Gaildorf Züblin Timber: wortkarg dem Ende entgegen

Blick auf Gaildorf aus Richtung Unterrot: Noch bestimmt das Blau des Stephan-Werks, seit sieben Jahren Züblin Timber, im Vordergrund das Stadtbild.
Blick auf Gaildorf aus Richtung Unterrot: Noch bestimmt das Blau des Stephan-Werks, seit sieben Jahren Züblin Timber, im Vordergrund das Stadtbild. © Foto: Clemens Weller
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 29.08.2018
Züblin Timber fährt in Gaildorf die Produktion auf Null herunter. Der Konzern äußert sich nur vage zur Zukunft des Standorts. Die Stimmung unter der Belegschaft ist auf dem Tiefpunkt.

Züblin Timber wird die Produktion in Gaildorf einstellen. Eine entsprechende Information unserer Zeitung hatte das Unternehmen, das unter dem Dach der österreichischen Strabag AG angesiedelt ist, vor einem Vierteljahr bestätigt. Sieben Jahre nach der Übernahme passt der frühere Ableger der Traditionsfirma Stephan Holzbau offenbar nicht mehr ins Konzept des Konzerns.

Belastende Situation

Die Schließung hatte Züblin-Vorstandsmitglied Ulrich Weinmann damals auf „voraussichtlich Ende August“ terminiert. An den Kernaussagen hat sich nichts geändert. Aber am Betriebsklima, das sich dem Vernehmen nach in jüngster Zeit erheblich verschlechtert haben soll. Für viele der Mitarbeiter, teilweise seit Jahrzehnten im Werk, sei die Situation „eine Belastung“, ist aus den Reihen ehemaliger Beschäftigter zu hören. Der Betriebsrat hält sich unter Hinweis auf laufende Gespräche mit Aussagen zurück.

Insgesamt sind nach jüngsten Angaben einer Sprecherin der in Köln ansässigen Strabag-Konzernkommunikation von den 80 Arbeitskräften am Standort Gaildorf „rund zwei Drittel“ von der Einstellung der Brettschichtholz-Produktion betroffen. Von diesen hätten „nahezu alle“ innerhalb des Konzerns „konkrete Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten“ angeboten bekommen. Bei Züblin Timber in Aichach oder anderswo? Genaue Angaben und Zahlen werden nicht genannt. Letzteres sei „zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.“

Im Schreiben der Presseabteilung als Antwort auf den umfangreichen Fragenkatalog unserer Zeitung ist weder von Kündigung noch von Freistellung die Rede. Obwohl es beides gegeben hat. Nur so viel: Von den 80 Kräften hätten „einige“ Mitarbeiter „im Zuge der Teilschließung“ das Unternehmen bereits verlassen. Unabhängig davon werde ein Großteil der betroffenen Kollegen „aufgrund langer Firmenzugehörigkeit und Kündigungsfristen“ über den 1. September hinaus – also auch nach der Einstellung der Produktion – in Gaildorf „angestellt sein.“ Weil dort „durchaus noch andere Arbeiten“ erledigt würden, die nicht näher beschrieben werden.

Unterdessen bekräftigt Züblin Timber die im Mai formulierte Aussage, wonach der Holzingenieurbau „weiterhin strategisch wichtiges Geschäftsfeld der Ed. Züblin AG bleiben und kontinuierlich weiterentwickelt“ werde.

Sozialplan „in Ordnung“

Auf die konkrete Frage, wie mit noch laufenden Aufträgen verfahren werde, wenn die Produktion bis Ende August, wie angekündigt, „sukzessive heruntergefahren“ ist, holt die Konzernsprecherin aus: Alle eingehenden oder noch nicht abgearbeiteten Aufträge würden „weiterhin im eigenen Haus gesamtverantwortlich abgewickelt“. Und für die Belieferung der Baustellen mit Brettschichtholz-Sonderbauteilen „arbeiten wir eng mit ausgewählten Zulieferungsunternehmen zusammen“.

Mit dieser Aussage scheint sich das zu bestätigen, was Vorstand Weinmann im Mai erklärt hatte: Die „Ingenieurkompetenz“, also das Gaildorfer Ingenieurbüro, werde man behalten, „aber zukünftig das Material fallweise extern einkaufen“.

Unter Dach und Fach ist der Sozialplan, an dem es laut Betriebsrat nicht viel auszusetzen gibt. Aus Sicht von Klaus Ulrich vom Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt in Frankfurt orientiert sich das Werk an Konzernstandards und sei „vom Umfang her eher besser“, also „finanziell voll in Ordnung“. Im Übrigen hält sich der Gewerkschafter bedeckt. Er ist auch Mitglied des Züblin-Aufsichtsrats.

Denkbar knapp fällt auch die Darstellung des Konzerns zum Thema Sozialplan beziehungsweise Interessensausgleich aus. Detaillierte Auskünfte werde man nicht geben. Das ausgehandelte Papier sei „jedoch ein sehr umfassender Sozialplan, der in hohem Maße auf die Interessen der betroffenen Belegschaft und jedes einzelnen Mitarbeiters ausgerichtet“ sei.

An eine Umkehr der unternehmerischen Entscheidung, die Produktion in Gaildorf einzustellen, glaubt offenbar niemand mehr in den Reihen des kleiner werdenden Mitarbeiterstamms. „Die meisten haben mit Züblin abgeschlossen“, kommentiert ein früherer Beschäftigter – der namentlich nicht genannt werden möchte – im Gespräch mit unserer Zeitung die Haltung der ehemaligen Kollegen.

Nur noch wenig Hoffnung

Einige hätten die Hoffnung noch nicht aufgegeben – „solange der Betrieb noch so dasteht. Aber sobald es mit der Demontage losgeht – dann ist es aus!“ Dann endet ein Stück Gaildorfer Wirtschaftsgeschichte, das im Jahr 1929 mit der Übernahme des Dampfsägewerks auf dem Krähenbühl durch das Bad Cannstatter Bauunternehmen Paul Stephan begann.

Konzern prüft „verschiedene Optionen“

In Branchenkreisen ist bekannt, dass sich Züblin Timber seit mindestens einem Jahr vom Standort Gaildorf trennen möchte, weil es nicht gelungen sei, das Werk in die Profitzone zu führen. Auch ist nach Informationen unserer Zeitung von (mindestens) zwei regionalen Unternehmen die Rede, die am Erwerb des Werks interessiert sein sollen. Dies wird vom Strabag-Konzern weder bestätigt noch dementiert.

Eine Sprecherin der Konzernkommunikation erklärt dazu lediglich, dass die Weiter­entwicklung von Unternehmensbereichen „entscheidende Aufgabe einer verantwortungsvollen Manage­mentplanung“ sei. ­     Und dazu gehöre „auch die kontinuierliche, fortlaufende Analyse und Abwägung aller möglicher Optionen“. Dies lasse sich nicht auf       einen konkreten Zeitraum eingrenzen. „Auch jetzt prüfen wir nach wie vor  verschiedene Optionen. Nähere Angaben hierzu machen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“ kmo

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