Kunst 3-D-Drucker in der Stadtbücherei druckt Kunst

Zum Verwechseln ähnlich: Die Holzskulptur, die der Aufhausener Künstler Hartmut Väth trägt, wird mit dem 3-D-Drucker in der Geislinger Stadtbücherei vervielfältigt. Oksana Kotlova ist für die Repliken verantwortlich und hält ein Ergebnis in den Händen.
Zum Verwechseln ähnlich: Die Holzskulptur, die der Aufhausener Künstler Hartmut Väth trägt, wird mit dem 3-D-Drucker in der Geislinger Stadtbücherei vervielfältigt. Oksana Kotlova ist für die Repliken verantwortlich und hält ein Ergebnis in den Händen. © Foto: Sabrina Balzer
Isabelle Jahn 09.01.2018
Der Künstler Hartmut Väth lässt eine seiner Skulpturen kopieren. Die Repliken kommen aus dem 3-D-Drucker in Geislingen.

In der Kunst wird die Einzigartigkeit meist als das Wertvolle betrachtet. Hartmut Väth bricht damit: Der Künstler aus Aufhausen lässt Repliken von einem seiner Werke anfertigen – mit dem 3-D-Drucker von Geislinger Stadtbücherei und Volkshochschule. An der Planung und Konzeption ist der 56-jährige Künstler nach wie vor beteiligt, die Umsetzung gibt er aber aus der Hand: Den Auftrag, drei Kopien der aus Lindenholz geschnitzten Skulptur „Seelenbegleiter“ herzustellen, hat er Oksana Kotlova erteilt.

Der Laptop und die surrenden Geräusche im Hintergrund lassen erkennen, dass die 31-Jährige weder Holz noch Säge für das Projekt benötigt: Die Repliken werden mit Computerprogrammen erstellt und dann als Auftrag an den 3-D-Drucker gesendet, der in einem Raum der Stadtbücherei steht und quasi durchgehend läuft. An einem Stück wird nicht gedruckt, dafür ist die Skulptur zu groß, erklärt Kotlova. Teil für Teil bringt das Gerät, das etwa so groß wie eine Getränkekiste ist, hervor. Die einzelnen Elemente aus Kunststoff – insgesamt 23 dreidimensionale Teile für eine Skulptur – werden dann von Hand zusammengesteckt und -geklebt, sodass ein großes Ganzes entsteht. An jede Replik wird eine Metallstange geschraubt, mit der sich die drei Skulpturen zu einem Kunstwerk zusammenfügen lassen, erklärt Hartmut Väth. Während das Original aus dem Holz einer Aufhausener Linde nur für Ausstellungen im Innenraum geeignet ist, könne er die Kunststoff-Repliken auch im Freien präsentieren.

Das Schwierigste sei die Kopie des Gesichts des „Seelenbegleiters“, erzählt Oksana Kotlova, die sich als 3-D-Modelliererin bezeichnet. „Der Betrachter soll dasselbe Gefühl haben, wie wenn er das Original ansieht.“ An einem Prototyp zeigt die 31-Jährige, wie sie am Gesichtsausdruck gefeilt hat. Mit Computerprogrammen kann sie feine Veränderungen vornehmen. Immer wieder habe sie sich mit dem Künstler abgesprochen, um seinen Ansprüchen gerecht zu werden, erzählt die gebürtige Kasachin.

Die drei Repliken, deren Druck insgesamt etwa 30 Stunden lang dauert, sind das Größte, das Oksana Kotlova bisher erstellt hat. Deutlich kleiner waren die Gegenstände, an denen sie gearbeitet hat, bevor sie vor einem Jahr mit ihrem Mann nach Deutschland kam: In Russland war sie als Schmuckdesignerin tätig und musste dafür sehr gut mit 3-D-Programmen umgehen können, erzählt die 31-Jährige. Diese Fähigkeit hat sie sich übers Internet, zum Beispiel mit Lernvideos auf Youtube, angeeignet. „Das macht mir großen Spaß, weil ich Technisches mit Künstlerischem verbinde“, sagt Kotlova. Als 3-D-Modelliererin müsse man immer mehrere Schritte vorausdenken und wisse doch nie ganz genau, wie der Druck schließlich aussieht. „Es ist immer wie ein kleines Wunder, wenn die Dinge aus dem Drucker kommen.“

Wundervoll findet auch Hartmut Väth das Ergebnis, wenn er eine der Repliken mit seinem Original aus Lindenholz vergleicht. „Ich bin mit dem Ergebnis nicht nur zufrieden, sondern davon begeistert“, sagt der Künstler und lobt den Ehrgeiz seiner Projektpartnerin.

So ähnlich die drei gedruckten Skulpturen ihrem Vorbild, dem „Seelenbegleiter“, auch sind, genau gleich werden sie schließlich doch nicht sein: Väth will die Oberfläche mit Farbe einsprühen, möglicherweise im Kupferton mit grünlichen Oxidationen – damit es nicht mehr so nach Plastik aussieht, erklärt der 56-Jährige. Auch einen neuen Namen sollen die Repliken bekommen: „Freigeister“. Gewissermaßen einzigartig sind sie also doch.

Info Wer den 3-D-Drucker nutzen will, muss einen Einführungskurs bei der VHS besuchen. Weitere Infos unter www.stadtbuecherei-geislingen.de

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