Murrhardt Von Engelsstimmen und Dschungellauten

Der Philharmonia-Chor Stuttgart beim Konzert in der Stadtkirche in Murrhardt.
Der Philharmonia-Chor Stuttgart beim Konzert in der Stadtkirche in Murrhardt. © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Elisabeth Klaper 01.08.2018
Der Philharmonia Chor Stuttgart präsentiert in Murrhardt ein facettenreiches Programm.

Eine Sternstunde sinfonischer Chormusik zum 100. Geburtstag des amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein (1918 bis 1990) erlebt die Zuhörerschar in der fast vollbesetzten Stadtkirche. Unter dem Motto „Singet und lobet“ und der Leitung von Johannes Knecht gestalten mehr als 30 Sänger des Philharmonia-Konzertchors Stuttgart Bernsteins 1988 komponierte Missa brevis (kurze Messe). Das Ensemble aus Studenten der Musikhochschule Stuttgart und stimmlich gebildeten Amateuren zeichnet sich aus durch fein aufeinander abgestimmte Intonation und Artikulation.

Für die Messe verwendete Bernstein eine Mischung von typischen Melodie- und Rhythmus-Elementen aus der Tonsprache des Mittelalters und der Renaissance sowie der amerikanischen Musik aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Darin erklingen altertümliche und moderne Harmonien, aber auch überraschende fantasievolle Tonkombinationen.

Glanzlichter setzt Solist Álvaro Tinjacá-Bedoya (Countertenor/Altus) aus Kolumbien, der feinsinnig die kunstvoll gestalteten Koloraturen interpretiert. Seine glockenhelle Engelsstimme erinnert an einen Cantor, der feierliche Gesänge der Mönche anleitet.

Exotische Klangkulisse

Für die mitreißende Interpretation der teils temporeichen Rhythmik und stimmige Mittelalter-Atmosphäre mit Trommeln, Glocken- und Schellenklängen sorgt das Percussion-Duo Lucas Gérin aus Toulouse und Emil Kuyumcuyan aus Istanbul. Sie entzücken das Publikum mit virtuosen Klang-Spiel-Dialogen.

Ein Hörvergnügen ist „Lobgebete, -gesänge und -tänze aus Afrika“ von Komponist Peter Klatzow. Darin spielt das Percussion-Duo eine tragende Rolle. Zum Song „Bedecke mich mit der Nacht“ erschafft es eine magische, exotische Klangkulisse aus Naturgeräuschen wie Wassertropfen und Tierlaute des Dschungels. So imitiert Kuyumcuyan Vögel mit der Kolbenflöte. Die Chorsänger überzeugen mit dynamischen Abstufungen. Lautmalerisch treffend bringen sie Textpassagen zum Ausdruck, in denen die ganze Schöpfung aufgerufen wird. Mit Verve stellen sie fein ausdifferenziert die verschiedenartigen Motive und Details dar. So bringen sie die fantasievolle, zugleich modern und romantisch wirkende Liedmelodik mit Elementen afrikanischer Traditionals zur Entfaltung.

Der Philharmonia-Chor trägt auch einige Kompositionen ohne Percussion vor. So drei klangnuancenreich ausgestaltete Chorsätze traditioneller Spirituals von Michael Tippett (1905 bis 1998): „Stiehl dich fort zu Jesus“ und „Niemand kennt meine Sorgen, Herr“. In „Geh hin, Moses“ vereint sich das Ensemble zu einer machtvollen Stimme Gottes. In den Spirituals treten drei Chorsänger als Solisten mit ausdrucksvollen Stimmen hervor: Hannah Gries (Sopran), Florian Eisen­traut (Tenor) und Florian Schmitt-Bohn (Bariton).

Vom tiefen Glauben geprägt

Außerdem interpretiert der Chor einfühlsam die reich ausgearbeiteten romantischen Melodiebögen und feierlichen Harmonien in drei tröstenden, hoffnungsvollen Fest- und Gedenksprüchen nach Psalmen und Texten aus Altem und Neuem Testament: „Unsere Väter hofften auf dich“, „Wie ein starker Gewappneter“ und „Wo ist ein so herrlich Volk“ Opus 109 von Johannes Brahms (1833 bis 1897).

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