Trauer Trauer um Gaildorfs ersten Stadtbrandmeister

Karl Dürrich und seine Frau Marianne vor fünf Jahren, als sie ihren 60. Hochzeitstag feierten.
Karl Dürrich und seine Frau Marianne vor fünf Jahren, als sie ihren 60. Hochzeitstag feierten. © Foto: Archivfoto: Hans Buchhofer
Von Klaus Michael Oßwald 06.10.2017
Karl Dürrich (1928-2017) hat als Verfechter einer modernen Feuerwehr Akzente gesetzt und in vielen Funktionen das Ehrenamt in der Region mit Leben erfüllt. Am 1. Oktober ist er gestorben.

Vor 30 Jahren war es, an einem ruhigen Montagabend in der Gaildorfer Feuerwache: Karl Dürrich, seines Zeichens Stadtbrandmeister, bereitet alles für den Probeeinsatz vor. Nebenher erläutert er geduldig dem Zeitungsredakteur eine Neuerung, die in dieser Form weit und breit noch nicht zum Tragen kommt: Funkübung ist angesagt! Feuerwehrleute aus den umliegenden Gemeinden lernen gemeinsam, wie man unter schwierigen Bedingungen richtig und vor allem effektiv miteinander über „Sprechfunk“ kommuniziert . . .

Der unermüdliche Schaffer

Dieses Projekt geht auf Karl Dürrichs Initiative zurück und ist nur ein Mosaiksteinchen eines großen Lebenswerks, an das sich die Region in diesen Tagen besonders dankbar erinnert – allerdings aus traurigem Anlass: Der unermüdliche Schaffer und Macher Karl Dürrich ist am 1. Oktober im Alter von 89 Jahren verstorben.

Was der „Ottendorfer mit Leib und Seele“ vor allem im Ehrenamt für die Stadt Gaildorf, das Limpurger Land und den Landkreis Schwäbisch Hall geleistet hat, spricht Bände. Das moderne Feuerwehrwesen, das er in den turbulenten Zeiten der Gemeinde- und Kreisreform im Schulterschluss mit den kommunalen Entscheidungsträgern mitgeformt hat, trägt heute noch deutlich seine Handschrift.

Der besonnene Diplomat

Karl Dürrich war eine Institution – über die Grenzen der Region hinaus bekannt, geschätzt und überaus beliebt. Er fand sich  stets an vorderster Front derer, die  ohne viel Aufhebens „maßgeblich das öffentliche Leben mitgestaltet und mitgeprägt haben“, wie es der kürzlich verstorbene Gaildorfer Altbürgermeister und Ehrenbürger Hans König einmal treffend und aus eigenem Erleben heraus formulierte. Dabei war Karl Dürrich nie das, was man mit „ehrenkäsig“ umschreiben könnte. Sein Durchsetzungsvermögen war gekennzeichnet durch ein ungewöhnlich hohes wie seltenes Maß an Diplomatie und vornehmer Zurückhaltung.

Durch seine vielfältige Tätigkeit hat sich Karl Dürrich weit über die Stadtgrenzen hinaus hohe Wertschätzung erworben – als Kirchengemeinderat in der evangelischen Kirchengemeinde Ottendorf, Landwirt und Ortsobmann des Kreisbauernverbands, Aufsichtsrat und später Vor- stands­chef der einst selbstständigen Raiffeisenbank Ottendorf, Gemeinderat, Kassenverwalter und Amtsbote der Gemeinde, danach als Verwaltungsstellenleiter, Heimatforscher und -autor, Förderer der örtlichen Vereine. Er, weithin unter seinem Kürzel „KaDe“ ein Begriff, tat in all seinen Ämtern und Funktionen weitaus mehr als das, was man mit Pflicht umschreibt. Als „richtiger“ Ottendorfer selbstredend mit einem gerüttelt Maß an gesundem Lokalpatriotismus gesegnet, verlor Karl Dürrich jedoch nie das nötige Augenmaß, das Gespür für das Machbare, das Sinnvolle. Er hatte auch und gerade nach der Eingemeindung Ottendorfs in die Stadt Gaildorf immer und ohne Abstriche das Gesamtwohl der „neuen Gesamtstadt“ im Blick.­

Besonders als kreativer Kopf innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr, der er seit dem Jahr 1946 angehörte, zunächst als Gruppenführer, später als Kommandant. Zeichen setzte Karl Dürrich nach den Eingemeindungen während des Zusammenfügens der vier selbstständigen Wehren Gaildorf, Unterrot, Eutendorf und Ottendorf zur Gesamtfeuerwehr Gaildorf. Und so wurde er 1973 – ohne Umschweife und einstimmig – zum Hauptkommandanten gewählt. Vier Jahre später konnte auf seine Initiative hin zur Sicherung des Nachwuchses die Jugendfeuerwehr aus der Taufe gehoben werden.

Unter seiner Regie wuchs die Gesamtwehr personell wie materiell zu bemerkenswerter Schlagkraft und Einsatzbereitschaft. 1979 fasste der Gemeinderat den Beschluss, ihm den Titel „Stadtbrandmeister“ zu verleihen. Ein Jahr später wurde er zum ersten Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall gewählt.

Viele hohe Auszeichnungen auch auf Landes- und Bundesebene zierten inzwischen die Uniformjacke, als Karl Dürrich Anfang der 1990er-Jahre nach und nach aus aktiven Diensten und Ämtern verabschiedet wurde – mit Großem Zapfenstreich und herzlichen Dankesreden. Der damalige Landrat Ulrich Stückle würdigte in Michelbach/Bilz besonders Karl Dürrichs „bescheidenes und warmherziges Wesen“.

Der aktive Unruheständler

Karl Dürrich, der liebenswürdige und bürgernahe „Anwalt der Ottendorfer“, zog sich jedoch nicht aus dem öffentlichen Leben zurück. Er engagierte sich verstärkt als Heimatforscher, für das Haller Feuerwehrmuseum, in der Seniorenarbeit, innerhalb der Kirchengemeinde und in vielen anderen Bereichen mehr.

Zurück zu jenem Sommertag vor 30 Jahren: Karl Dürrich  zeigt, wie die Alarmierung der einzelnen Abteilungen funktioniert. Und er lässt, offensichtlich abgelenkt durch die Fragen des Reporters, der heute diesen Nachruf schreibt, versehentlich die Gesamtwehr anrücken. Klaglos und mit spitzbübischem Lächeln gibt er den Kameraden die in solchen Fällen obligatorische Runde Häberlen-Bier aus. Das, sagt der vierfache Familienvater, sei doch Ehrensache. Man müsse nicht nur „hier“ rufen, wenn Lob zu verteilen sei, sondern auch zu seinen Fehlern stehen und daraus lernen. Das war Karl Dürrich, das Vorbild, der uneigennützig denkende Menschenfreund.