Gaildorf Winzenweiler feiern ihre Kirche

Gaildorf / Hans Buchhofer 12.12.2018
Das katholische Gotteshaus wird 150 Jahre alt. Im Jahr 1872 weiht Bischof Hefele das Bauwerk offiziell „zu Ehren der heiligen Maria“. An diesem Tag pilgern viele Gläubige in den kleinen Gaildorfer Teilort.

Dass Winzenweiler als kleiner Teilort von Gaildorf eine Kirche besitzt, ist schon eine ungewöhnliche Angelegenheit, denn zur Gründungszeit der Kirche vor 150 Jahren gab es im Umfeld von Winzenweiler lediglich etwas mehr als 200 Katholiken. In Gaildorf gab es damals noch keine katholische Kirche und so mussten sich die Gläubigen zu Fuß oder per Kutsche nach Bühlertann begeben, wenn sie den Sonntagsgottesdienst besuchen wollten.

Daran erinnerte Kirchengemeinderätin Katja Dambacher in ihrem Rückblick im Rahmen des Festgottesdienstes am vergangenen Sonntag in der Marienkirche. Als die beharrlich nach einer Kirche fordernden Winzenweiler nach vielen Bittgesuchen endlich 3500 Gulden beieinander hatten, bewilligten die Kirchenoberen endlich den Bau eines Gotteshauses in der Ortsmitte, nachdem Johann Scheuermann seinen Gemüsegarten zur Verfügung gestellt hatte.

Mit den Planungen wurde der namhafte Oberbaurat Morlok verpflichtet, doch die Grundsteinlegung fand erst im Jahre 1867 statt. Leider reichte das Geld für ein Pfarrhaus nicht aus, da die Innenausstattung die geplanten Ausgaben überstieg. Die Kirche wurde im neugotischen Stil errichtet. Am 11. November 1868 wurde in einer bescheidenen Feier das Bauwerk von Pfarrer Frick aus Bühlertann seiner Bestimmung übergeben. Es war kein großes Fest, da die Gemeinde arm war und der viele Schnee viele am Besuch hinderte. Erst vier Jahre später wurde das Kirchlein im Jahre 1872 durch Bischof Hefele offiziell „zu Ehren der heiligen Maria“ eingeweiht, aber diesmal mit einer in Winzenweiler noch nie gesehenen Menschenmenge.

Zwei große Renovierungen mussten neben etlichen anderen Arbeiten an der Urkirche der Gaildorfer Katholiken vorgenommen werden, die erste im Jahre 1912 und von 2009 bis 2011 war eine Außenrenovierung erforderlich. Im Jahre 1986 wurde die Marienkirche in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen, da der Bau ein gutes Beispiel der ländlichen Kirche im 19. Jahrhundert darstellt.

Katja Dambacher mahnte die Kirchengemeinde in ihrem Rückblick, dieses Kulturdenkmal zu erhalten und zu pflegen. Derzeit bereitet die im Jahre 1961 erworbene gebrauchte Orgel Sorgen. Ob das Instrument saniert oder nach einem  Ersatz gesucht werden muss, muss zeitnah entschieden werden. Zum Fest 150 Jahre Marienkirche fand am Sonntag ein Festgottesdienst statt, der von Claudia Manske an der Orgel und der Männerschola mit Bernhard Lack, Günther Kubin und Jürgen Kletzander musikalisch gestaltet wurde. Lektor Peter Demand übernahm die Lesung und die Fürbitten. Pater Tomy Thomas rief die Gläubigen dazu auf, sich wie die heilige Maria von Gott erfüllen zu lassen.

Abschied und Neubeginn

Im Gottesdienst wurden Margarete und Karl Kunert nach 13 Jahren als Mesner und Hausmeister-Ehepaar in den Ruhestand verabschiedet. Für den Schließ- und Winterdienst werden sie aber weiter verantwortlich sein. Mit Katja und Klaus Dambacher wurden die Nachfolger gefunden. Der Übergang vollzieht sich am Ende des Jahres.

Was aber die Familien Kunert, Pfitzer, Dambacher und Gaukel nach dem Gottesdienst als ­„bescheidenen Umtrunk“ anboten, war eine leichte Untertreibung. Gerne verweilten die Besucher im Gotteshaus und freuten sich über ihre Filialkirche in Winzenweiler. Einmal im Monat findet in der Marienkirche eine Eucharistie­feier statt. Die Kirche wird aber gerne wegen ihres Charmes für Hochzeiten und Taufen genutzt. Seit neuester Zeit findet ein Teil der Beerdigungen konfessionsübergreifend in der Marienkirche statt und bietet einen Rahmen für eine würdevolle Trauerfeier.

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