Fichtenberg Von Fichtenberg in die ganze Welt

Fichtenberg / Jochen Höneß 04.07.2018
KW Automotive baut am Firmensitz ein Versand- und Logistikcenter, das vollautomatisch funktionieren soll. Die Investitionen belaufen sich auf rund 25 Millionen Euro.

Zufrieden lässt Klaus Wohlfarth seinen Blick über die Baustelle schweifen. Noch lässt sich für Außenstehende nicht erahnen, was auf dem weitläufigen Areal hinter den bestehenden Firmengebäuden am Werden ist. Schotter und verdichtetes Erdreich dominieren das Bild. Doch der Mitgründer und Geschäftsführer des Fichtenberger Fahrwerkspezialisten lässt keinen Zweifel an der Bedeutung der Erweiterungsmaßnahme, die in der letzten Ausbaustufe bis Mitte 2019 abgeschlossen sein soll: „Wir bauen hier ein modernes Versand- und Logistikcenter“, erklärt Wohlfarth bei einem Rundgang.

Damit einher geht eine komplette Umstrukturierung der bisherigen Logistik. Denn bislang liefert KW seine Produkte an dezentrale Zwischenlager rund um den Erdball aus. Von dort gehen die Fahrwerke dann an den Käufer. Mit der Inbetriebnahme des neuen Zentrallagers soll künftig jedes Produkt von Fichtenberg aus direkt an den Kunden geschickt werden. „Ich muss die gesamte Wertschöpfungskette betrachten“, erklärt Wohlfarth. „Wir haben den Anspruch, für jedes Fahrzeug das passende Fahrwerk zu liefern. Komplett individualisierbar für alle Ansprüche.“

Das setzt freilich eine große Produktvielfalt voraus. „Und wir können nicht alles überall vorhalten.“ Täglich verlassen rund 250 Fahrwerke die Firma. Davon sind etwa 200 „unique“, also einzigartig. Das neue Lager ermögliche eine Pufferung fast fertiger Produkte für eine schnellere Endfertigung. „Wir wollen zudem erreichen, dass die Fahrwerke möglichst kurz auf Lager liegen, also immer möglichst frische Produkte zu unseren Kunden kommen“, ergänzt Wohlfahrt. Lange Wartezeiten hält er ebenfalls für nicht hinnehmbar und verweist auf den Einfluss von Versandriesen wie Amazon, die teilweise bereits am Tag der Bestellung die Ware zum Käufer bringen. „Die Kunden sind heute nicht mehr bereit, auf ihr Produkt zu warten.“

Damit das Zentrallager möglichst effizient in die Strukturen eingebunden werden kann, soll es nach dem Willen des Geschäftsführers vollautomatisch funktionieren: Jedes Teil kann dann quasi per Knopfdruck aus dem Lager geholt werden. Zählt man die Baukosten sowie die Investitionen in die Automatisierung mit aller benötigter Technik zusammen, investiert KW in dieses Projekt rund 25 Millionen Euro.

Das Areal, das für die Erweiterung sowie für neue Parkplätze benötigt wird, war zuvor eine Landschaftsschutzfläche, die zum Teil der Gemeinde Fichtenberg gehörte, zum Teil in privatem Besitz war. Im Vorjahr wurde schließlich die Genehmigung für eine Nutzung als Gewerbefläche erteilt. Als Ausgleichsmaßnahme stellte KW die finanziellen Mittel für einen Krötenschutzzaun am Diebach-Stausee bereit. „Es war uns wichtig, dass eine Ausgleichsmaßnahme vor Ort umgesetzt wird“, erklärt Wohlfarth.

Mit Abschluss der Erweiterung erreicht KW einen Meilenstein in der Modernisierung des Stammsitzes: Innerhalb der vergangenen drei Jahre, führt Klaus Wohlfarth aus, wurde dann jeder einzelne Arbeitsplatz am Standort Fichtenberg modernisiert.

Fahrwerke für Straße und Rennsport

Eckdaten Die KW Automotive GmbH ist einer der weltweit wichtigsten Hersteller von KFZ-Fahrwerken für den Straßen- und Rennsporteinsatz. Sie befindet sich im Familienbesitz und beschäftigt in Fichtenberg rund 260 Mitarbeiter. Der Umsatz von KW Deutschland betrug 2017 rund 47,5 Millionen Euro. Im Jahr 2016 waren es 42 Millionen Euro, ein Jahr zuvor
36 Millionen. johö

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