künstlern aus den Reihen des Kunst- und Ge­-
schichts­vereins – Arthur Goldgräbe, Boris Kerenski, Nadine Lindenthal, Hartmut Väth und Sibylle Will – im Juni diesen Jahres.

Zudem bemühen sich die Organisatoren um  ein gutes Gleichgewicht  zwischen jungen und alten, weiblichen und männlichen Künstlern. „Zuerst sichten wir die Bewerbungen. Dann bestücken wir die Reihen – derzeit eben die mit Arbeiten aus Halle.“

„Als Drittes schauen wir nach Empfehlungen“, erläutert Renner. Diese kommen oft aus den Reihen des Vereins oder auch von anderen Künstlern. Schließlich, sagt Renner, „schauen wir auch, was uns interessiert, was uns aufgefallen ist, was wir gerne machen würden“.

Derzeit arbeitet Renner schon an der Feinarbeit für das Ausstellungsjahr 2019, hat aber auch schon 2020 im Blick. Zumindest eine Schau verrät er schon:  Auf Wunsch des Vereins und als Dankeschön für die langjährige Zusammenarbeit werden im Alten Bau 2019 Arbeiten des in Göppingen geborenen Ulrich Klieber zu sehen sein.

Zudem, kündigt der Vorsitzende des Kunst- und Geschichtsvereins, Roland Funk, eine weitere städtische Ausstellungsfläche an: Im nächsten Jahr, wenn die Renovierungsarbeiten endlich abgeschlossen sind, wird die Siechenkapelle in Altenstadt als zweites historisches Gebäude in der Stadt Arbeiten ausgewählter, voraussichtlich regionaler, Künstler zeigen.

„Der Raum ist die Herausforderung“, sagt Stefan Renner über die Konzeptionen der Schauen im Alten Bau.  Oft informierten sich die Künstler zuvor über den Raum, besuchten Vernissagen, wollten vorab einen Grundriss, nähmen Maß. Manchmal gestalte sich die Hängung ein bisschen schwierig, etwa bei Gruppenausstellungen mit sowohl klein- als auch großformatigen Arbeiten. Man orientiere sich an Blickachsen, überlege, ob man die Bilder in einem dynamischen Wechsel oder eher in Parzellen hänge – oder mische.

Die Arbeit als Ausstellungsleiter kostet viel Zeit, Stefan Renner macht diese Arbeit ehrenamtlich. „Geislingen ist es wert, dass hier ein bereicherndes Angebot an professioneller Kunst gezeigt wird“, begründet der 51-Jährige sein Engagement.

Außerdem mache es ihm, trotz aller Arbeit, auch große Freude, sagt er. Und packt die Flyer, Bewerbungsmappen und Umschläge wieder sorgfältig in seine blaue Kiste.

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