Gaildorf / MAXIMILIAN MUNZ  Uhr
Im Zusammenhang mit Bemühungen um die Gestaltung der Kocheraue besuchten Mitglieder der Masterplan-Arbeitsgruppe 2 die Städte Horb am Neckar und Nagold.

Frank Zimmermann, Beigeordneter der Stadt Gaildorf, hatte die informative Fahrt initiiert. Horb war im Jahr 2011 Ausrichter eines Grünprojekts des Landes Baden-Württemberg, Nagold im Jahr 2012 einer Landesgartenschau.

In der Großen Kreisstadt Horb wurde die Gaildorfer Delegation durch Oberbürgermeister Peter Rosenberger willkommen geheißen. Er war in Begleitung des ehemaligen Grünprojekt-Leiters und jetzigen Leiters des Stadtmarketings, Martin Scherer, und Ottmar Meyer vom Amt für Stadt und Verkehrsbau. Im Rahmen des Grünprojekts konnte Horb quasi ein kleines Städtebauprojekt umsetzen und neben einer ansehnlichen Neugestaltung des Neckars auch den Hochwasserschutz verbessern und die lokale Energieerzeugung stärken.

Die Ausgangslage der Stadt Horb lässt sich gut mit der Situation in Gaildorf vergleichen: mit 26 000 Fahrzeugen pro Tag durch die Ortsmitte über die B 14 und einer seit Jahren in der Diskussion befindlichen Umgehungsstraße. Die Flussböschungen am Neckar waren vor dem Grünprojekt auf dem Stand der 1960er- und 1970er-Jahre: Der Neckar sollte möglichst schnell durchfließen, und es gab keine Zugänge an den Fluss. Die Wende brachte die Aufnahme Horbs in das Grünprojekt des Landes. Durch die gezielte Entwicklung eines Grundkonzepts unter Einbeziehung des Neckars bekam Horb den Zuschlag, erläuterte Manfred Scherer. Das Grünprojekt diente quasi als Katalysator, um verschiedene Ideen als Paket zu schnüren und umzusetzen. Auf diese Weise entstand ein komplettes Städtebauprojekt.

Aus der Idee, einen 2,5 Kilometer langen Weg entlang der Stadt und des Neckars mit Zugängen zum Fluss zu schaffen - parallel läuft dazu am anderen Flussufer der Neckar-Radweg - entwickelte sich erheblich mehr: Neben neu angelegten Wegen wurden etwa ein neues Wasserwerk, eine Fischtreppe, ein Festplatz mit Multifunktionshalle, eine Naturbühne und ein komplett neues Hochwasserschutzkonzept umgesetzt. Die Berücksichtigung späterer Veränderungen aufgrund einer möglichen Umgehungsstraße wurde hier außer Acht gelassen.

Auch energietechnisch hat man in Horb das Grünprojekt genutzt. So wurde in Kooperation mit der Stadt Tübingen eine Gesellschaft gegründet und neben dem Kauf von zwei kleineren privaten Wasserwerken ein neues größeres Wasserwerk gebaut. Zusammen haben diese Werke ausreichend Leistung, um 400 Vier-Personen-Haushalte zu versorgen. Auch das Wasserwerk fügt sich durch eine intelligente Außengestaltung in das Gesamtbild der Stadt ein. Alle Maßnahmen wurden im Einklang mit der Natur umgesetzt. So wurden Brutzeiten während der Bauzeit berücksichtigt oder Eidechsen in neu geschaffene Biotope umgesiedelt.

Als die ersten Maßnahmen umgesetzt waren, konnte auch zunehmend die Bevölkerung begeistert werden. Neben den durch die Stadt geplanten Maßnahmen gab es vier Bürgerprojekte, die ausschließlich durch ehrenamtlichen Einsatz realisiert wurden.

Nach einer ausgiebigen Begehung und detaillierten Erläuterung durch die Mitarbeiter der Stadt Horb ging es für die Masterplan-Teilnehmer weiter nach Nagold, wo die in Horb gewonnenen Eindrücke abgerundet werden konnten. Dort wurde allen vor Augen geführt, "wie schön ein in die Stadt integrierter Fluss sein kann".

Die gewonnenen Ideen und Eindrücken bestärken die Masterplan-Arbeitsgruppe weiter darin, die Stadt Gaildorf und den Kocher als eine Einheit zu verstehen.