Richard Hänles Finnland-Leidenschaft ist legendär und insofern ist es nur folgerichtig, dass das vorübergehend in Bademäntel gekleidete Fichtenberger Lehrerkollegium eine Pappsauna in der Aula aufstellt, Birkenzweige schwenkend dahinter verschwindet und, fürs Publikum unsichtbar, abwechselnd ablästert und Lobeshymnen auf den scheidenden Schulleiter singt. Gereimt wird auch: „Als die Schulleiter wurden rar, erfand das Schulamt den Kommissar“ – nicht nur Schulrätin Gabriele Sengstock lachte schallend.

Immer wieder "Bewundernswertes" geleistet

Uneingeschränkt komisch ist das freilich nicht. Richard Hänle, seit kurzem 63 und Lehrer in Fichtenberg seit 33 Jahren, war vier Jahre lang „nur“ kommissarischer Schulleiter. Und auch sein Nachfolger, der 48-jährige Andreas Haller, der nun vom Lehrerzimmer ins Schulleiterbüro der Grund- und Werkrealschule wechselt, wird zunächst nur kommissarischer Chef sein. Es sei bedauerlich, dass diese Provisorien auf Landesebene nur einen niedrigen Stellenwert hätten, sagte Bürgermeister Roland Miola in seiner Ansprache anlässlich der Verabschiedung von Hänle und der Einsetzung von Haller am vergangenen Montag.

Tatsächlich, so Hänle später, müsste Haller sich offiziell bewerben, um in den Genuss der Vorteile eines Schulleiters zu kommen. Externe Bewerber nämlich gab es bisher nicht und wird es wohl auch künftig nicht geben. Als Karrieresprungbrett, sagte Gabriele Sengstock, sei die Position nicht besonders attraktiv, hinzu kommen die unklaren Perspektiven des Schulstandortes. Sie hoffe trotzdem, dass sich Haller, der das Amt des kommissarischen Schulleiters zunächst für ein Jahr übernimmt, noch einen Ruck gebe und sich bewerbe. An der Fichtenberger Schule sei – Beispiel Malatelier – immer „Bewundernswertes“ geleistet worden. Die Schule sei in der Gemeinde verankert, genieße das Vertrauen der Eltern und Kinder und auch des Schulamtes: „Sie werden jede Hilfe von uns erhalten“, versprach Sengstock.

Fragt man die Anwesenden, die Lehrerschaft, die Eltern, die Gemeinderäte, die Kirchenvertreter, den Schultes und natürlich auch die Schülerinnen und Schüler, ist die Fichtenberger Schule attraktiv und unverzichtbar. Das Wohl der Schule und der Schüler stehe bei Hänle und seinem Kollegium immer an erster Stelle, betonte die Elternbeiratsvorsitzende Alexandra Sturm. Der unbedingte Leistungsgedanke, „dieses Höher, Schneller, Weiter“, passe nun einmal nicht für jedes Kind. Auch Eltern sollten das anerkennen und bedenken, dass der Hauptschulabschluss nicht das Ende der Schulkarriere sein müsse.

Diese kritischen Zwischentöne, die meist unter allgemeiner Zustimmung geäußert wurden, bildeten den Mollton einer ausgesprochen gelungenen Abschiedsfeier, in der auch weitere Leidenschaften Hänles offenkundig wurden. Dass er den Blues mag, wurde deutlich, als die Lehrerband frei nach B.B. King „The Rick is Gone“ anstimmte. Dass der gebürtige und also standorttreue Gaildorfer gerne funkt und auch schon „außerirdische“ Kontakte hatte, zeigte sein Amtsvorgänger Uwe Kronmüller in einer liebevoll zusammengestellten Powerpoint-Präsentation.  Und dass er gerne Astronaut geworden wäre, erklärte Hänle selbst: in einem in fulminantem Denglisch gehaltenen parodistischen Porträt der „Spruce Mountain Station“ mit ihrem „Main Catering Module“, der „outgesourcten Herb Supply Area“ und der „No Landing Area“ für „Helikopter-Eltern“. „Spruce“ heißt  übrigens Fichte.

Und natürlich kamen auch die Schüler zu Wort. Anna Neumann und Felicia Pirkl hatten das Jahr 1979 „gegoogelt“, in dem Hänle die erste Dienstprüfung ablegte und hielten eine freche Geschichtsstunde ab. Gerechnet haben sie auch: Zwischen zwei- und dreitausend Schüler dürfte Hänle in seiner Schulkarriere unterrichtet haben. Geht’s nach ihnen, können es noch mehr werden: „Wir werden Sie sehr stark vermissen.“

Die Abschiedsfeier in der „Wohlfühlschule“ wurde rund durch die Auftritte von Schulchor, Schulband und Bläserklasse. Beim mitreißenden Tutti-Finale hätte nicht viel gefehlt, und die Besucher hätten Feuerzeuge geschwenkt.