Gaildorf/Neuffen Zu Ehren der Schwaben-Hymne

Die Ruine der sagenumwobenen Burg Hohenneuffen im Kreis Esslingen, einst Landesfestung: Dort werden Chöre aus Württemberg Justinus Kerners Ballade „Der reichste Fürst“ singen, die Hymne der Schwaben.
Die Ruine der sagenumwobenen Burg Hohenneuffen im Kreis Esslingen, einst Landesfestung: Dort werden Chöre aus Württemberg Justinus Kerners Ballade „Der reichste Fürst“ singen, die Hymne der Schwaben. © Foto: Achim Mende / Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
Gaildorf/Neuffen / Klaus Michael Oßwald 31.08.2018
Vor 200 Jahren schrieb Justinus Kerner in Gaildorf seine Ballade „Der reichste Fürst“. Daran erinnern am 30. September auf dem Hohenneuffen Chöre aus ganz Württemberg.

Vor 200 Jahren hat der legendäre Mediziner und Literat Justinus Kerner in Gaildorf, wo er als Oberamtsarzt angestellt war, eine Ballade geschrieben, deren gesellschaftspolitischer Anspruch einen Meilenstein in der Geistesgeschichte Württembergs markiert: „Der reichste Fürst“ – besser bekannt als „Preisend mit viel schönen Reden“.

Dieses Werk, von einem bis heute unbekannten Komponisten vertont, gilt als die inoffizielle württembergische Hymne und soll nun am 30. September in imposantem Rahmen und auf nicht alltägliche Weise aufgeführt werden: Die „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ laden interessierte Chöre im Ländle ein, auf der Festungsruine Hohenneuffen im Landkreis Esslingen gemeinsam zu singen. Voraussetzung dafür ist: Kerners Schwaben-Hymne muss im Repertoire der Liederkränze und Gesangvereine enthalten sein.

„Ein besonderer Ort“

Man wolle „das Jubiläum von Justinus Kerners Hymnentext feiern – an einem württembergischen Traditionsort, dem Hohenneuffen, und mit der württembergischen Tradition des Chorgesangs“, erklärt Frank Krawczyk, Pressesprecher der Staatlichen Schlösser und Gärten. Wenn im Herbst viele Menschen am Alb-
rand zum Wandern unterwegs seien, solle der Hohenneuffen, die einstige Landesfestung, „als ein besonderer Ort erlebbar werden“.

Krawczyk erinnert an den Protagonisten der sieben Strophen aus der Feder Kerners: Der besungene „reichste Fürst“ war der württembergische Herscher Eberhard im Bart (1445-1496), der die erste schwäbische Universität in Tübingen gegründet hat. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die geteilte Grafschaft Württemberg wieder vereinigt werden konnte. 1495 erhob Kaiser Maximilian den Grafen zum Herzog und damit das Württemberger Ländle zum Herzogtum.

Eberhard im Bart ist als einer der beliebtesten Landesfürsten Alt-Württembergs in die Geschichte eingegangen. Kerner schildert in den sieben Strophen seiner Ballade Eberhard deshalb als reichsten unter den deutschen Fürsten, weil der – verkürzt wiedergegeben – ob seiner menschlichen Wärme unbesorgt sein „Haupt kann kühnlich legen jedem Untertan in (den) Schoß“, ohne Angst um Leib und Leben haben zu müssen.

Fürsten zollen Respekt

Die anderen Fürsten, die damals, als dieser Ausspruch gefallen sein soll, mit Eberhard auf dem Reichstag in Worms waren, lässt Kerner anerkennend feststellen: „Graf im Bart! Ihr seid der Reichste! Euer Land trägt Edelstein.“

Das werden die Besucher des Hohenneuffens am Sonntag, 30. September, von 11 bis 17 Uhr hören. Den Jubiläumstag organisieren die Staatlichen Schlösser und Gärten gemeinsam mit dem Burg-
restaurant.

Aufruf an die Chöre Württembergs

Gesangvereine, die Lust haben, mitzumachen, können sich über das Internetportal der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-
Württemberg anmelden unter www.festungsruine-hohenneuffen.de oder direkt per E-Mail an presseservice@
schloesser-und-gaerten.de.

Erwartet wird ein maximal 20-minütiges Programm, das die Chöre selbst aus ihrem Repertoire zusammenstellen können. Einzige Bedingung: Kerners „Preisend mit viel schönen Reden“ muss unter den gesungenen Liedern sein.

Info „Der reichste Fürst“ wurde erstmals am 25. Mai 1818 im „Morgenblatt für gebildete Stände“ von Johann Friedrich Cotta abgedruckt. Unsere Zeitung hat am 200. Jahrestag eine umfangreiche Dokumentation über Kerners Werk veröffentlicht.

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