Wie das "Höcksche Haus" zum Rathaus wurde

Das alte Gaildorfer Rathaus um das Jahr 1918 nach der Neugestaltung der Fassade (1916). Foto: Stadtarchiv Gaildorf
Das alte Gaildorfer Rathaus um das Jahr 1918 nach der Neugestaltung der Fassade (1916). Foto: Stadtarchiv Gaildorf
HEIKE KRAUSE 04.04.2013

An einem Montag wechselte ein Gebäude am Gaildorfer Marktplatz seine Eigentümer - das Haus zwischen Metzger Albrecht Maurer und dem Solms-Braunfelsischen Forsthaus und hieß "das Höcksche Haus". Die bisherigen Eigentümer, die es bereits in dritter Generation besaßen, waren vier Geschwister, nämlich der Kanzlei-, Hof- und Regierungsrat Johann Karl Höck, der Landesdirektionsrat in Schwabach Johann Daniel Albrecht Höck, die Witwe Christina Wilhelmina Frank, geborene Höck aus Meerholz, und "Jungfer" Margareta Heinrika Höck.

Es war der 15. März 1813. An diesem Tag unterzeichneten die Honoratioren einen Kaufvertrag, der am 3. April 1813 - also gestern vor 200 Jahren - ratifiziert und somit rechtskräftig wurde. Die Käufer des stattlichen Gebäudes samt Garten und Gartenhaus waren die Stadt und das Oberamt Gaildorf, die darin "ein Rathaus und eine Stadtschreibereiwohnung" einrichten wollten.

Der Kaufpreis in Höhe von 4000 Gulden sollte nach einer sofortigen Einmalzahlung von 1500 Gulden in Jahresraten von 500 Gulden zuzüglich fünf Prozent Zins beglichen werden. Die Kosten übernahm die Amtskorporation zu fünf Sechstel und die Stadt zu einem Sechstel. Die Renovierungskosten vor dem Einzug in Höhe von rund 2200 Gulden wurden im selben Verhältnis gesplittet. Alle anschließend anfallenden Reparaturkosten übernahm bis 1840 das Amt allein. Danach wurden sie im Verhältnis fünf Sechstel zu einem Sechstel zwischen Oberamt und Stadt geteilt.

Ein Jahr nach Übernahme des neuen Rathauses wurde das ebenfalls "auf dem Markplatz stehende alte und sehr baufällige dreistöckige Rathaus auf den Abbruch verkauft", stand am 20. April 1814 im "Hallischen Wochenblatt". Den Zuschlag erhielt der Meistbietende, und das war am 13. Juli der Wegmeister Siegel aus Zuffenhausen. Die dabei erlösten 440 Gulden gingen an das Bürgermeisteramt; der Käufer musste den Platz bis zum 1. November 1814 von "Schutt und Steinen gänzlich geräumt" haben.

Im September 1845 stand das Rathaus auf der Tagesordnung des Stadtrates; es ging um das Für und Wider einer gänzlichen Übernahme des Gebäudes durch die Stadtverwaltung. Es war der Wunsch entstanden, im Rathaus eine Unterkunft für den Stadtschultheißen einzurichten, damit dieser "mitten in der Stadt, bei der Registratur, seinem Geschäftslocal etc." wohnen konnte. Gegen einen Ankauf sprachen die bestehenden Schulden der Stadtverwaltung und die laufenden Unterhaltskosten, die dann zur Gänze von der Stadtkasse übernommen werden mussten. Das Gremium einigte sich schließlich darauf, dass man das Gebäude vom Oberamt übernehmen wolle, wenn der Kaufpreis 2000 Gulden nicht übersteige, die in kleinen Raten abbezahlt werden sollten. Doch der Kauf kam nicht zustande. Erst am 30. Juni 1860 erwarb die Stadt das Rathaus für 1100 Gulden zu Jahresraten von 100 Gulden.

Bis 1967 wurden von diesem Gebäude aus die Geschicke der Stadt Gaildorf gelenkt. Und dann begann die Geschichte eines weiteren Rathauses im Neuen Schloss.

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