Pferdemarkt Wenn der Stadt der Gaul durchgeht

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 13.02.2018
Pferdemarkt: Wetterkapriolen begleiten die 82. Auflage des Gaildorfer Traditionsfestes. Von 111 gemeldeten Stuten sind nur 73 im Ring. Mehr als 15.000 Menschen verfolgen den Umzug durch die Stadt.

Mit Petrus’ Paukenschlag beginnt das große Bangen: Zum zentralen Festtag des 82. Gaildorfer Pferdemarkts fegt ein heftiger Schneesturm über Gaildorf hinweg. Mit dem ersten Mikrofontest auf den Kocherwiesen – dem berühmten „Einszweieinszwei“ – beruhigt sich das Wetter etwas. Später zeigt sich sogar die Sonne.

Stuten im Stau

Alle um diese Jahreszeit denkbaren Wetterlagen prägen das bunte Treiben, das fast schon traditionell „ohne besondere Vorkommnisse“ über die Bühne geht. Kurz nach 8 Uhr nimmt das Wiehern auf dem nun verschneiten Parcours am Kocherufer zu. 111 edle Vierbeiner sind zur Stutenprämierung gemeldet. Am Ende wird die Schnapszahl aber nicht erreicht: Nur 73 Tiere sind da, 72 erhalten einen ersten Preis.

Die hohe Ausfallquote liegt an den morgendlichen Straßenverhältnissen: Blitzeis hatte die Bundesstraße 19 zwischen Hall und Ottendorf in eine Rutschbahn verwandelt. Unfälle und querstehende Fahrzeuge bringen den Verkehr zum Erliegen. Auch auf der Winzenweiler Steige geht vorübergehend nichts mehr. Einige Pferdetransporter stecken mit im Stau.

Wer nicht umkehrt und erst spät zur Prämierung kommt, wird trotzdem noch gewertet. Die fachkundige Jury ist von der Schönheit der Pferdedamen im Ring sehr angetan. Darüber freut sich Klaus Ebert aus Wilfingen ganz besonders: Seine „Sphinx“, Süddeutsches Kaltblut und Tochter der legendären „Susi“, räumt regelrecht ab. Einige der Züchter dürfen nun mit berechtigtem Stolz zu weiteren Wettbewerben reisen – gleich heute zum Leonberger Pferdemarkt.

Apropos Stolz: Solcher lässt zur späten Vormittagszeit die Brust des Rathauschefs mächtig schwellen: Frank Zimmermann lästert in seiner Rede vor geladenen Gästen, was das Zeug hält – über „seine“ Stadträte oder die überregionale Polit-Prominenz, über Nachbarschulzen oder Bankiers. Das Ganze übrigens nicht bös’ gemeint, sondern wie es die Pferdemarkttradition eben will. Die Gelegenheit dazu ist günstig. Denn die berüchtigte Satire des Stadtoberhaupts, der nach Überzeugung einer Besucherin „über sich hinausgewachsen“ sei, zeitigt keine juristischen Konsequenzen.

Das gilt auch für den bunten, in diesem Jahr 67 Wagen und Gruppen umfassenden Umzug durch die Innenstadt. Ein potenzieller Kläger, der sich durch diese oder jene satirische Spitze auf den Schlips getreten fühlt, hätte größte Mühe, einen Anwalt zu finden. Die Pferdemarktchronik weist denn auch keinen einzigen Fall auf, der vor Justitias Schranken erfolgreich war.

Dass es „den Leuten gefallen hat“, bestätigt am Abend Gaildorfs Polizeichef Thomas Just, der mit etwa 20 Kollegen, Kräften von Rotem Kreuz und Feuerwehr für Ordnung sorgte.

Zwischenfälle gab es nicht. In seiner Bilanz tauchen lediglich ein Unfall mit Blechschaden auf – und die üblichen Falschparker. Just schätzt die Besucherzahl auf weit über 15.000. Für ihn war es wieder ein „sehr schöner Umzug, nur schade, dass es immer wieder Lücken gab“. Nun wird der Ausschuss zur Manöverkritik schreiten und schauen, wo es noch „Luft nach oben“ gibt.

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