60 Familien- und Ahnenforscher aus weitem Umkreis fanden sich am Samstag im Wappensaal des Albwerks Geislingen ein, wo sie der Vorsitzende des Geislinger Vereins für Familien- und Ahnenforschung, Willi-Martin Jäger aus Gussenstadt, begrüßte. Der Bayrische Landesvorsitzende Manfred Wegele zeigte sich hoch erfreut über die gute Organisation des Treffens und das abwechslungsreiche Programm. In einer kurzen Vorstellungsrunde berichteten die Vertreter der regionalen Familienforschergruppen aus Günzburg, Leutkirch, Kempten, Erlingshofen, Ostallgäu, Mittelfranken, Oberbayern sowie Ulm und Geislingen über ihre derzeitige Arbeit.

Mit seinem Vortrag "Eine Landkarte als genealogische Quelle" stellte Jäger die "Bachmayer-Karte" als wohl einzigartige Quelle für Familienforscher vor. Wer den Pfarrer Johannes Veesenbeck oder den Oberforstmeister Johann Christoph Ehinger von Balzheim in seinen Vorfahren hat, tue gut daran, auf diese Landkarte des Ulmer Gebietes aus dem Jahre 1651 zu schauen.

Gefertigt wurde sie von Magister Wolfgang Bachmayer, Pfarrer zu Altheim/Alb. Am 14. Mai 1642, also im 30-jährigen Krieg, erhielt er vom Rat der Stadt Ulm den Auftrag, das Helfensteinische Gebiet kartografisch zu erfassen. In achteinhalbjähriger Arbeit erschuf er die "Bachmayer-Karte". Bachmayer war nicht nur Theologe, sondern auch Mathematiker und Astronom. Seine Fähigkeiten waren so bekannt, dass Johannes Kepler ihn zu seinem Mitarbeiter ernannte. Am 19. Dezember 1651 legte er dem Rat der Stadt Ulm sein Ergebnis vor und erhielt 300 Gulden für seine Pionierleistung.

Was diese Karte für Genealogen so einzigartig macht, führte Jäger aus, seien die beiden Todeseinträge, den ersten in der Nähe von Nellingen bezüglich Pfarrer Dr. Johannes Veesenbeck: "Anno 1612 den 29. Juni ist allhie Herr D. Johann Veßenbeck Verschieden". Er war Münsterprediger, Direktor des Gymnasiums und Superintendent in Ulm und starb auf der Rückreise in der Nähe von Nellingen. Ein zweiter Eintrag bei Gussenstadt ist für Familienforscher noch wichtiger, da dieser Todesfall in keinem Kirchenbuch erwähnt wird: "Anno 1646 d. 16 Aug. ist der Oberforstmeister zu Altheim allhie umbkomen". Bei ihm handelt es sich um den Ulmer Patrizier Johann Ehinger von Balzheim, der zu dieser Zeit als Oberforstmeister in Altheim/Alb wirkte.

Nach dem schwäbischen Mittagessen mit geschmelzten Mautaschen und Kartoffelsalat konnten die Teilnehmer je nach Interessenlage wählen zwischen einer Museumsbesichtigung und einer Stadtführung. Im Museum erwartete die eine Gruppe Stadtarchivar Hartmut Gruber, welcher in gekonnter Weise die Geschichte der Stadt und das Museum näherbrachte. Die zweite Gruppe machte sich mit Heide Rigl auf den Weg, um mehr über "Frauenleben in Geislingen" zu erfahren.

Mit dem anschließenden gemütlichen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen kamen Erfahrungsaustausch und Freundschaftspflege nicht zu kurz. Es wurden neue Kontakte geknüpft sowie bestehende gefestigt.