Gutachten 1350 Fahrgäste erwartet

Eine Bahnanbindung würde der Laichinger Alb wichtige Impulse geben. Zu diesem Schluss kommt ein neues Gutachten.
Eine Bahnanbindung würde der Laichinger Alb wichtige Impulse geben. Zu diesem Schluss kommt ein neues Gutachten. © Foto: dpa
Merklingen / Ralf Heisele 03.03.2017

Den neun Gemeinden auf der Laichinger Alb, die den Bahnhalt bei Merklingen mitfinanzieren, steht eine dynamische Entwicklung bevor. Zu diesem Ergebnis kommt das Beratungsunternehmen Ramboll aus Karlsruhe, das die regionale Wirkungen des  Bahnhofs untersucht hat. Das vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg in Auftrag gegebene Gutachten ist jüngst den Bürgermeistern zugegangen.  Und die dürften sich ob des Inhalts gefreut haben.

Demnach werden etwa 1350 Fahrgäste täglich in Merklingen  in den Zug steigen ­– die meisten davon in Richtung Ulm. Dies hängt in erster Linie  mit der „starken Ausrichtung der Pendlerströme“ zusammen, schreiben die Gutachter.  Derzeit gibt es  3300  Menschen in den neun Gemeinden, die ihre Arbeitsstelle in Ulm und Umgebung haben,  und lediglich 400 Pendler, die im Raum Stuttgart arbeiten.  Interessant auch:   Während laut der Untersuchung 75 Prozent der Zugfahrer in Richtung Ulm aus den neun Kommunen werden, sind es nach Stuttgart  nur noch 60 Prozent.  Mit anderen Worten:  In Richtung der Landeshauptstadt ist der Einzugsbereich der Fahrgäste viel größer, auch weit in den Landkreis Göppingen hinein. Anziehungspunkte sind in erster Linie der Stuttgarter Flughafen und die Messe, die mit dem Regionalzug von Merklingen aus in 20 Minuten zu erreichen sind.

Auch als Wohnort interessant

Auch den volkswirtschaftlichen Nutzen und die Auswirkungen des Bahnhalts auf die Region haben die Experten in drei Kategorien unter die  Lupe genommen.  Die verbesserte Erreichbarkeit macht die Laichinger Alb als Wohnort interessant  – auch wegen der geringeren Miet- und Lebenshaltungskosten gegenüber den Ballungsräumen. Diese würden sich aber durch das verbesserte öffentliche Verkehrsangebot erhöhen. Beispiele in anderen Gemeinden mit Bahnanschluss zeigen, dass die Grundstückspreise innerhalb von zehn Jahren um 20 bis 60 Prozent steigen können.  Davon profitieren indirekt auch die Kommunen über die Grundsteuer. Der Bahnhalt, so schreiben die Gutachter, sei ein Instrument, „um die Abwanderung der jungen Bevölkerung in die Städte zu begrenzen und erschließt gleichzeitig die Möglichkeit, dass sich neue Bewohner in der Region ansiedeln.“ Die vielfach propagierte Landflucht könne  durch die bessere Erreichbarkeit gestoppt und „im besten Fall zu einer Erhöhung der Einwohnerzahlen beitragen.“

Der Bahnhalt hat zudem einen positiven Einfluss auf die regionale Wirtschaft.  Im Falle Merklingen wird dies durch den Autobahnanschluss sogar noch verstärkt. Da im Bereich des Regionalbahnhofs ein neues interkommunales Gewerbegebiet entstehen soll, geht die Studie von einer „überproportionalen Entwicklung der Beschäftigtenzahl“ aus. Als Beispiel wird die Stadt Montabaur angeführt, die einen ICE-Anschluss erhalten hat. Innerhalb weniger Jahre haben sich dort 80 Unternehmen mit 1800 Arbeitsplätzen neu angesiedelt. Außerdem sagt das Gutachten für „Dienstleistungswirtschaftszweige eine positive Entwicklung“ voraus.

Der Bahnhalt  stärkt auch den Tourismus in der Region.  Es ist mit einer erhöhten Anzahl von Tagestouristen aus den angrenzenden Ballungsgebieten zu rechnen, die die Laichinger Alb als Naherholungsgebiet nutzen.  Das Karlsruher Beratungsunternehmen geht  jährlich von 3300 Tagestouristen und 600 zusätzlichen Übernachtungen aus.  Übernachtungsgäste geben dabei pro Tag im Schnitt 135 Euro aus, und Tagesgäste lassen jeweils 26 Euro in der Region liegen.

Zusammenfassend geht die Studie von einem volkswirtschaftlichen Nutzen für die Region in Höhe von 4,8 Millionen Euro pro Jahr aus (siehe Info). Darüber hinaus profitieren auch weiter entferntere Gemeinden an dem Bahnhalt. Das Fazit der Untersuchung: „Dem Projekt (Bahnhalt) kommt somit aus Sicht der regionalen Effekte eine noch größere Bedeutung für die Region Laichinger Alb zu, als hier ermittelt wurde. Insofern sind die Berechnungen als konservativer Ansatz zu verstehen.“

Info Die neun Gemeinden auf der Laichinger Alb profitieren vom wirtschaftlichen Nutzen des Bahnhalts in unterschiedlicher Weise. Spitzenreiter ist laut Studie die Stadt Laichingen mit 2,8 Millionen Euro im Jahr, gefolgt von Heroldstatt (500 000 Euro), Merklingen (461 000), Dornstadt (400 000), Westerheim (321 000), Nellingen (260 000), Berghülen (66 000), Hohenstadt (4000) und Drackenstein (1000).

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