Um es gleich vorwegzunehmen: es ist keine ungewöhnliche, sondern eine notwendige Aktion, die weder Mensch noch Tierwelt noch Pflanzenwelt in irgendeiner Form schade, selbst wenn die betreffenden Wälder während des Hubschraubereinsatzes gesperrt sind. "Reine Vorsichtsmaßnahme", versichert Manuel Braunger, Leiter des Geschäftsbereichs Privat- und Gemeindewald beim Landratsamt Schwäbisch Hall. Es könnte nämlich sein, dass das pulverähnliche Material einmal verklumpt und dadurch größere Stücke entstehen, die dann, wenn sie aus einer gewissen Höhe herunterfallen, Schäden anrichten können.

Wälder während der Kalkung vorsorglich gesperrt

Und warum die ganze Aktion? Revierförster Karl-Dieter Diemer und Projektleiter Robert Haufe informierten die Waldbesitzer darüber bei einer Veranstaltung in Mittelrot. Aus Umweltgründen ist vor allem bis Mitte der 80er-Jahre der Nährstoffkreislauf aus dem Gleichgewicht geraten. Mit der Kalkung soll nun eine Verbesserung des Nährstoffkreislaufes und eine Kompensation der Bodenversauerung erreicht werden. Und damit eine Annäherung an standorttypische pH-Werte, die standorttypische Basen- und Nährstoffzusammensetzung.

Diese Werte wurden durch Bodenproben ermittelt und bestimmt. Gleichzeitig wird eine Erweiterung der Durchwurzelungstiefe erreicht und das Puffervermögen gestärkt. Mit der Verbesserung des Nährstoffkreislaufes werden auch die biologischen Aktivitäten erhöht. So können sich wieder mehr Regenwürmer ansiedeln, die ihrerseits für eine Auflockerung des Erdreichs und damit besseres Wachstum sorgen.

Annäherung an standorttypische Nährstoffmix

Zwangsläufig taucht hier die Frage auf: kann sich der Waldboden nicht selbst erholen? Diemer beantwortete diese Frage mit einem eingeschränkten Ja. Um den pH-Trend zu erreichen, also die Zeit, bis zwei pH-Stufen ausgeglichen sind, benötige die Natur 250 Jahre ohne Kalkung, mit Kalkung dagegen nur circa 80 Jahre. Damit könne wertvolle Zeit gewonnen werden, auch wenn man auf den ökologischen Fortbestand blickt, argumentiert Förster Diemer.

Sinn und Zweck

Projekt Das Projekt startete übrigens schon im April 2013, wie der Projektleiter Robert Haufe bei der Infoveranstaltung für Waldbauern in Mittelrot erläuterte. Damals wurde das Forstamt Schwäbisch Hall für die Jahre 2014/15 vom Ministerium Ländlicher Raum zum "Kalkungsschwerpunkt" bestimmt. Die Zielvorgabe: 2000 Hektar Kalkungsfläche im Staatswald, der Privatwald kann sich anschließen. Bestimmte Ausschlussflächen wurden von vorneherein ausgeklammert. Dazu zählen Wasserschutzgebiete der Zone 1, spezielle Biotope, Versuchsflächen und Waldschutzgebiete. Ebenso galt es den Mindestabstand zu Straßen oder offenen Wasserläufen einzuhalten. Im September/Oktober 2013 erfolgte die erste Entnahme von Bodenproben, ein Jahr später waren die Ergebnisse dieser Bodenproben in die konkreten Maßnahmenflächen eingearbeitet. Es ergab sich eine Kalkungsfläche von 1961Hektar (1199 Hektar Kleinprivatwald, 594 Hektar Staatswald und 168 Hektar Kommunalwald) oder anders formuliert: es werden 795 Flurstücke gekalkt, im Kalkungsgebiet sind 350 Waldbesitzer und drei Kommunalwälder.

Wirkung Die Forstfachleute weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Kalkungsmaßnahmen nicht die sofortige Optimierung des Bodens hervorrufen. Man gehe davon aus, dass diese Maßnahmen noch einmal wiederholt werden müssen. Dies könnte in zehn Jahren der Fall sein.

Einsatz Und wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus: per Hubschrauber wird der Kalk mit Kübeln über den Wäldern verstreut. Man hofft, dass die Profis der beauftragten Firma 200 Hektar pro Tag schaffen und so die Aktion innerhalb von zehn Tagen abgeschlossen werden kann. Dabei wird das Material von ständig wechselnden - und damit was die Flugzeit angeht, optimierten - Lagerplätzen abgeholt und in einem Zwei-Minuten-Zyklus gestreut.

Vorsichtsmaßnahme Während dieser Zeit sind die Wälder gesperrt. Verschiedene Behörden sind involviert, um die Bevölkerung informieren zu können. So könnten besorgte Bürger den Eindruck haben, der Wald brennt, weil der feine Kalk wie Rauch aussieht und die Feuerwehr alarmieren.

RE