Gaildorf Von 1040 FB-Freunden helfen 22 tatsächlich mit

Ute Braitsch, Petra Vinzing und Sissy Impagliatelli (von links) am Infostand ihres Vereins. Wie alle Mitarbeiter von Rettungsdiensten tragen auch sie gelbe Warnwesten. 18 Tierschützer freuen sich über Verstärkung, wenn sie ihr Einsatzgebiet erweitern.
Ute Braitsch, Petra Vinzing und Sissy Impagliatelli (von links) am Infostand ihres Vereins. Wie alle Mitarbeiter von Rettungsdiensten tragen auch sie gelbe Warnwesten. 18 Tierschützer freuen sich über Verstärkung, wenn sie ihr Einsatzgebiet erweitern. © Foto: Tierrettung Rems-Murr
Gaildorf / Cornelia Kaufhold 14.09.2018
Die gebürtige Hallerin Sissy Impagliatelli hat die Tierrettung Rems-Murr gegründet. Sie ist von Lorch bis Hall im Einsatz und sucht Unterstützer.

Angefahrene Füchse und Waschbären, entflohene Sittiche und Papageien, verwaiste Eichhörnchen, entkräftete Greifvögel – das sind die Patienten von Sissy Impagliatelli. Vor zweieinhalb Monaten hat sie die Tierrettung Rems-Murr gegründet. „Wir sind ein Krankenwagen für Tiere“, bringt die 59-Jährige die Arbeit ihres Vereins auf den Punkt. „Unser Einsatz Nummer 125 war am Dienstag in Oberrot“, erzählt die Tierfreundin. Eines von acht Igelbabys, um die sich eine Familie kümmert, war in ein Regenrohr geplumpst und saß fest. „Abends um 20 Uhr wurden wir angerufen. Wir haben acht Stunden lang mit zum Teil schwerem Gerät gekämpft, bis wir das Igelchen befreit hatten“, freut sie sich. Jetzt kann das verwaiste Tierkind weiter aufgepäppelt werden.

„Auch Tiere sind Lebewesen“

Über 4000 Kilometer hat sie mit ihren Unterstützern in den letzten Wochen für Tiere in Not zurückgelegt, und das alles auf eigene Kosten. Warum setzt sie sich so engagiert ausgerechnet für Tiere ein? „Weil Tiere auch Lebewesen sind. Sie haben Empfindungen, haben und fühlen Schmerz. Soll man sie sich selbst überlassen, wenn sie angefahren im Straßengraben liegen?“, antwortet Sissy Impagliatelli spontan. „Unsere ersten Einsatzwochen haben deutlich gezeigt, wie groß der Bedarf in unserer Region ist.“

„Wahnsinnig viele Leute“ meldeten sich auf ihrer Facebook-­Gruppe. 1040 Mitglieder zählt sie aktuell. „Sie finden unser Anliegen ganz toll, aber nur 22 machen mit“, erzählt die Ruheständlerin. Unter den 18 Aktiven sind zwei Feuerwehrmänner. Sie sind rund um die Uhr unter der Hotline 0152/01476733 erreichbar. Mit der Tierrettung Rems-Murr will der Verein einen weißen Fleck auf der Landkarte zwischen den Tierrettungen Mittlerer Neckarraum, Unterland und Odenwald abdecken. Große Städte wie Stuttgart, sagt Impagliatelli, hätten ihre eigen Tierrettung, „da übernimmt das die Polizei“.

Ihr Einsatzgebiet reicht von Wüstenrot über Heidenheim, Lorch und Gmünd bis Crailsheim und Schwäbisch Hall. „Und dafür suchen wir dringend Verstärkung“, sagt die Vereinsgründerin. Sie hat ein Netzwerk mit Rettungsdiensten geschaffen, für den schnellen Draht zu Feuerwehren, der Polizei sowie Forstverwaltungen gesorgt, und sie kann auf 130 Pflegestationen für Igel, Eichhörnchen und Vögel zurückgreifen. „Zwei Monate lang haben mir die 24 Stunden am Tag nicht gereicht, das Netzwerk zu organisieren“, meint die Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt lachend. Ihr Organisationstalent hat sie im Beruf entwickelt: „Ich hatte 20 Jahre lang ein Transportunternehmen in Cannstatt mit teilweise 20 und mehr Mitarbeitern.“

Die Tierrettung hofft auf finanzielle Unterstützung, ist mit Infoständen etwa am Sonntag beim Hundebadetag im Murrhardter Freibad präsent. Die Tierschützer haben ein Glücksrad gebaut, das Tierfreunden ein Präsent und dem Verein Geld bescheren soll. „Wir brauchen dringend Schutzkleidung“, sagt Impagliatelli. Allein ein Schutzhandschuh koste um die 100 Euro. Sie will ihre 18 Aktiven zu Tiersanitätshelfern ausbilden lassen, „und das alles gibt’s nicht umsonst“. Dafür sind die Helfer über den Verein unfall- und haftpflichtversichert.

Ihre Leute seien ausnahmslos Tierhalter und „wissen, dass eine Katze, wenn sie verletzt ist, um sich beißt, weil sie Schmerzen hat. Sie können sie mit einem Kescher einfangen“. Der Besucher der Vereinshomepage findet Verhaltensanweisungen für den Notfall: Was tue ich, wenn ich ein verletztes Wildtier, ein totes Haustier, einen Nestling, einen verletzten Vogel finde oder einem herrenlosen Hund begegne. „90 Prozent der von uns geretteten Tier sind Wildtiere“, resümiert Sissy Impagliatelli, „und nicht immer geht es gut aus. Manchmal muss der Jagdpächter oder der Förster das Tier erlösen.“

„Helfen macht glücklich“

Ihre Motivation, sich voll für die Tierrettung einzusetzen, fasst Sissy Impagliatelli in drei Worte: Helfen macht glücklich. Und dann erzählt sie einen Fall von einem Kaninchen, das sie abends um acht Uhr auf der Straße eingefangen hat. „Um diese Zeit hat keine Tierstation mehr offen. Ich mache eine Notiz auf Facebook und versorge es über Nacht. Der Besitzer war überglücklich, als er sein Kaninchen gesund und putzmunter zurückbekam.“ Unbeschreiblich war für sie auch das Gefühl, als sie einen Kuckuck, der aus dem Nest gefallen war, großzog und ihn dann in die Freiheit entlassen konnte.

Info

Die Homepage des Vereins ist erreichbar unter der Adresse www.tierrettung-remsmurr.de. Die Hotline lautet 0152/01476733.

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