Bauprojekte Vom Zahn der Zeit gezeichnet

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 10.04.2018

Gleich zwei Brückenbauwerke nahe des Gaildorfer Teilorts Münster, die den Kocher überspannen, sind marode und können wegen ihres Zustands nicht mehr lange befahren werden: die Brücke der Bundesstraße 19 und der Feldweg-Steg am Kirchenweg zwischen Münster und Unterrot.

Die große Brücke, im Jahr 1954 in Betrieb genommen, muss an Ort und Stelle komplett ersetzt, die kleine grundlegend saniert werden. In beiden Fällen wird es zu teilweise gravierenden Verkehrsbehinderungen kommen (wir haben über beide Vorhaben ausführlich berichtet).

Zeitplan aktualisiert

Dies betrifft besonders das Projekt am Ortseingang von Münster. Dazu gibt es seit wenigen Tagen einen aktualisierten Zeitplan. Den skizzierte Bürgermeister Frank Zimmermann auf Anfrage von Erhard Ostermann, der in Münster wohnt, am Rande der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Laut Regierungspräsidium  liege nun die „Entwurfsplanung“ vor, die im kommenden Jahr in die „Ausführungsplanung“ münde.

Nach Ausschreibung und Vergabe der Bauarbeiten könne dann nach den Sommerferien 2019 das Projekt begonnen werden, so Zimmermann. Das heißt, dass das Vorhaben früher realisiert werden kann, als das im vergangenen Jahr noch vorsichtig kalkuliert worden war: Während eines Ortstermins Ende Juli 2017 mit Verkehrsminister Winfried Hermann und Regierungspräsident Wolfgang Reimer war von einem Baubeginn in den Jahren 2020/2021 die Rede.

Allerdings nicht verbindlich. Denn das Bauvorhaben hat sich auch am Zeitplan für ein Sanierungsprojekt im Kreis Göppingen zu orientieren, das wie die B 19 für Schwertransporte ausgelegt sein muss. Konkret: Es können nicht beide Schwerlaststrecken gleichzeitig blockiert werden.

Aus Gaildorfer Sicht kommt eine weitere Komponente hinzu: Die Planungen von Brückenerneuerung und Umgehungsstraße müssen aufeinander abgestimmt sein. Was auch der Fall sein wird, wie Jürgen Holzwarth, beim Regierungspräsidium Stuttgart Direktor der „Abteilung  4 – Straßenwesen und Verkehr“, während des Ministerbesuchs auf Anfrage von Bürgermeister Frank Zimmermann bestätigte.

Der Brückenbau wird sich mit dem voraussichtlichen Baubeginn im Frühherbst kommenden Jahres in erheblichem Umfang auf den Verkehr rund um Münster auswirken: Die Bundesstraße 19 wird dann in diesem Bereich für etwa 16 bis 18 Monate voll gesperrt sein. Das heißt, dass Fahrzeuge zwischen Gaildorf und Sulzbach-Laufen über Unterrot umgeleitet werden. Um den stark frequentierten Kocher-Jagst-Radweg nicht zu unterbrechen, ist an die Errichtung einer kleinen Behelfsbrücke gedacht, die auch von Fußgängern genutzt werden kann.

Finanzierung noch offen

Erheblich geringer werden die Auswirkungen sein, wenn die kleine, etwa 40 Jahre alte Kocherbrücke zwischen Münster und Unterrot saniert wird. Die geologische und statische Untersuchung der Widerlager und Pfeiler des erheblich beschädigten Bauwerks ist abgeschlossen, das Ergebnis allerdings noch nicht veröffentlicht. Davon wird es abhängen, ob das Fundament für den neuen hölzernen Aufbau verwendet werden kann oder ersetzt werden muss. Spannend in diesem Zusammenhang wird dann die Kostenfrage sein. Im städtischen Etat sind dafür zunächst 650 000 Euro ausgewiesen.

Die Stadtverwaltung plädiert dafür, die Breite der einspurigen Fahrbahn zu belassen. Wichtig sei allerdings, „dass das Lichtraumprofil zwischen Fahrbahnrand und Brückengeländer mit mindestens 50 Zentimetern auf beiden Seiten eingehalten wird“, heißt es dazu in einer Vorlage zur Ratssitzung. Laut Vorschrift („Eurocode 1 EN 1991 Teil 2“) muss die sogenannte Lastannahme für Fahrzeuge bis zu einem Gewicht von 60 Tonnen ausgelegt sein.

Einstimmig beauftragte nun der Gemeinderat die Verwaltung, auf Grundlage der Ingenieursplanung, Fördermittel aus dem „Kommunalen Sanierungsfonds Brücken“ zu beantragen.

Für 290 Tonnen ausgelegt

Die neue Brücke der Bundesstraße 19 über den Kocher bei Münster wird laut Planung mit 15,50 Metern um vier Meter breiter werden als das bestehende Bauwerk. Sie wird einen zweispurigen, fünf Meter breiten Geh- und Radweg bekommen. Die Fahrbahn erhält eine 30 Zentimeter dicke Betonplatte. Ausgelegt wird die Brücke, die auch den Schwerlastverkehr aushalten muss, für eine Traglast von mindestens 290 Tonnen. Die veranschlagten Kosten liegen nach Schätzungen im vergangenen Jahr voraussichtlich bei rund 3,5 Millionen Euro. kmo