Gaildorf Weltmusik statt Hustensaft

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 04.07.2018
Die Gaildorfer Band „Klang quert“ bereitet sich auf zwei sommerliche Konzert-Ereignisse im Hof des Alten Schlosses vor. Die abendlichen Proben in der Frasch-Apotheke sind mit viel Spielfreude gewürzt.

An diesem Abend gibt es hier keine Hustentropfen und kein Rheumamittel – sondern Musik. Handgemacht, lebenslustig, weltoffen: Aus dem großen Foyer der Frasch-Apotheke im Gaildorfer Ärztehaus ist mit wenigen Handgriffen eine „Klangwerkstatt“ geworden, wie es Apotheker Simon Müller formuliert – ein Probenraum für „Klang quert“.

Die junge Gaildorfer Band, die bereits Kultstatus genießt, trifft sich hier, um sich auf gleich vier bevorstehende Events einzustimmen, zwei „halb private“ Auftritte und zwei große öffentliche Konzerte, die den Gaildorfer Kultursommer bereichern werden. Den sechs Musikern, die da sind, ist Vorfreude anzumerken. Beim hervorragend aufgelegten Simon Müller fördert auch der neue Geigenbogen die gute Laune.

„Der Pegel ist gut“

Attila Mayer, bekannt durch die Bands „Livingroom“ und „Highlights“, der in der Sommersaison für den verhinderten Schlagzeuger Burkhard Tischer einspringt, unterbricht das individuelle Warmspielen mit dem Soundcheck: „Der Pegel ist gut!“ Nur Simon Müller ist noch nicht ganz zufrieden. Seine Geige kreischt etwas. Ob’s an der Rosshaar-Bespannung liegt? Nein, die sei nicht vom Schweif eines Ponys, sondern eines Einhorns, behauptet der Bandleader schelmisch. Abhilfe schafft die Feinabstimmung am mobilen Pult.

Es kann losgehen – mit „Bad, bad Leroy Brown“, Jim Croces vor 45 Jahren veröffentlichtem Song über einen schrägen Vogel im übelsten Stadtteil Süd-Chicagos, der gemeiner sei als ein Schrottplatz-Köter, wie es im Songtext heißt. Bernhard Fürter, als der „Joe Cocker Gaildorfs“ bejubelt, ist in seinem Element. Als wolle er mit seiner kräftigen Stimme das Original an die Wand singen.

Musikalische Vielfalt

Er wird übrigens dabei sein, wenn „Klang quert“ zum Abschluss des Gaildorfer Samstags – am 7. Juli im Schlosshof – ein Konzert gibt. Weitere Verstärkung an diesem Termin hat sich durch Marvin Müller (Gitarre) aus Leipzig und Trompeter Herbert Prokschi bereits angekündigt. Spielfreude und musikalische Vielfalt sind garantiert.

Weshalb es auch Paul Urban, Musikschul-Inhaber und Gitarristenlegende, schon in den Fingern kribbelt. Er – vor vielen Jahren unter anderem mit „Maple ­Fudge“ auf Tour – gilt als Perfektionist; er taucht regelrecht ein ins Repertoire, jazzt, swingt und rockt mit Leidenschaft. Aus „I’m coming Virginia“ entwickelt sich an diesem Abend zwischen Tabletten, Pülverchen und Salben eine entspannte Session, und „Summertime“ mutiert zur Hymne des Abends.

Es harmoniert zwischen den musikalischen Individualisten. Sie demonstrieren das, was die deutsche Fußballmannschaft  zur WM in Russland vermissen ließ. Doch irgendetwas fehlt. „Die Posaune“, bemerkt Simon Müller, „müssen wir heute einfach mal ignorieren!“ Die spielt sonst Matthias Rebel, Geschäftsführer der Pückler-Stiftung. Seine begründete Abwesenheit zwingt hier und dort zum Improvisieren. Müllers Geigenbogen wird dann kurzerhand zum Dirigentenstab. Manchmal tut’s auch eine Hand.

Dass die Bandmitglieder, beruflich stark eingespannt, wenig Zeit zum gemeinsamen Üben haben, ist kaum zu spüren. Keyboarder Bernd Scheiderer ist kaum aus der Ruhe zu bringen. Der Musiklehrer und Chorleiter lässt mit Leichtigkeit die Finger über die Tastatur tanzen. Ist er Barpianist? Konzertpianist? Beides.

Wandlungsfähig wie Josef Singer, dienstältester Saiteninstrumentalist der Gruppe. Als Gitarrist bei Bands wie „Sounds“, „Curles“ oder „Highlights“ hat er Generationen von Konzertbesuchern durch seine Vielseitigkeit aufhorchen lassen. Legendär sind seine Interpretationen von Weltklasse-Stücken, die Jimi Hendrix oder die Rolling Stones geschrieben haben. Aber auch leichte Unterhaltungsmusik ist ihm nicht fremd. „Klang quert“ – hier zupft Singer den Bass – verdankt ihm den einfühlsamen Rhythmus. Bühnenerfahren als Frontman, tritt er auch gerne in den Hintergrund.

Mit einer „Weltpremiere“

Nun wird Pädagoge Scheiderer doch etwas ungeduldig. Er mahnt mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit zur Probendisziplin. Es muss auch noch das erste eigene Stück mit dem Arbeitstitel „Sommervogel“ – in dem von einer Limpurger Sagengestalt die Rede ist – geübt werden. Damit am kommenden Samstag im Schlosshof die von Simon Müller angekündigte „Weltpremiere“ klappt.

Zwei Open-Air-Konzerte im Hof des Alten Schlosses

„Klang quert“ im Schlosshof: Zunächst gibt es ein Open-Air-Konzert zum Abschluss des Gaildorfer Samstags am 7. Juli im Hof des Alten Schlosses (Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr). Der Eintritt ist frei. Für das Catering sorgt das Team von Milada Tenschert.

Am 4. August ab 18 Uhr stellen „Klang quert“ an gleicher Stelle ein „Mini-­Festival“ auf die Beine. Es gibt nach dem Auftritt der Gaildorfer Musiker ein Wiedersehen mit der „Münchner Salettlmusi“, die in Gaildorf bereits 2012 und 2014 zu Gast war. kmo

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