Wie man mit Nase und Ohren kocht

GUIDO SEYERLE 24.11.2012

Creglingen liegt für Schwäbisch Haller nicht gerade ums Eck. Aber das Städtchen hat drei Besonderheiten zu bieten, die sich auf engstem Raum befinden: die Herrgottskirche mit dem Riemenschneider-Altar, das Fingerhutmuseum und die Gaststätte Kohlesmühle. Dort wirkt Udo Schink. Er ist nach eigener Aussage "der einzige Blinde Europas, der kocht und selbst serviert".

Eigentlich braucht man rund um die Kohlesmühle gar nicht groß zu wandern, denn die Herrgottskirche mit dem Marienaltar von Tilman Riemenschneider liegt gleich gegenüber. Ein Geheimtipp nur wenige Gehminuten entfernt: Das Fingerhutmuseum mit seinen über 3500 Exponaten, geöffnet dienstags bis sonntags von 13 bis 16 Uhr. Die Herrgottskirche hat genau die gleichen Öffnungszeiten. Für alle Wanderer der Vorschlag für eine kurze Tour: Wir parken in Creglingen und wandern Richtung Nordwesten auf dem gut ausgeschilderten Kulturlandschaftspfad. Bei der langen Tour steigen wir auf nach Standorf und kommen über eine große Runde im Wald zurück nach Creglingen.

Udo Schink hat zur Kaffee-Stunde Zeit. Beim heute 53-Jährigen wurde 1991 eine Augenkrankheit, der sogenannte Tunnelblick, diagnostiziert. Inzwischen ist er blind und kocht, wie sein Sohn Alexander sagt, "mit Nase und Ohren". Dass sich beim gelernten Metzger durch den Verlust der Sehkraft andere Sinne stärker ausgeprägt haben, merkt man beispielsweise beim würzig-leckeren gemischten Salat mit breiten Blaukrautscheiben. Bekannt ist Schink für seine moravischen Spatzen, ein Nationalgericht Mährens. Diese kocht er allerdings erst ab zwei bis drei Personen. Ein Grund für mich, unbedingt wiederzukommen.

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