Als die Gaildorfer letztmals den Schenkenbecher im Original sehen durften, war der Ausstellungsraum im Alten Schloss für die Dauer von drei Tagen der weit und breit am besten bewachte Ort: Zur 600-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung des Schlosses hatte das Landesmuseum seine Schatzkammer geöffnet und den aus dem Jahr 1562 stammenden Limpurger Krönungspokal nach Gaildorf gebracht.

Fast auf den Tag genau 15 Jahre später kehrt der Schenkenbecher nun endgültig zurück in die Region - nicht nach Gaildorf, wo seit Eröffnung des Stadtmuseums im Schloss eine aufwändige Replik zu bewundern ist. Das Kleinod wird die einzigartige Sammlung des Künzelsauer "Schraubenkönigs" und Kunstförderers Reinhold Würth bereichern.

Gestern informierte die Würth-Gruppe die Öffentlichkeit über den spektakulären Erwerb. Und kündigte an, dass dieses "Meisterwerk der Goldschmiedekunst der Renaissance" im kommenden Jahr "im Kontext der Sammlung Würth präsentiert" werde. Über Einzelheiten des Erwerbs ist nur wenig bekannt, und über den Kaufpreis wurde offenbar mit den Eigentümern, der gräflichen Familie zu Ortenburg, Stillschweigen vereinbart.

Bereits 1999 hatte Peter Heinrich, damals Chefrestaurator beim Landesmuseum, von interessierten Ausstellungsbesuchern mit "Millionen"-Fragen gelöchert, schmunzelnd erklärt: Über derart wertvolle Stücke werde er keinerlei Aussagen machen. Dennoch lässt sich der Wert des guten Stücks erahnen: Der Pokal ist einer von nur 80 Stücken in Baden-Württemberg, die im Gesamtverzeichnis "national wertvollen Kulturgutes" vermerkt sind.

Nürnberger und Haller Goldschmiede am Werk

Restaurator Heinrich, Graf Philipp zu Ortenburg und einer Initiative von Gaildorfer Bürgern ist es schließlich zu verdanken, dass im Jahr 2000 vom Schenkenbecher eine Kopie angefertigt werden konnte. Die detailgetreue Nachbildung kostete seinerzeit schnäppchenhafte 20.000 Mark.

Nur spärliche Informationen gibt es auch, wie die Kunstsammlung auf den Schenkenbecher aufmerksam geworden ist. "Über den Kunsthandel" sei der Pokal angeboten worden, berichtete eine Würth-Sprecherin auf Anfrage.

Die Geschichte dieses Meisterwerks ist bewegt und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Limpurger Familientradition: Während der Krönung Maximilians II. im Jahr 1562 zum deutschen König in Frankfurt am Main überreichte Schenk Christoph III. von Limpurg, protokollgemäß hoch zu Roß, dem neuen Regenten den mit Wein und Wasser gefüllten Pokal. Christophs Schenkendienst wurde mit Pferd und Pokal belohnt.

Eine Zeremonie, die sich über Jahrhunderte hinweg bei Kaiser- und Königskrönungen wiederholte - mehr als 20 Mal, wie der inzwischen verstorbene Vorsitzende des Gaildorfer Historischen Vereins und Limpurg-Kenner Steffen Hinderer ermitteln konnte. Dennoch ist nur Christophs Pokal erhalten, wenngleich Hinderer im Jahr 2000 Anhaltspunkte dafür fand, dass es mindestens einen weiteren Schenkenbecher geben könnte. Seine Spurensuche verlief damals im Sand.

Der Pokal aus vergoldetem Silber ist 58,5 Zentimeter hoch und misst 21 Zentimeter im Durchmesser. Hergestellt wurde er in den Jahren 1561 und 1562 in Nürnberg von einem Goldschmiedemeister namens Christoph Ritter. Das Trinkgefäß selber soll, wie es das Beschauzeichen an der Kuppa ausweist, aus der Werkstatt des Haller Goldschmieds Philipp Bonhöfer stammen. Die gewölbten Flächen sind "reich ornamentiert mit Roll- und Beschlagwerk, durchsetzt von Fruchtbündeln, Masken und Engelsköpfen", beschreibt Würth die Gestaltung. Der Mündungsrand zeige in drei Ovalmedaillen Darstellungen der Elemente Wasser, Luft und Erde. "Dazwischen werden die drei Menschenalter als geflügelte Wesen verkörpert. Der Deckel ist reich verziert mit Rollwerk, Arabesken und Masken, außerdem mit Allegorien der Erdteile: das Pferd für Europa, den Löwen für Afrika und den Elefanten für Asien." Auf der Deckelinnenseite wurde ein Medaillon mit dem alttestamentarischen Motiv "Lot und seine Töchter" angebracht.

Wann nun die Gaildorfer Gelegenheit haben, "ihren" Schenkenbecher im Original zu bestaunen, ist noch offen. Dafür interessieren dürften sich auch die Bürger von Michelbach/Bilz: Der vergoldete Schenkenbecher auf blauem Grund ist das Motiv ihres Gemeindewappens.

Kostbares Kleinod nur selten in der Öffentlichkeit gezeigt