Vortrag Weckruf mit Wildpferden

Hans Buchhofer 03.01.2018
Globetrotter Ingo Ehret fesselt seine Zuhörer in Gaildorf mit beeindruckenden Bildern und Erlebnissen von seinen Reisen nach Afrika und in den Orient.

Was treibt einen Menschen an, eine gesicherte Arbeitsstelle aufzugeben, auf regelmäßige Einkünfte zu verzichten und über 20 Jahre hinweg zahlreiche Fahrradtouren nach Afrika und in den Orient zu unternehmen? Ingo Ehret aus Gaildorf gibt bei seiner 3D-Live-Reportage im Gaildorfer Kino die Antwort: Es ist der pure Spaß am Reisen, die Neugier, fremde Länder und Menschen kennenzulernen. Freiheit bedeutet ihm mehr als Sicherheit und Wohlstand.

Schon mit 22 Jahren begann Ingo Ehret Europa per Zug zu entdecken, doch in den folgenden Lebensjahren wurden die Reisen exotischer und länger. Vor allem das Fahrrad wurde zum idealen Transportmittel. Sein Modell, eines mit Stahlrohrrahmen, hat gerade mal 60 Euro gekostet. Mit ihm ist er nach geschätzten Kilometern schon zweimal um die Erde geradelt.

Mit dabei auf seinen Reisen sind die 3D-Kamera mit jeweils 50 Filmen, ein Zelt, ein Kocher und ein Wasserfilter – alles zusammen etwa 25 Kilogramm Gepäck. Viermal war Ehret  in Afrika unterwegs, hauptsächlich in Äthiopien, seinem Lieblingsland auf diesem Kontinent. Ehrets Bilder zeugen von hohem fotografischen Können, er versteht es, Landschaften, Architektur und Menschen in Szene zu setzen. Seine plastischen Bilder mit einer enormen Schärfentiefe sind beeindruckend. Da der Globetrotter sich auch einiges aus der arabischen Sprache angeeignet hat, kam er in Afrika und auch im Orient ganz gut zurecht. Gefährliche Situationen hat er bei allen Reisen kaum erlebt, abgesehen von ein paar aggressiven Kindern in Äthiopien und neugierigen Beduinen – oder als er von einer Herde Wildpferde morgens geweckt wurde. Oft überraschte ihn die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Häufig wurde er eingeladen oder bekam ein Nachtquartier.

Was ihn selbst erstaunte: Während aller Reisen der letzten  20 Jahre wurde er nie ernstlich krank. Das habe er seinem Wasserfilter zu verdanken, berichtet er. Ehret versteht es nicht nur, seine Reiseziele in Bildern und Erzählungen erlebbar zu machen, sondern er stellt seine Bilder auch in einen geschichtlichen Zusammenhang. Berührend sind seine Fotografien aus Syrien, China und Myanmar im zweiten Teil der Live-Reportage. Die Bilder aus dem Orient beeindrucken mit traumhaften Naturaufnahmen, einzigartiger Architektur und mit Menschen aus dem Alltag. Welche glanzvolle Architektur und Städte dem Krieg zum Opfer fielen ist unersetzlich und bedauerlich. Palmira und Aleppo seien hier genannt.

In Sophie Sander fand er bei diesen Reisen die ideale Begleiterin mit gleichen Interessen. Beide kamen sich im Laufe  der Zeit immer näher; heute sind sie ein Paar. Alle Reiseziele den beiden passionierten Nomaden aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.

In der nächsten Zeit müssen beide eine Pause vom Reisen einlegen: Sie erwarten ein Kind. Das verriet Ingo Ehret am Schluss seiner Reportage. Die Besucher waren beeindruckt und spendeten lange Beifall.