Gaildorf Vollsperrung bei Kocherbrücke: Karte zeigt Umleitungen

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 17.05.2018
Die Kocherbrücke in Ottendorf wird saniert. Ab Freitag ist die Bundesstraße 19 vorübergehend nicht befahrbar.

Mit Schaudern erinnert sich mancher Berufspendler an den Sommer 1991: Die Kocherbrücke in Ottendorf musste grundlegend saniert werden. Dazu wurde die Bundesstraße 19 für mehr als sechs Wochen komplett gesperrt. Nun wird die direkte Verkehrsverbindung zwischen Gaildorf und Schwäbisch Hall erneut unterbrochen: Am Freitag beginnt die heiße Phase der aktuellen Sanierung: Die Brücke wird etwa zweieinhalb Wochen lang nicht befahrbar sein.

Tempo 30 ohne Wirkung

Dass die 1950 in Betrieb genommene Kocherquerung durch den starken Verkehr arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist seit Monaten bekannt. Während des Winterhalbjahres mussten laut Regierungspräsidium Stuttgart (RP) „mehrmals kleinere Sicherungsmaßnahmen an den Fahrbahnübergangskonstruktionen provisorisch durchgeführt werden“. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung erlassen: Die Brücke durfte nur noch mit Tempo 30 befahren werden.

Ein frommer Wunsch von Behörden, der überwiegend ignoriert wurde. Nun kommt die Sperrung: Ab Freitag, 9 Uhr, geht nichts mehr. Brücke und Straße sind laut RP bis 4. Juni, 22 Uhr, nicht befahrbar. In dieser Zeit müssen motorisierte Verkehrsteilnehmer diesen Teil des Kochertals weiträumig umfahren (siehe Grafik): Die Umleitungsstrecke von Hall in Fahrtrichtung Gaildorf führt von der Bundesstraße 19 über die Kreisstraße 2669 nach Bibersfeld und bei Wielandsweiler auf die Landesstraße 1050 in Richtung Fichtenberg, anschließend auf die Landesstraße 1066 nach Gaildorf. In Richtung Hall wird der Verkehr über die Landesstraße 1066 bis Obersontheim und weiter über die Bühlertalstraße, die Landesstraße 1060, geleitet.

Für den Omnibusverkehr bedeutet dies: Ab der Haltestelle „Gaildorf/Stadtmitte“ geht es über Mittelfischach nach Hall. Bei einigen Kursen am Vormittag gibt es laut Kreisverkehr GmbH „umlaufbedingt geänderte Abfahrtszeiten und einzelne Ausfälle“ (Fahrtnummern 103, 109, 212). In der Gegenrichtung wird die Abfahrt am ZOB in Hall um 12 Minuten vorverlegt. In beiden Richtungen werden ausschließlich die Unterwegshalte „Gaildorf/Schulzentrum“ und „Schwäbisch Hall/Bausparkasse/Ellwanger Straße“ bedient. Die Rufbus-Linie „R16N“ am Freitag- und Samstagabend fährt regulär, es ist jedoch wegen der Umleitung ebenfalls mit späteren Ankunftszeiten zu rechnen. Die Linie 43 zwischen Ottendorf und Gaildorf verkehrt regulär.

Weshalb nun dieser Sanierungsaufwand betrieben wird, um die Brücke zu erhalten, liegt laut RP an einer Besonderheit: Das Bauwerk bestehe aus zwei Stahlbetonbögen und sei im Scheitelbereich nachträglich zusammengespannt worden. Was von Zeit zu Zeit eine Sanierung  von Übergangs- und Unterkonstruktion erfordert – wie zuletzt in den Jahren 1988 und – in erheblich größerem Umfang – 1991. Ein Neubau ist auch schon in Erwägung gezogen, dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Keine Alternative

Eine Vollsperrung ist laut RP unumgänglich, weil die Statik der Brückenkonstruktion und die Fahrbahnbreite „keine andere Möglichkeit zulassen“. Während der sechswöchigen Sanierung vor 27 Jahren war zunächst eine Behelfslösung erwogen worden: Die Bundeswehr sollte dort Brückenpanzer stationieren, um zumindest Autos das Überqueren des Kochers zu ermöglichen. Überlegungen dazu sind aber schnell wieder verworfen worden.