Fichtenberg Vielfältige Ideen gegen rechte Einfalt

Schlichtes Nacherzählen reicht: Die Bühne für Menschenrechte lässt die Angehörigen der NSU-Mordopfer zu Wort kommen. Wenige Wochen, nachdem die Urteile im NSU-Prozess gefallen sind, tritt die Gruppe auf Schloss Lautereck auf.
Schlichtes Nacherzählen reicht: Die Bühne für Menschenrechte lässt die Angehörigen der NSU-Mordopfer zu Wort kommen. Wenige Wochen, nachdem die Urteile im NSU-Prozess gefallen sind, tritt die Gruppe auf Schloss Lautereck auf. © Foto: Alexander Jennewein
Fichtenberg / Richard Färber 25.08.2018
Der Fichtenberger Kindergarten malt für die Initiative „Vielfalt tut gut“. Im September wird die Ausstellung eröffnet. In Sulzbach-Murr werden die NSU-Monologe präsentiert.

Eigentlich gilt ja die Fichtenberger Schanz als die natürliche Grenze zwischen dem Landkreis Schwäbisch Hall und dem Rems-Murr-Kreis. Die Initiative „Vielfalt ist bunt“ schert sich freilich nicht darum, sie hat kurzerhand eine neue Raumschaft eingeführt: Oberes Murr-Rottal. Und am 17. September wird sie erstmals mit einer Aktion auch die Schanz überqueren. Im Fichtenberger Rathaus wird dann die Ausstellung „Stoffbeutel-Contest“ eröffnet. Bis 8. Oktober ist sie dort zu sehen, dann wandert sie weiter ins Murrhardter Rathaus.

Collagen auf Stofftaschen

Die Fichtenberger Kindergartenkinder und die Schüler der Murrhardter Hörschbachschule haben die Bilder für den Stoffbeutel-­Contest gemalt und an den Kreisjugendring des Rems-Murr-Kreises geliefert. Dort werden sie nun für die Ausstellung gerahmt. Die Motive, das vorgegebene Thema lautete „Vielfalt und Toleranz“, werden zu Collagen zusammengefasst, die auf Stoffbeutel gedruckt und zum Selbstkostenpreis angeboten werden.

„Vielfalt tut gut“ gibt’s nicht zum ersten Mal. Bereits vor zehn Jahren wurde eine ähnliche Aktion durchgeführt. Die Gründe waren  damals wie heute rechtsextreme Umtriebe, Graffiti, Symbole, Aufkleber – einige Kommunen hatten mit dem Ruf des „braunen Nestes“ zu kämpfen. Im vergangenen Jahr erschienen deshalb einige besorgte junge Leute aus dem Oberen Murrtal bei Sonja Großhans, der Leiterin Fachstelle „DeRex – Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention“, wo man sich an die ursprüngliche Aktion erinnerte. Die Neuauflage wurde bei der Bildungsreferentin Beate Baur im Kreisjugendring angedockt. Die Gemeinden Murrhardt, Sulzbach-Murr, Großerlach und Spiegelberg im Oberen Murrtal und die Rottalgemeinden Fichtenberg und Oberrot stiegen ein. Sponsoren sorgten dafür, dass die offizielle Förderung von 15.000 auf 22.000 Euro anstieg. „Das läuft wunderbar“, sagt Beate Baur.

„Vielfalt tut gut“ setzt aufs Mittun. Möglichst viele Menschen sollen die Angebote nutzen und haben die Möglichkeit sich einzubringen und zu zeigen, dass die Vielfalt und nicht die Einfalt eine Gesellschaft ausmacht. Zum Auftakt spielten „Jamaram“, es folgten Workshops, Diskussionen, eine Lesereihe, Sportveranstaltungen, die „Vielfalt Games“. Etwa 1500 Menschen habe man bisher erreicht, sagt Beate Baur.

Aktion am Tag der Demokratie

Im September sollen es noch mehr werden. Bereits am 15. September, also noch vor der Ausstellungseröffnung in Fichtenberg, wird im Murrhardter Jugendzentrum ein Polit-Brunch angeboten. Das Datum wurde mit Bedacht gewählt: Im Jahr 2007 bestimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 15. September zum Internationalen Tag der Demokratie. Um 5 vor 12 lassen die Teilnehmer am Marktbrunnen Luftballons steigen.

Und am 20. September wird’s ernst. Die „Bühne für Menschenrechte“ wird auf Schloss Lautereck in Sulzbach an der Murr die NSU-Monologe präsentieren. Es handelt sich um „dokumentarisches Theater“, in dem Schauspieler wortgetreu die Aussagen von Angehörigen der Mordopfer des NSU wiedergeben. Grundlage sind ausführliche Interviews, die zwar gekürzt, aber sprachlich nicht verändert wurden. Es handle sich um ein „Werk zeitgenössischer Geschichtsschreibung, das in Zeiten des Erstarkens des Rechtspopulismus und des europäischen Faschismus an Aktualität kaum zu überbieten ist“, heißt es in der Ankündigung.

Info Der Eintritt zu „Die NSU-Monologe“ ist frei. Um Anmeldung wird gebeten: beate.baur@jugendarbeit-rm.de.

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