Eigentlich war es wie immer – die Fichtenberger Gemeindehalle war proppenvoll, die Tische reich gedeckt. Regionalmarktleiter Siegfried Fischer erläuterte beim Mitgliederforum in Fichtenberg die aktuellen Wirtschaftsdaten der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim. Vorstandsmitglied Tobias Belesnai warf einen Blick auf das geopolitische Geschehen und die unbefriedigenden Entwicklungen im Bankensektor. Die Zahlen des Geschäftsjahrs 2019 der heimischen Bank tendieren dennoch nach oben, was für gute Arbeit spricht. Als lokale Einlage durften der Sportschützenverein Fichtenberg und insbesondere die Bogenschützen um Manfred Geidner ihren Sport präsentieren.

Und doch war diesmal alles anders. Proteste, Anklagen, Tumult statt fröhlicher Geselligkeit. Was war geschehen? In den Tagen zuvor hatten die Mitglieder und Kunden per Rundschreiben oder aus der Presse erfahren, dass die Geschäftsstelle Fichtenberg ab 1. April dicht ist. Begründet wird die Schließung mit den eingefahrenen Verlusten, welche das Gesamtergebnis der Bank nach unten ziehen würde.

VR-Bank Schwäbisch-Hall-Crailsheim Vier Filialen werden geschlossen

Kreis Hall

Bürgermeister Roland Miola zeigt seine Enttäuschung

„Was uns auszeichnet“, begann Siegfried Fischer seinen Vortrag. Man sei im Branchenvergleich gut aufgestellt, habe Lösungen für alle Finanzbereiche, schütte vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats in diesem Jahr drei Prozent Dividende an die Mitglieder aus. Werbung für die diversen Produkte des Hauses und der genossenschaftlichen Finanzgruppe kam auch nicht zu kurz.

„Die Regionalbank muss sich mit dem Thema Digitalisierung intensiv auseinandersetzen“, erklärte Vorstandsmitglied Belesnai in seinem Referat. Die Kundenfrequenz in den Geschäftsstellen sei stark rückläufig, und – weil Einkäufe zunehmend mit Karte bezahlt würden – „der Geldautomat ein Auslaufmodell“. Geld abheben lasse sich auch in Einkaufsmärkten. Die Regionalbank müsse reagieren, um zukunftsfähig zu sein. Das heiße auch, „über diverse Kanäle werden Zugangswege zur digitalen Betreuungsarbeit geschaffen“. Am 1. April nimmt das neue „KundenDialogCenter“ (KDC) die Arbeit auf.

Er sei aus allen Wolken gefallen, als er vom Ende des Standorts Fichtenberg erfahren habe, machte Bürgermeister Roland Miola seiner Enttäuschung Luft: „Was hält ein Mitglied noch bei dieser Bank?“ Seine Frage löste heftigen Beifall aus.

Vortrag der VR-Bank-Vertreter wird von Wortmeldungen unterbrochen

Just als Belesnai über die betriebswirtschaftlichen Zwänge und die Reorganisation der Bank sprach, rief eine Frau aus dem Rückraum dazwischen: „Die Bankmitglieder sind nicht der Schnitzel wegen gekommen, sondern weil sie was bewegt.“ Da blieb den verdutzten Bankleuten gar nichts anderes übrig, als die Wortmeldungen zuzulassen. Schützenhilfe bekam Petra Ochmann von Hans-Jürgen Lange. Er lasse die Argumente nicht gelten, monierte Reinhold Rottenbiller, trotz aller Schwierigkeiten sollte der Genossenschaftsgedanke greifen, „Raiffeisen würde sich im Grab rumdrehen“. Verglichen mit der Bilanzsumme seien die Verluste geradezu lächerlich, ergänzte Theo Simon.

Dass in einem Schreiben mit hellen, großzügigen Räumen geworben wurde, um die Zuordnung zu Gaildorf positiv zu verkaufen, stieß vielen Mitgliedern in Fichtenberg sauer auf. Und so hatte der schwäbische Kabarettist Eckhard Grauer alias Leibssle am Ende der Versammlung auch alle Mühe, gegen den Geräuschpegel anzukämpfen. Zu sehr brach sich in der Gemeindehalle der Unmut an den Tischen Bahn.

Ehrungen in Fichtenberg


Seit 60 Jahren Mitglieder bei der Volks- und Raiffeisenbank sind das Bauunternehmen Gotthilf Munz sowie Michael Stubenvoll.

Seit 50 Jahren Mitglied sind Erika Dolderer, Karl Bohn sen., Werner Gaugel, Gerhard Maas, Siegfried Schuh, Eberhard Vogel.

Seit 40 Jahren: Barbara Veihl, Christa Vogel, Walter Feucht, Rolf Hambalek, Dieter Korff, Gerhard Rieger, Dr. Theo Simon, Werner Wahl.