Jubiläum 60 Jahre Ehe: Gefunkt hat es auf dem Rhein

Ein adrettes Brautpaar: Brautkleid und Hochzeitsanzug haben Annemarie und Georg Volk selbst genäht.
Ein adrettes Brautpaar: Brautkleid und Hochzeitsanzug haben Annemarie und Georg Volk selbst genäht. © Foto: unbekannt
Geislingen / Von Stefanie Schmidt 16.05.2018

Noch ganz genau kann sich Georg Volk (85) an die drei Tage im Juni 1957 erinnern, die sein Leben veränderten. Mit seiner Geislinger Kolping-Gruppe fuhr der damals 24-Jährige nach Köln, um dort unter anderem in der Minoritenkirche die Ruhestätte des „Gesellenvaters“ Adolph Kolping zu besuchen. Beim Bummel durch die Stadt fällt den Vereinskameraden im Hafen das Schild an einen Schiff auf: Heute Abendfahrt mit Tanz. „Da gehen wir hin“, beschließen die Freunde.

Auf der abendlichen Fahrt über den Rhein mit Live-Musik lernt Georg  Annemarie Frankl aus Ansbach kennen. Die 22-jährige Fränkin ist mit ihrem Gesangsverein nach Köln gekommen, um sich die Gartenschau anzusehen. Bevor sich ihre Wege wieder trennen, tauschen die jungen Leute ihre Adressen aus.

Zurück in der Fünftälerstadt geht Georg Volk das hübsche Mädchen vom Tanzabend nicht mehr aus dem Kopf. Deshalb schickt er schon bald eine Ansichtskarte aus Geislingen nach Ansbach, erzählt er. „Und dann kam ein Brief zurück.“ Es sollte der Erste von vielen sein. Beim Briefwechsel bleibt es nicht lange, schon bald besuchen sich die Verliebten gegenseitig. Von Geislingen nach Ansbach sei es damals noch eine „halbe Weltreise“ mit Schienenbus und Zug gewesen, sagt Georg Volk. Nach wenigen Monaten hält er ganz offiziell um die Hand seiner „Annemie“ an. Nach der Verlobung  im November heiratet das Paar schließlich am 17. Mai 1958 im Geislinger Standesamt und in der Kirche Sankt Maria. Da beide ursprünglich das Schneiderhandwerk erlernt hatten, haben sie Brautkleid und Hochzeitsanzug selbst genäht. Der Zettel mit seiner Adresse, den Georg ihr auf dem Schiff in Köln zugesteckt hat, hat bis heute seinen  festen Platz in Annemaries Geldbeutel.

In den folgenden Jahren bauen sich Georg und Annemarie Volk in Geislingen ein gemeinsames Leben auf. Auch Georg Volk hatte erst wenige Jahre zuvor in der Fünftälerstadt eine neues Zuhause gefunden.  Als Zwölfjähriger war der Donauschwabe mit seiner Mutter und seinem Bruder aus ihrem Heimatdorf Popovac im heutigen Kroatien vertrieben worden. Nach zwei Jahren in Ungarn und fünf Jahren in Bayern war die Familie schließlich nach Geislingen gezogen.

Beide Eheleute arbeiten zunächst in der WMF. Nach der Geburt von Sohn Uli im Jahr 1961 – drei Jahre später folgt Tochter Andrea – widmet sich Annemarie Volk ganz den Kindern. Ihr Mann wechselt nach zwölf Jahren bei der WMF schließlich  zur Post und ist bis zu seiner Pensionierung in fast allen 24 Geislinger Briefbezirken als Austräger unterwegs. Als Töchterchen Andrea drei Jahre alt ist, fährt die Familie zum ersten Mal gemeinsam in den Urlaub: Es geht zum Campen nach Italien – der Beginn einer Familientradition.

Als die Kinder erwachsen sind, zieht es das Paar dann noch weiter in die Ferne. Gemeinsam sehen sie viel von der Welt, zum Beispiel Kuba, Kenia und die Karibik. Das allerschönste gemeinsame Hobby sind aber wohl die fünf Enkelkinder. Vor drei Jahren hat sich der Gesundheitszustand von Annemarie Volk plötzlich drastisch verschlechtert. Trotzdem wohnt das Ehepaar nach wie vor zusammen im eigenen Haus. Jetzt kümmert sich Georg Volk um den Haushalt und hat sogar noch Kochen und Backen gelernt. Ihre diamantene Hochzeit wird das Jubelpaar morgen gemeinsam mit der Familie feiern.