Transport VVS-Tarife sollen einfacher und günstiger werden

Vom neuen Tarifsystem sollen auch die Landkreise profitieren und noch viel mehr Einwohner dazu animiert werden, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Die Kosten teilen sich die Stadt Stuttgart, das Land und die Kreise auf.
Vom neuen Tarifsystem sollen auch die Landkreise profitieren und noch viel mehr Einwohner dazu animiert werden, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Die Kosten teilen sich die Stadt Stuttgart, das Land und die Kreise auf. © Foto: Giacinto Carlucci
Stuttgart / swp 13.06.2018
Der Verkehrsverbund Stuttgart plant zum 1. April 2019 eine große Tarifzonenreform. Über die Finanzierung ist dazu auf Spitzenebene eine Einigung erfolgt. Jetzt sind die Gremien gefragt.

Das Tarifsystem des Vehrkehrsverbundes Stuttgart (VVS) soll 40 Jahre nach Verbundgründung erstmals grundlegend reformiert werden. Die heutigen Tarifzonen 10 und 20 in der Landeshauptstadt sollen zu einer einzigen Tarifzone zusammengelegt werden. Davon profitieren die Fahrgäste in Stuttgart selbst, aber auch viele Pendler aus der Region, die täglich in den Stuttgarter Talkessel fahren. Die Sektorengrenzen in den Außenringen sollen wegfallen und zwei Außenringe zusammengefasst werden. Damit reduziert sich die Zahl der Tarifzonen in Stuttgart und den vier Verbundlandkreisen deutlich von 52 auf nur noch fünf Ringzonen. Der neue VVS-Tarif soll zum 1. April 2019 in Kraft treten.

Landrat Dr. Richard Sigel vom Rems-Murr-Kreis freut sich über die gelungene Einigung: „Seit über einem halben Jahr haben wir im Kreise der VVS-Gesellschafter um eine Tarifreform gerungen, die im 40. Jahr des Bestehens des VVS wirklich in die Zukunft weist. Das nun erzielte Ergebnis kann getrost als Jahrhundertreform bezeichnet werden.“

Im Rems-Murr-Kreis sinkt die Anzahl der Tarifzonen von zwölf auf vier, im gesamten VVS-Gebiet von 52 auf fünf. Die heutigen Zonen 60 und 70 werden zusammengelegt. „Mir war es wichtig, dass auch die ländlichen Räume zu den Profiteuren der Reform gehören“, sagt der Landrat. Fahrten in die Stuttgarter Innenstadt kosten für alle Bürgerinnen und Bürger des Rems-Murr-Kreises ein bis zwei Zonen weniger. Verlierer der Reform gebe es keine.

Verkehrsminister Winfried Hermann bezeichnete den neuen VVS-Tarif als „großen Wurf“. Er betonte, dass man angesichts des Leipziger Urteils des Bundesverwaltungsgerichts zur Luftreinhaltung kurzfristig umzusetzende und schnell wirkende Maßnahmen im öffentlichen Nahverkehr benötige: „Die Region Stuttgart und insbesondere die Landeshauptstadt sind mit Feinstaub und Stickoxid belastet, die Grenzwerte werden nach wie vor überschritten. Daher nehmen wir die VVS-Tarifzonenreform in den Luftreinhalteplan auf und unterstützen das Vorhaben auch finanziell.“

In Spitzengesprächen wurde eine Einigung über die Finanzierung erreicht. Die gefundene Lösung muss jetzt aber von allen Gremien der Gebietskörperschaften, also den Kreistagen, dem Gemeinderat der Landeshauptstadt und der Regionalversammlung, gebilligt werden. Nach diesem Sitzungsmarathon, der sich über den Juli erstreckt, wird abschließend der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes am 24. Juli über die Tarifzonenreform entscheiden.

42 Millionen Euro vom Land

Das Land Baden-Württemberg, ebenfalls Gesellschafter im VVS, hat zugesagt, den neuen VVS-Tarif aus Gründen der Luftreinhaltung mit insgesamt 42 Millionen Euro über einen Zeitraum von sechs Jahren zu bezuschussen, erläuterte Verkehrsminister Hermann. Die Landeshauptstadt Stuttgart und die Verbundlandkreise haben sich verständigt, die nach Abzug des Landeszuschusses verbleibenden Kosten „verursachergerecht“ aufzuteilen. Nach dem heutigen Stand ergibt sich ein Verhältnis von 45 Prozent für die Landeshauptstadt Stuttgart und 55 Prozent für die Verbundlandkreise. Dies bedeutet, dass die Verbundlandkreise in den nächsten sechs Jahren pro Jahr durchschnittlich rund 18 Millionen Euro zu finanzieren hätten. Die Landeshauptstadt wird von 2019 bis 2024 im Durchschnitt jährlich knapp 15 Millionen Euro beitragen. Die Landkreise teilen ihren Kostenanteil untereinander entsprechend der Einwohnerzahlen auf.

Hintergrund und Entwicklung

Im April 2018 wurde der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des Verkehrsverbundes Stuttgart beauftragt, mit allen Beteiligten Gespräche über eine Finanzierung der Tarifzonenreform zu führen. Die Kosten der Tarifzonenreform betragen bis zu 42 Millionen Euro pro Jahr. Diese Kosten entstehen, weil viele Fahrgäste künftig weniger Zonen befahren und einen geringeren Fahrpreis entrichten müssen. Für die Verkehrsunternehmen entstehen damit Mindereinnahmen, die von der öffentlichen Hand ausgeglichen werden müssen.

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