Ein einminütiger, mehrmals unterbrochener Dauerton bei Feuerwehreinsätzen, ein auf- und abschwellender Heulton im Katastrophenfall: so wurde noch bis in die 1990er-Jahre hinein Alarm ausgelöst. Gehört hat man den furchteinflößenden Klang der Sirenen selten im Ernst-, häufig im Testfall, ein oder zwei Mal pro Jahr.
Heute sind die meisten von ihnen verstummt. Das bundesweite Warnnetz, das in den 1960er-Jahren aufgebaut wurde, entspricht nicht mehr den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten: Wozu den Leuten Angst und Schrecken einjagen, wenn digitale Alarmierungsketten schneller, präziser und auch diskreter funktionieren?
Der Bund hat die Sirenen des Warnnetzes deshalb bereits in der Nachwendezeit an die Gemeinden übertragen und ihnen die Entscheidung überlassen, sie abzubauen oder weiterhin zu nutzen. Einige derjenigen, die damals übrig geblieben sind, wird man am 10. September wieder zu hören bekommen.
Die Innenministerkonferenz hat auf dieses Datum den ersten bundesweiten Warntag gelegt. Erstmals seit der Wiedervereinigung wird es dann um 11 Uhr einen bundesweiten Probealarm geben. Mit Heulen und Handyklappern: Medien, Apps, Sirenen, Lautsprecherwagen und anderde „Warnmultiplikatoren“ werden zum Einsatz kommen. Der Warntag, der vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe koordiniert wird, soll künftig an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden.
In Gaildorf wird man davon freilich nicht viel merken. Die Stadt hat auf digitale Alarmierung umgestellt, die örtlichen Sirenen sind abgebaut, können also auch nicht mitheulen, und „unser Ordnungsamt geht  davon aus, dass unsere Warnmöglichkeiten ausreichend sind“, sagt Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn.

„Steinalte“ Geräte

Die beiden verbliebenen Fichtenberger Sirenen auf dem Rathaus und dem Mittelroter Schulhaus aber sollen ihre Stimme heben. Sie seien nicht funkgesteuert, müssten also von Hand ausgelöst werden, sagt Bürgermeister Roland Miola. „Steinalt“ seien  sie und ob sie funktionieren, wovon er ausgeht, „sehen wir dann“.
Auch in Oberrot gibt es noch einen dieser heulenden Kalter-Krieg-Veteranen. Er werde aber nur im Ausnahmefall reaktiviert, sagt Bürgermeister Daniel Bullinger. Ob die Sirene am Warntag erklingen darf, werde erst noch entschieden. Über den Aktionstag, in den auch die Feuerwehr eingebunden werden soll, werde man die Bevölkerung über das Mitteilungsblatt, die Gemeindehomepage und die sozialen Medien informieren.
Ähnlich wird auch die Gemeinde Sulzbach-Laufen ihre Bürgerinnen und Bürger informieren. In den Warntag eingebunden werden die Feuerwehr und eventuell auch das DRK, teilt Madlen Stump vom Einwohnermeldeamt mit. Sie ist auch für das Gemeindeblatt zuständig. Zwei Sirenen seien in Sulzbach-Laufen verblieben, die aber nur in ganz schwerwiegenden Notfällen Laut geben.

Warnungen auf allen Kanälen


Modulares Warnsystem Das Warnnetz des Bundes wurde natürlich nicht ersatzlos abgeschafft. Es funktioniert heute überwiegend digital. Im Zentrum steht MoWaS, das „Modulare Warnsystem“, das Warnungen an Multiplikatoren wie Radio, Fernsehen oder die Notfall-Informations- und Nachrichten-App NINA schickt. Wer sie geladen hat, kann hier auch die Probewarnung vom 10- September empfangen. Aktuell findet man bei NINA vor allem Gefahreninformationen zur Corona-Pandemie.

Übermittlung Auch die Gemeinden im Limpurger Land können über MoWaS Warnungen übermitteln. Die Beauftragten, in der Regel die Bürgermeister und ihre Stellvertreter, erhalten ein Passwort und können damit die Zentrale Leitstelle informieren. Von dort aus wird die Warnstufe dann scharf gestellt. Die Gemeinden Fichtenberg und Sulzbach-Laufen sind bei MoWaS registriert, Gaildorf nicht, Oberrot noch nicht. „Wir prüfen derzeit, ob so etwas sinnvoll ist“, sagt Bürgermeister Daniel Bullinger. rif