Gaildorf Volksmucke und glückliche Musiker

Familiärer Übergang: Zur „Klang quert“-Zugabe kommen Hans Kröll und Thomas Höger von der Münchner Salettlmusi zur „Jam“ auf die Bühne; vorne Simon Müller mit seinen jüngsten Fans.
Familiärer Übergang: Zur „Klang quert“-Zugabe kommen Hans Kröll und Thomas Höger von der Münchner Salettlmusi zur „Jam“ auf die Bühne; vorne Simon Müller mit seinen jüngsten Fans. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 08.08.2018
Die Müncher Salettlmusi findet auch bei ihrem dritten Auftritt im Gaildorf Schlosshof ein dankbares Publikum. Und „Klang quert“ zeigen, was aus ihnen werden kann.

Sie kommen gerne nach Gaildorf und sie werden dort gerne gehört: Die Salettlmusi aus München war am vergangenen Samstag beim Sommerfest „Sommerklang“ im Hof des alten Schlosses zu hören – zum  dritten Mal mittlerweile, und wenn’s nach den etwa 300 zahlenden Gästen, vor allem aber nach Simon  Müller geht, war’s nicht das letzte Mal. Der Gaildorfer Apotheker, Geiger, Sänger und Frontman von „Klang quert“ will, dass dieses Kleinfestival weiterhin gefeiert wird. Potenzielle Sponsoren – den vergangenen Samstag hat die VR Bank gerettet – dürfen  sich auf nachdrückliche Besuche gefasst machen: Simon Müller ist ein Überzeugungstäter.

Und eine Rampensau. Guckt, als könne er kein Wässerchen trüben und drängt doch mit Macht und poetisch-losem Mundwerk auf die Bühne. Seine noch junge Combo „Klang quert“ hat Müller zur Vorgruppe bestimmt:  Konzerte sind wichtig für die Entwicklung, helfen gegen Lampenfieber und machen Spaß. Das Septett, das bisweilen,  etwa wenn für den schlimmen „Leroy Brown“ eine Bluesstimme benötigt wird, durch Bernhard Fürter zum Oktett erweitert wird, wird von Auftritt zu Auftritt besser.

Gepfefferter Sound

Elf Stücke, die durch Müllers Moderation auch zu Geschichten werden, spielen  sie an diesem Abend: Jazzstandards, Soulnummern, den selbst geschriebenen „Sommervogel“-Blues über den Kocherreiter, und eine Liebeserklärung an Müllers Frau Annika. Matthias Rebel legt die Posaune beiseite und singt „La Mer“, und als Josef Singer zwischendrin vorübergehend anderweitig beschäftigt ist, greift halt Herbert Prokschi  zum E-Bass. Der Trompeter, der auch den Bass beherrscht und nicht zur Urbesetzung gehört, bringt ordentlich Pfeffer ins Spiel.

Es gibt schöne Momente, in denen man versteht, wie diese Band denkt, wohin sie strebt und wie sie ihr Glück findet. Bill Whithers’ „Ain’t no sunshine“ beispielsweise flutscht klasse in die Ohren, wenn man die vertrackt-triolisch eingekantete „I know, I know“-Passage meistert. Ein Mal rutscht Sänger Müller aus, die Auflösung aber kommt auf den Punkt – und wird mit einem geradezu euphorischen Fortissimo gefeiert. Und als der Posaunist Thomas Höger und der Trompeter Hans Kröll von der Salettlmusi zur „Summertime“-Zugabe auf die Bühne klettern, um das „Klang quert“-Gebläse ein wenig an die Wand zu spielen, reagiert die Band mit sportivem Überschwang.

Vom Jazz- zum Bayern-Pop

 „Geile Volksmucke“ nennt Müller den Sound der Salettlmusi, die nicht nur wegen des Ambientes und der Akustik im Schlosshof immer wieder gerne nach Gaildorf kommen, sondern auch, weil Müllers Bruder Konrad dort Trompete, Pikkolo-Trompete und Flügelhorn spielt.

Der Auftritt der Profi-Combo ist der komplette Genrewechsel: vom Jazz- zum Bayern-Pop, gerne auch in Moll, zum Ländler, zum Marsch und zur Polka mit Salsa- und Balkan-Folk-Einlagen. Die Musik – alle Stücke stammen von Hans Kröll – scheint bierzelttauglich, wird aber kammermusikalisch präsentiert.

Konzentriert zuhören lohnt sich: In dem warmen, präzisen und unerhört transparenten Blechsound entdeckt man unerwartete Nuancen, gefährliche Harmoniewechsel, mysteriöse Stimmungen, einen geblasenen „Walking Bass“ und ein Mal sogar ein Doo-Wop-Nümmerchen, das ein wenig an „At the hop“ erinnert.

Zwei Zugaben muss die Salettlmusi geben, ehe sie sich verabschieden darf.  Das spricht für sich, und das spricht für ein Wiederkommen im nächsten Jahr – auch die Salettlmusi hofft auf aufgeschlossene Sponsoren.

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