Geislingen Alter Zoll für die Öffentlichkeit geöffnet

Geislingen / Bettina Verheyen 07.09.2018
Die Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz schaut sich den Alten Zoll in Geislingen an und informiert sich über dessen Sanierung.

Dem Alten Zoll, mitten in Geislingens Fußgängerzone, wurde am Freitag eine ganz besondere Aufmerksamkeit zuteil: Staatssekretärin Katrin Schütz besuchte mit Kollegen aus dem Regierungspräsidium im Rahmen ihrer viertägigen „Denkmalreise“ den imposanten Bau. Im vergangenen Jahr ist dieser unter restauratorischer Begleitung im Inneren komplett zurückgebaut worden, wobei unter anderem eine 13 Meter lange Bohlenwand aus dem Mittelalter zum Vorschein kam (wir haben berichtet). Demnächst soll begonnen werden, das denkmalgeschützte Gebäude, das im Besitz der Stadt Geislingen ist, behutsam einer neuen Nutzung zuzuführen. Am Tag des offenen Denkmals haben Interessierte die einmalige Chance, geführt von Fachleuten, in die Besonderheiten dieses Fachwerkhauses und Zeugnisses mittelalterlicher Holzbaukunst einzutauchen.

Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer begrüßte Katrin Schütz, die sich beeindruckt zeigte von der „schönen intakten Innenstadt“. Den Alten Zoll betreffend meinte sie: „Ich würde gerne wiederkommen und ihn mir ansehen, wenn er fertig ist.“ Auch bedankte sie sich bei ihren „Landtags-Kollegen“ Nicole Razavi und Sascha Binder, die ebenfalls an der Führung teilnahmen. Sie hatten durch ihren Einsatz mitgeholfen, einen Teil der Finanzierung sicherzustellen. So eine Sanierung sei etwas, bei dem man gemeinsam anpacken muss, stellte sie fest und zählte die vielen „Töpfe“ auf, in die gegriffen werden konnte.

Die Gruppe um Schütz erfuhr unter anderem vor Ort, was der Alte Zoll alles an Besonderheiten zu bieten hat. Dazu gehört das Baugefüge, eine Holzkonstruktion aus dem Mittelalter, dazu gehört vor allem die 13 Meter lange Bohlenwand im Erdgeschoss, die bei den Freilegungsarbeiten überraschenderweise zum Vorschein kam – ein „Highlight, das uns zur Umplanung gebracht hat“, stellte Dr. Simone Meyder vom Landesamt für Denkmalpflge fest und wies auch auf die „wunderbaren Kalksteinplatten“ hin, die teilweise auf dem Boden vor der Wand erhalten sind.

Interessant sind auch die Dachgeschosse, die am Tag des offenen Denkmals ebenfalls besichtigt werden können. Die Fachleute erläuterten gestern, dass es sich um einen „zweifach stehenden Dachstuhl in Kombination mit einem liegenden Stuhl handelt, dass die Hölzer der komplexen Konstruktion nicht durch frühere Holzschutz- oder Brandschutzmaßnahmen kontaminiert sind und also erhalten werden können, und dass der historische Treppenbereich nicht geändert werden muss. Eine der Fachfrauen machte der Gruppe klar, dass für die Dachkonstruktion quasi ein ganzer Wald Verwendung gefunden hat. Und: „Da steckt ein wahnsinniges Wissen drin.“ Morgen, beim Tag des offenen Denkmals, können sich die Besucher selbst davon überzeugen.

Info Am morgigen Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, ist das Geislinger Kulturdenkmal „Alter Zoll“ für die Öffentlichkeit zugänglich. Kostenlose Führungen durch Fachleute aus dem denkmalpflegerischen Bereich gibt es ab 14, 15 und 16 Uhr.

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