Wahlfreiheit - auch für Patienten

Jörg Manderscheid, Sprecher der Ärzteschaft Gaildorf. Foto: Ralf Mangold
Jörg Manderscheid, Sprecher der Ärzteschaft Gaildorf. Foto: Ralf Mangold
SWP 21.12.2013
"Die Patienten werden sich noch umschauen", kommentiert ein Mediziner die Neuregelung der Notfalldienste. Hat er recht? Wir sprachen mit Jörg Manderscheid, Sprecher der Gaildorfer Ärzteschaft.

Welche Gründe hatte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) für die Neureglung der ärztlichen Bereitschaftsdienste an Wochenenden und Feiertagen?

JÖRG MANDERSCHEID: Die KV Baden-Württemberg hat beschlossen, den ärztlichen Notfalldienst zu reformieren und dabei - wie in den meisten anderen Bundesländern auch - viele kleine Dienstbezirke zu wenigen großen zusammenzufassen. Und das hat seine Gründe, zum einen die Dienstbezirke. Bisher gibt es in Baden-Württemberg 344 höchst unterschiedlich strukturierte Notfalldienstbezirke. Dem entsprechend verschieden ist die Dienstbelastung für den einzelnen Arzt. Hier im Kreis Hall ist es zum Beispiel so, dass in der Stadt Schwäbisch Hall bisher rund 55 Ärzte jeweils sechs bis sieben Mal im Jahr Notdienst leisten. Ein Teil der Fachärzte nimmt gar nicht am Notfalldienst teil. Im Limpurger Land sind es jedoch nur 14 Ärzte, die jeweils 26 Dienste im Jahr schieben müssen. Zum zweiten geht es um die Zukunft der niedergelassenen Ärzte. Der ärztliche Nachwuchs empfindet eine Niederlassung zunehmend als unattraktiv, auch wegen der Notdienste. So wird es immer schwerer, einen Praxisnachfolger zu finden, und insbesondere die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum droht auszubluten. Die KV hat daher beschlossen, Baden-Württemberg in nur noch 66 Notdienstbezirke einzuteilen und mit zentralen Notfallpraxen auszustatten, die möglichst direkt am nächstgelegenen Krankenhaus angesiedelt sind.

Was bedeutet die Neuregelung für Sie und Ihre Kollegen?

Der westliche Landkreis Schwäbisch Hall wird seine zentrale Notfallpraxis ab Februar 2014 am Diakonie-Klinikum haben und zusätzlich von je einem Hausbesuchsdienst im Norden und im Süden versorgt werden. Durch diese Veränderung müssen alle niedergelassenen Ärzte im westlichen Landkreis noch acht bis zehn Notdienste im Jahr ableisten, die dafür jedoch auch anstrengender werden dürften.

Wie sieht die Einteilung der Notdienstbezirke aus?

Gschwend wird ab Januar von Mutlangen aus versorgt. Aus dem bisherigen Dienstbezirk Rems-Murr kommt Oberrot hinzu. Weiterhin wird der Bereich deutlich in den Norden bis an die Stadtgrenze von Schwäbisch Hall und in den Westen bis ins Bühlertal erweitert. Die Anfahrtsstrecken und -zeiten zu den Patienten können sich dadurch zum Teil erheblich verlängern. Dafür werden die besuchenden Ärzte von der zentralen Notfallpraxis in Hall entlastet, die für alle gehfähigen Patienten zuständig ist.

Was bedeutet die Neuregelung für die Patienten im Limpurger Land?

Längere Anfahrtswege und Wartezeiten. Alle Patienten, die das Haus verlassen können, werden am Wochenende und an den Feiertagen auf die zentrale Notfallpraxis in Hall verwiesen werden. Alle anderen, die einen Hausbesuch anfordern, müssen damit rechnen, dass es ein bis zwei Stunden dauern kann, bis der Arzt zu ihnen kommt. Dies bedeutet eine erhebliche Verschlankung der ärztlichen Versorgung, wird aber weiterhin dem eigentlichen Charakter des ärztlichen Notfalldiensts gerecht. Schließlich handelt es sich ja nicht um ein erweitertes Sprechstundenangebot, sondern dient der Versorgung nicht aufschiebbarer Behandlungsanlässe außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten. Zum zweiten wird es keine Notfallsprechstunde mehr im Limpurger Land geben. Dafür nimmt ab Februar die zentrale Notfallpraxis ihren Betrieb am Diak auf. Wer an diesen Tagen einen Arzt benötigt, kann einfach ins Diak gehen.

Oder in die Stauferklinik?

Alternativ steht es den Patienten natürlich frei, auch die Notfallpraxis in Backnang oder in Mutlangen aufzusuchen.

Gaildorf als Notarzt-Standort bleibt ungeachtet der Reform der Bereitschaftsdienste erhalten?

Genau, diese Neuregelung betrifft nicht den Notarzt. Er wird für die Versorgung lebensbedrohlicher Notfälle auch weiterhin über die Rettungsleitstelle unter der Rufnummer 112 alarmiert.

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