Geislingen/Bartenbach "Aktion Rückenwind" schützt Kinder vor Ausgrenzung

Fabian, Phillip und Jonas Van Tran (von links) zeigen stolz ihre Pfadfinderflagge. Dank der Aktion "Rückenwind" können sie Vereine besuchen - "sie sind keine Außenseiter", sagt ihre Mutter Tu Van Tran (rechts) glücklich. Foto: Claudia Burst
Fabian, Phillip und Jonas Van Tran (von links) zeigen stolz ihre Pfadfinderflagge. Dank der Aktion "Rückenwind" können sie Vereine besuchen - "sie sind keine Außenseiter", sagt ihre Mutter Tu Van Tran (rechts) glücklich. Foto: Claudia Burst
CLAUDIA BURST 30.11.2012
Familie Tran aus Bartenbach ist eine von vielen dankbaren Familien, die Unterstützung durch "Aktion Rückenwind" erhalten. Die Aktion ist auf Spenden angewiesen, GZ-Leser können helfen.

Dabei sein bei Freizeiten oder im Sportverein. Dazugehören, auch wenn zu Hause bei den Eltern das Geld knapp ist: Das ermöglicht die ökumenische "Aktion Rückenwind".

Allein im Kreis Göppingen leben laut offiziellen Angaben über 3000 Kinder von Sozialgeld. Sie sollen "stark fürs Leben gemacht werden", wünschen sich die Initiatoren aus dem Landkreis: Caritas, Diakonische Bezirksstellen, die Katholische Arbeitnehmerbewegung und das "Netzwerk Arbeitswelt". Deshalb ermöglicht die Aktion seit April 2010 diesen Kindern, die Musikschule oder einen Verein zu besuchen, an Freizeiten teilzunehmen oder Nachhilfeunterricht zu bekommen.

Eine Familie, die Unterstützung von "Rückenwind" bekommt, ist Familie Tran aus Bartenbach. "Ich bin so froh, dass ich die Hemmschwelle überwunden habe", sagt Tu Van Tran, die Mutter von vier Jungs zwischen sechs und 13 Jahren, "und zwar weil die Kinder so glücklich sind". Dank der "Aktion Rückenwind" ist es Fabian, Phillip und Jonas, den drei ältesten der vier Geschwister, möglich, jede Woche bei den Pfadfindern von Sankt Maria in Göppingen dabei zu sein. "Egal, wie schlecht das Wetter ist oder wie anstrengend die Schule war, an erster Stelle stehen bei allen dreien immer die Pfadfinder. Das lassen sie nie ausfallen", sagt die 36-jährige Vietnamesin. Als zum ersten Mal das Sommer-Zeltlager anstand, erklärte Tu Van Tran dem damaligen Jugendleiter Markus Waggershauser, dass es aus finanziellen Gründen nicht möglich sei, die Jungen mitzulassen. Waggershauser vermittelte ein Gespräch mit Johannes Sipple von der Caritas. "Der war so menschlich, ich bin mir überhaupt nicht wie ein Bittsteller vorgekommen", sagt die fließend Deutsch sprechende Asiatin freudig.

Der Katholikin ist es wichtig, dass ihre Jungs dazugehören, integriert sind. Deshalb spart sie lieber am Essen als etwa an Geschenken für Geburtstagsfeiern, zu denen ihre Kinder eingeladen sind. Sie nimmt gebrauchte Kleider und Schuhe von Bekannten dankbar an, kauft Second-Hand-Ware und hält nach Sonderangeboten Ausschau. "Aber dann gibt es Wandertage, Ausflüge und Exkursionen in der Schule, hier fünf Euro und da 20 Euro, das summiert sich bei vier Kindern. Das Geld reicht oft hinten und vorne nicht." Ihr Mann arbeitet bei einer Automobilzuliefer-Firma, sie selbst trägt zweimal in der Woche Prospekte aus.

Für die Möglichkeiten, die ihre Kinder durch die "Aktion Rückenwind" haben, ist sie ausgesprochen dankbar: turnen im Sportverein, Mitgliedschaft bei der DLRG und vor allem das Dabeisein bei den Pfadfindern. "Dank dieser Hilfs-Aktion gehören meine Kinder dazu und sind keine Außenseiter", sagt Tu Van Tran glücklich.