Nellingen „Der Markt gibt derzeit nichts her“

Die Merklinger Straße in Nellingen muss saniert werden: Davon zeugen der Flickenteppich und die abgesackten Schächte.
Die Merklinger Straße in Nellingen muss saniert werden: Davon zeugen der Flickenteppich und die abgesackten Schächte. © Foto: Foto Ralf Heisele
Nellingen / Ralf Heisele 16.05.2018
Der Ausbau der Nellinger Ortsdurchfahrt wird verschoben. Angesichts der Wirtschaftslage sind die Firmen derzeit ausgelastet.

Die gute Nachricht: In der ersten Augusthälfte lässt das Land die Fahrbahndecke der L 1230 zwischen der A 8-Anschlussstelle und Nellingen erneuern. Dafür wird die drei Kilometer lange Strecke 14 Tage gesperrt und der Verkehr über Scharenstetten umgeleitet.  Die schlechte Nachricht: Aus der geplanten Sanierung der maroden Merklinger Straße in Nellingen wird es in diesem Jahr nichts. Das hat Bürgermeister Franko Kopp gegenüber unserer Zeitung bestätigt: „Das Land kriegt es zeitlich nicht gebacken, die Ortsdurchfahrt zu asphaltieren.“ Aber auch die Gemeinde hat ein Problem – sie wollte im selben Zug die unter der Straßendecke befindlichen, über 130 Jahre alten Wasserleitungen auswechseln. Doch es gibt derzeit keine Firma, die dies übernimmt. Schuld daran ist die exzellente Wirtschaftslage. Gerade im Baugewerbe brummt es wie lange nicht mehr. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll.

„Wir stehen Gewehr bei Fuß, aber wir finden keine Firma“, klagte der Schultes in der Ratssitzung am Montagabend. Ingenieur Roland Schmuck vom Büro Wassermüller bestätigte, dass Nellingen kein Einzelfall sei. Schmuck kennt viele Ausschreibungen, bei denen keine Angebote abgegeben wurden. Und sollte sich doch eine Firma finden, müsse man mit einem Preisaufschlag von bis zu 30 Prozent rechnen. Kämmerer Werner Zimmermann stellte klar, dass man als Gemeinde alles getan habe: „Wir haben geplant, das Geld bereitgestellt, aber der Markt gibt derzeit nichts her.“

Werner Staudenmaier nahm die schlechte Kunde zum Anlass, um nach einer „Zwischenlösung“ zu fragen. Eine Antwort hatte der stellvertretende Bürgermeister schon parat: Man könne doch einige der abgesetzten Schachthydranten „zubetonieren“. Diese würden von der Feuerwehr wegen der alten Leitungen ohnehin nicht mehr genutzt. Mit dem Provisorium könnte man die Zeit bis zur Sanierung überbrücken – und zudem würden die Anwohner sehen, dass man etwas tue.

Kämmerer Werner Zimmermann bezweifelte, ob dies rechtlich zulässig sei. Man müsse unbedingt die Löschwasserversorgung gewährleisten. Er plädierte dafür, die Arbeiten im Herbst auszuschreiben. Wenn sich dann immer noch keine Firma finde oder die Angebote überteuert seien, müsse man sich im kommenden Jahr überlegen, das Projekt zu verschieben. Zimmermann: „Es macht keinen Sinn, in einem überhitzten Markt Mondpreise zu bezahlen.“ Als Interimslösung schlug der Kämmerer vor, auf Kosten der Gemeinde dann wenigstens die Schächte in der Merk­linger-, Aicher- und Türkheimer Straße zu richten.

Ratsmitglied Herbert Bühler sprach die Sanierung der Landesstraße zwischen Merklingen und Nellingen an. „Die Anwohner verstehen nicht, warum man dann in der Ortsdurchfahrt nichts macht.“

Die Erklärung hatte Kämmerer Zimmermann parat: Beide Maßnahmen könnten nicht miteinander verglichen werden. Die Sanierung der Nellinger Ortsdurchfahrt sei wesentlich umfangreicher. Durch den Einbau neuer Wasserleitungen seien aufwendige Grabarbeiten nötig. Zimmermann rechnet mit einer Bauzeit von insgesamt einem Jahr. Zumindest der überörtliche Verkehr müsste dann ebenfalls über Scharenstetten umgeleitet werden. Um den innerörtlichen Verkehr zu entlasten, soll in zwei Abschnitten gearbeitet werden: erst die Merklinger, dann die Aicher Straße.

Auch die Türkheimer Straße wird saniert. Sie bekommt aber lediglich eine neue Asphaltdecke, was eine 14-tägige Vollsperrung bedeutet.