Gaildorf / Klaus Michael Oßwald Die aufwändigen Vorarbeiten sind abgeschlossen. Ab Montag wird das baufällige Gebäude in der Gaildorfer Grabenstraße dem Erdboden gleichgemacht.

Laut ist’s im Grabenviertel. Passanten bleiben stehen. Einige finden es „schade“, andere wiederum äußern sich froh darüber, dass das im Lauf der vergangenen Jahre extrem baufällig gewordene Haus nun abgerissen wird. Damit geht ein weiteres Gebäude unter, das im ersten maßstabsgetreuen Stadtplan Gaildorfs, der aus dem Jahr 1831 stammt, verzeichnet ist. Ab kommenden Montag beißt der Bagger.

Morsches Gebälk

Seit Mittwoch ist ein Team des in Abbrucharbeiten erfahrenen Dalkinger Unternehmens Josef Bühler zugange, um die seit geraumer Zeit leer stehende Immobilie Stück für Stück abzutragen. In der Weise, dass dabei Nachbargebäude nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein schwieriges Unterfangen, zumal einige der Dachsparren komplett verfault sind, und sich das komplette Dachwerk insgesamt in Richtung Südwesten geneigt hatte.

Donnerstagvormittag, am Tag nach dem großen Ausräumen: Behutsam, Stein um Stein, kürzen die Experten vom Hubsteiger aus den wackligen Schornstein, der im Lauf der Zeit „Schlagseite“ bekommen hatte und abzustürzen drohte. Ebenso vorsichtig demontieren sie das Dach. Zentnerweise Ziegel purzeln kontrolliert in den großen Container. Noch vor dem Feierabend ist das Dach komplett offen. Sogar eine Schulklasse hat sich eingefunden, um das Geschehen zu verfolgen.

Nun werden die gravierenden Schäden am Gebälk sichtbar. Größere Teile der Konstruktion sind verfault und lassen sich mit der Hand zerbröseln. Der instabile Südgiebel wird nur noch durch ein paar Dutzend dünner Dachlatten gehalten.

In wenigen Tagen ist die bisherige Doppeladresse Grabenstraße 10 und 12 Geschichte. Zumindest so lange, bis das Gelände neu bebaut wird. Das ist, inzwischen Freitag, im Moment kein Thema: Bühlers Mannschaft ist schon früh auf der Baustelle. Ein kleiner Bagger kommt zum Einsatz, um eine Stromleitung freizulegen, die noch gekappt werden muss. Mit Bauzäunen wird das Areal gesichert.

Routiniertes Team

Für Aufsehen sorgt das Eintreffen des großen Baggers, der in Position gebracht wird, um am Montag mit dem eigentlichen Abriss beginnen zu können. Die Anlieferung aller nötigen Gerätschaften durch die enge, gepflasterte Grabenstraße verlangt nach Maßarbeit. Rückwärts rangieren mit angehängtem Tieflader ist für die Lenker der schweren Lastwagen offensichtlich Routine.

Juniorchef Josef Bühler und seine Mitarbeiter sind gut aufeinander eingespielt. Jeder Handgriff sitzt. Obwohl dieses Objekt, das sie dem Erdboden gleichmachen, eine besondere Herausforderung darstellt.

Auf Spurensuche

Ganz ohne hintergründigen Abgesang wird das Gebäude jedoch nicht vom Stadtbild verschwinden. Im Auftrag der Stadt hatte der Bauhistoriker Gerd Schäfer vor wenigen Monaten das Ganze unter die Lupe genommen. Und dabei Interessantes festgestellt: Das ursprüngliche Gebäude, um das Jahr 1600 errichtet, war den Untersuchungen zufolge zweigeschossig, nur fünf Meter breit und zehn Meter lang – im östlichen Bereich auf die Kante des außerhalb der einstigen Stadtmauer angelegten Stadtgrabens gesetzt, der westliche Teil liegt auf einem massiv mit Natursteinen gemauerten Untergeschoss.

Im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte erfuhr das bis vor wenigen Jahren noch bewohnte Haus mehrere An- und Umbauten, etwa im 19./20. Jahrhundert eine Verlängerung in Richtung Norden, wobei der Bauhistoriker drei größere „Entstehungsabschnitte“ ermittelte. Abbrüche gab es auch, den letzten in den 1990er-Jahren.

Nicht eindeutig geklärt ist, zu welchen Zwecken das Bauwerk entstanden ist. Denkbar ist Gerd Schäfers Bericht zufolge, dass es einstmals ein Nebengebäude eines benachbarten, längst verschwundenen Hofes war. Ende des 18. Jahrhunderts könnte darin – worauf die Verbreiterung schließen lässt – erstmals Wohnraum geschaffen worden sein. Der nördliche Anbau, der ein kleines Gässchen in Richtung Eschenau verschwinden ließ, dürfte zunächst als Scheune genutzt worden sein.

Seit Jahren unbewohnt

In neuerer Zeit diente das verschachtelte Anwesen als Werkstatt und Lager, das erste Ober­geschoss als Wohnraum. Die letzten Mieter sind vor wenigen Jahren ausgezogen. Seither steht es leer. Seit wenigen Wochen gehört es, wie Bürgermeister Frank Zimmermann kürzlich berichtete, der Stadt, die an dieser Stelle einen Neubau ermöglichen will …

Nun ist Feierabend. Ab Montag herrscht dann wieder Hochbetrieb auf der Baustelle.

Wenn nichts dazwischen kommt, will das Bühler-Team bis zum kommenden Mittwoch den Abriss weitgehend erledigt haben.

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