Geislingen „Daheim ist man, wo man lebt“

Geislingen / Brigitte Scheiffele 09.07.2018
Unter dem Motto „Wir sind Geislingen“ stand am Sonntag das Internationale Festival. Ein erneuter Beweis, wie eine bunte Vielfalt einträchtig miteinander leben kann.

Die Vielfältigkeit der Bevölkerung mit einem Migrationsanteil von über 40 Prozent präsentierte sich am Sonntag auch im Rätsche-Garten, wo Kinder, Schüler, Institutionen und Vereine eine große Besucheranzahl an ihrer Kultur und kulinarischen Köstlichkeiten teilhaben ließen.

„Das Internationale Fest kommt von Geislingen für Geislingen“, betonte Brigitte Aurbach als Mitorganisatorin des Interkulturellen Festes, das im Jahr 2015 ins Leben gerufen wurde.  Unterschiedlichkeiten in Religion  und politischer Auffassung ließen sich in Geislingen gut leben, sagt Aurbach, was sich auch in einem Nonstop-Programm spiegelte: Trommelwirbel verschiedenster Gruppierungen, Beiträge von Kindergärten, temperamentvoller Chorgesang, Tänze und musikalische Beiträge, Kinder mit kroatischen Trachten, afrikanische Trommeln, tanzende Genclik-Frauen oder die Langhalslauten-Gruppe der Aleviten.

Ein Programm, das bis spät in den Abend reichte, wobei herrlichste Düfte für Appetit sorgten: Apfelschnecken, Nussecken, Börek mit Schafskäse oder Pide mit Hackfleisch, daneben gefüllte Weinblätter. Seit 40 Jahren lebt Dogru Fikriye in Deutschland, ihre Tochter Duygu ist hier geboren. „Daheim ist man, wo man lebt und das ist Geislingen“, sagt sie. In ihrem Alevitischen Verein wolle sie aber die türkisch-kurdische Kultur pflegen. „Wir sind gleichberechtigt, tragen kein Kopftuch und wissen, dass die Deutsche Sprache der Schlüssel zur Integration ist“, fügt Yanal Birgül dazu. Gleich daneben, am Stand der kroatisch-katholischen Gemeinde, haben ein paar Männer kräftig den Halbfinaleinzug  ihrer Nationalmannschaft bei der WM gefeiert. Sliwowitz wird ausgeschenkt und bunte Papierhüte verschenkt, denn in Dakovo/Kroatien startet zeitgleich ein riesiges Folklorefest.

Heiß ist es am Stand des TKSV, dem Türkischen Kultur- und Sportverein, wo Tuncay Özdemir hinter dem Grill steht: „Bei uns wird Fußball gespielt. Es geht nur um Sport“, erklärt er und fügt noch an: „Musik und Sport ist das Einzige, wo man nichts falsch machen kann.“

Vor zehn Jahren, so erzählt Frank Marchewicz, sei der Freundeskreis Uganda gegründet worden für ein Klinik- und ein Frauenprojekt. Genauso lange lebt seine Ehefrau Terry Nzilani in Geislingen und fühle sich wohl hier. Gleich daneben bereitet Samer Farawati „die besten Falafel im Fladenbrot“  zu, wie eine seiner Kundinnen berichtet. Vor vier Jahren kam er mit seiner Familie nach Deutschland, spricht gut Deutsch und hat Arbeit gefunden.

Auch für das Bildungszentrum Geislingen und die Gülen-Bewegung sprechen sich einige Frauen aus, sammeln Spenden und haben frische Gözleme zubereitet. Gleich gegenüber stehen die dazugehörigen Herren am Grill, noch einen Stand weiter trinken Mitglieder der DITIB-Gemeinde Kaffee. Ein unglaublicher Mix ob der vielen politischen Hintergründe auf engstem Raum, bei stets freundlicher und respektvoller Begegnung. Auch scharfe Miniröcke, freizügige Kleidchen und kurze Shirts stehen im Kontrast zu Kopftuch, Hidschab und Tschador, und spiegeln sichtbar die kulturelle Unterschiedlichkeit. Die Stimmung bleibt großartig, der Austausch freundlich und am anderen interessiert. Eine Tasse Tee am Stand der DIDF-Jugend gehört für die Besucher dazu: Berfe Budak und Roya Volkan berichten, dass sie mit diesem 80 Mitglieder starken Verein für junge Menschen „Brücken zwischen Deutschen und Nichtdeutschen“ bauen wollen.

Unterbrechung findet das muntere Treiben durch ein gemeinsames Friedensgebet der katholischen Gemeindereferentin Isabella Weber, der evangelischen Pfarrerin Maren Pahl, Fadime Ercik, Vorsitzende der Aleviten, Imam Ahmed Celik vom Verband der Islamischen Kulturzentren und Leyla Kücük von der
DITIB-Gemeinde: Der Wunsch nach Frieden, Heil und Gerechtigkeit eint alle Religionen.

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