Verkehr Tempolimit im Ziegelwald: Autofahrer werfen Behörden „Abzocke“ vor

Auf der Straße durch den Ziegelwald erinnern insgesamt  vier Schilder die Autofahrer an Tempo 80 und Überholverbot. Auf den Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung – die erhöhte Gefahr durch Wildwechsel – weist kein einziges Schild  hin.
Auf der Straße durch den Ziegelwald erinnern insgesamt  vier Schilder die Autofahrer an Tempo 80 und Überholverbot. Auf den Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung – die erhöhte Gefahr durch Wildwechsel – weist kein einziges Schild  hin. © Foto: Markus Sontheimer
Amstetten / Von Thomas Hehn 18.05.2017
Seit Februar 2016 gilt Tempo 80 und Überholverbot im Ziegelwald bei Amstetten. Und das wird auch kontrolliert. Abzocke, schimpfen Autofahrer. Die Straße sei gefährlich, verteidigen die Behörden die Geschwindigkeitskontrollen.

Die Leute sind verwundert. Viele haben auch schon gezahlt und Punkte bekommen.“  Nicht nur Amstettens Gemeinderat Werner Meyer ist aufgefallen, dass seit gut einem Jahr auf der Straße im Ziegelwald nicht nur Tempo 80 und Überholverbot gilt, sondern die Behörden das offenbar auch fleißig kontrollieren lassen.

Ortsbaumeister Manfred Werner konnte Meyer in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nur ansatzweise Auskunft geben. Das Landratsamt habe die Kreisstraße wegen ihrer unübersichtlichen Kuppen als gefährlich eingestuft. In einer konzertierten Aktion mit der Polizeidirektion Ulm und dem Straßenbauamt seien dann Tempolimit und Überholverbot angeordnet worden. „Als wir nachgehakt haben, hieß es nur, das gehe die Gemeinde nichts an“, klärte Werner den Gemeinderat auf. Ob im Ziegelwald mehr kontrolliert wird als anderswo, wusste Werner nicht.

Auch die GEISLINGER ZEITUNG hat nachgehakt. Der Hauptgrund für die Einführung des Tempolimits im Februar 2016 seien vermehrte Wildunfälle gewesen, erläutert Bernd Weltin, Pressesprecher beim Landrats­amt in Ulm. Als ehemalige Sturmflächen würden die Wälder beiderseits der Straße gute Lebensbedingungen für Reh- und Schwarzwild bieten. Entsprechend häufig seien dort Wildwechsel. Nachdem es  allein im Jahr 2015 fünf Wildunfälle im Ziegelwald gegeben habe, hätten Förster und Jäger entsprechende Maßnahmen gefordert. Da der Verlauf der Kreisstraße mit ihren Kuppen und Senken insgesamt unübersichtlich sei, hätten sich die Behörden zusätzlich für ein Überholverbot auf der Strecke entschieden.

Dem Verdacht, dass im Ziegelwald häufiger kontrolliert wird als anderswo, widerspricht  Weltin:  Seit Einführung der Tempobegrenzung habe es insgesamt sieben Kontrollen durch die Verkehrsbehörde im Landratsamt gegeben: „Das ist kein überdurchschnittlicher Kontrollrhythmus.“ Überdurchschnittlich seien dagegen die „Überschreitungsquoten bei den Kontrollmessungen“: Üblich seien acht Prozent, im Ziegelwald seien aber im Schnitt 14 Prozent der Verkehrsteilnehmer zu schnell.  Für Weltin wiederum ein Indiz, dass die „Kontrollen mit Blick auf Wildunfälle und unübersichtlichen Streckenverlauf durchaus gerechtfertigt sind“.

Damit wissen die Autofahrer jetzt wenigstens aus der Zeitung, warum im Ziegelwald geblitzt wird. An der Strecke selbst wird nichts erklärt: Auf den rund zwei Kilometern gibt es zwar in jeder Fahrtrichtung jeweils zwei gekoppelte Schilder mit Tempo 80 und Überholverbot. Dass im Ziegelwald Gefahr durch Wildwechsel droht, steht dagegen nirgends. Warum, weiß auch Weltin nicht. Nur, dass „die Wildunfälle nicht zurückgegangen sind“.

Zuletzt weniger „Blitze“ im Ziegelwald

Statistik Bei der jüngsten
Tempo-Kontrolle im Ziegelwald am
21. April lag die Überschreitungsquote in Richtung Schalkstetten bei 6,45 Prozent und in Fahrtrichtung Amstetten bei 10,7 Prozent. Damit nähern sich die Autofahrer also den Durchschnittswerten. „Wenn es so weiter geht, umso besser“, meint dazu Landratsamtssprecher Bernd Weltin .