"Du bist von dieser Stunde des deutschen Reiches Schenk!" So reimte Ludwig Uhland 1816 nach einem Besuch bei seinem Freund Justinus Kerner in Gaildorf, der damals Oberamtsarzt gewesen war. In seiner Ballade "Der Schenk von Limpurg" beschrieb der Dichter, wie ein Kaiser aus dem Geschlecht der Staufer während einer Jagd den Grafen von Limpurg zum "Reichsschenk" machte. Allerdings entbehrt diese Geschichte jeglicher historischer Grundlage, sie ist eine rein dichterische Fiktion.

In der „Goldenen Bulle“ sind die Privilegien geregelt

Erstmals im Jahr 1172 wird ein Vorfahre der Limpurger, Konrad von Schüpf, als "pincerna" (Schenk) genannt. Walter von Schüpf, vermutlich ein Sohn Konrads, wird in Urkunden aus der Zeit zwischen 1199 und 1218 sogar als "pincerna imperii" (Reichsschenk) bezeichnet. Als Erbauer der Limpurg nannte er sich ab 1230 "von Limpurg". Wann das Amt des Schenken erblich wurde und die Limpurger zu Reichserbschenken wurden, kann bis heute nicht definitiv festgelegt werden. Erstmals urkundlich belegt wird die Belehnung der Limpurger mit dem Reichserbschenkenamt durch den König von Böhmen in der "Goldenen Bulle" Karls IV. von 1356. Doch vermutlich besaßen die Limpurger dieses Privileg schon länger.

Nach der 1441 erfolgten Teilung der Herrschaft Limpurg in die Linien Gaildorf und Speckfeld scheint es Zweifel darüber gegeben zu haben, wer das Amt der Erbschenken bekleiden durfte. Erst ein im Jahr 1518 geschlossener Vertrag regelte, dass der jeweils Älteste, also der Senior des Hauses Limpurg weltlichen Standes, das Amt "als des heiligen Reichs-Erb-Schenk" inne haben sollte.

Letztmals vor 325 Jahren, am 26. Januar 1690, bei der Krönung Josephs I. zum römischen König in Augsburg, nahm ein Limpurger - nämlich Vollrat von Limpurg-Sontheim - den Schenkendienst wahr. Er reichte, protokollarisch festgelegt, dem neuen Monarchen aus einem prunkvollen Pokal Wasser und Wein zu trinken. Als am 22. Dezember 1711 Karl VI. in Frankfurt am Main zum Kaiser gekrönt wurde, ließ sich Vollrat entschuldigen. "Wegen hohen Alters" könne er sein Amt nicht mehr ausüben; er war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt. An seine Stelle trat der österreichische Graf Aloys von Harrach.

Mit Vollrat starb am 19. August 1713 der letzte Schenk von Limpurg. Mit dem Amt wurden nun die österreichischen Grafen Althan beliehen. Oder wie der Gschwender Pfarrer und Historiker Heinrich Prescher 1789 kommentierte: "Daß nun aber dieses Recht mit dem Reichsschenkenamt dem Hause Limpurg durch den Tod des letzten Mannsstamms völlig erloschen, braucht kaum angeführt werden, da das Reichsschenkenamt Schenken und nicht Schenkinnen erforderte."

Wie der Limpurger "Erbstreit" zum Politikum wurde

Das Ende der Schenken von Limpurg nahte: Anno 1690 verrichtete Graf Vollrat(h) von Limpurg-Speckfeld zum letzten Mal das Reichsschenkenamt - und zwar bei der Wahl Josephs I. (1678-1711), der damals noch ein Kind war, zum römisch-

deutschen König. Ebenfalls im Jahr 1690 verstarb Vollrats Schwager Wilhelm Heinrich als Letzter des männlichen Geschlechts der Linie Limpurg-Gaildorf. Für Vollrat eröffneten sich nun neue Perspektiven: Er wollte den Töchtern Wilhelm Heinrichs ihr Erbe streitig machen.

Zunächst in den Limpurger Annalen als schlichter "Erbstreit" verzeichnet, weitete sich dieser zu einem echten Konflikt aus - und zum Politikum. Denn es ging um nicht mehr und nicht weniger als um die Abgrenzung des Limpurgischen Allods (des Gesamtbesitzes) von den Reichslehen - und auf die hatte Preußen (seit 1693) die Anwartschaft. Ein 1707 zwischen Vollrat und den beiden Gaildorfer Erbtöchtern geschlossener Vergleich - rückwirkend auf 1690 - teilte die Stadt Gaildorf und die Herrschaft Limpurg-Gaildorf in zwei Hälften. Die Gaildorfer Erbtöchter halbierten ihre Hälfte abermals, und damit entstanden zwei Herrschaften, für die ihre jeweiligen Ehegatten namensgebend wurden: Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim und Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand.

KMO