Landwirtschaft Viel Freude am Landleben pur

Scheuerhalden / Brigitte Hofmann 04.07.2017
Seit 60 Jahren wird der Völkleswaldhof in Oberrot-Scheuerhalden auf biologisch-dynamische Weise bewirtschaftet. Hunderte von Besuchern kamen zum Jubiläumsfest.

Reizvoll eigebettet in die hügelige Landschaft des Schwäbischen Waldes liegt der Völkleswaldhof.  „Ein wunderschönes  Fleckchen Erde“, befand Pfarrer Andreas Balko, der den sonntäglichen Gottesdienst, der zugleich ein Erntebittgottesdienst war, auf dem stattlichen Anwesen oberhalb von Hausen hielt. Von 1957 bis 1987 hatten Eckhardt und Ruth Thumm den Gutshof verwaltet, seit 1987 wird er von der Betriebsgemeinschaft Völkleswaldhof nach Demeter-Richtlinien geführt. Ein ganzes Heer an Helfern war notwendig, um den Ansturm beim Hof- und Jubiläumsfest zu bewältigen. Die Schirmherrschaft hatte Bürgermeister Daniel Bullinger übernommen. „Der Völkleswaldhof ist etwas Besonderes“, wertete Werner Balbach, der Leiter des Landwirtschaftsamts, in seinem Grußwort. Was in erster Linie an den Menschen liege, denn Anja und Pius Frey verstünden es, ihre Überzeugung zu leben und ihr Wirken auch nach außen hin zu vermitteln. Zudem sei der Hof ein herausragender Ausbildungsbetrieb. Harald Ebner, Bundestagsgeordneter von Bündnis 90 / Die Grünen, nannte ihn einen „Pionierbetrieb“ und „wichtigen Impulsgeber in der ökologischen Landwirtschaft“.

Drei Monate beim Muttertier

Was biologisch-dynamisches Wirtschaften bedeutet, darüber konnten sich die Besucher an diversen Schauplätzen umfassend informieren. Es geht auf Impulse Rudolf Steiners zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Waldorfpädagogik und die anthroposophische Heilweise initiierte. Pius Frey führte über den Hof mit den diversen Gebäuden und Stallungen und einer Biogas­anlage. Er zeigte, wie die Kühe gehalten werden, wie sie Liege- und Fressplätze in ihren Laufställen frei wählen könnten, sich momentan aber größtenteils auf den kräuterreichen Weiden in Hofnähe aufhalten. Eine Besonderheit ist die Kälberaufzucht, bei der die Jungtiere nach der Geburt drei Monate bei der Mutter bleiben. Auf großes Interesse stieß die Molkerei, deren Räume der Hygiene wegen zwar besichtigt, aber nicht betreten werden durften. Der Völkleswaldhof ist einer der wenigen Betriebe im Land, denen es erlaubt ist, Vorzugsmilch zu verkaufen, eine Milchsorte, die hohe Auflagen erfüllen  muss, ehe sie gänzlich naturbelassen direkt an die Verbraucher abgegeben wird. Dafür haben Freys einen eigenen Lieferservice eingerichtet. Der Demeter-Verband, der befreundete Riegenhof, die Oberroter Landfrauen, Azubis und Freunde der Familie Frey sowie eine ganze Reihe weiterer Akteure hatten sich in das Fest eingeklinkt und warteten mit Verkaufsständen und Aktionen auf.  Unter dem Motto „Gläserne Produk­tion“ lief die Kooperation mit dem Landwirtschaftsamt. Sie hat zum Ziel, das Vertrauen der Verbraucher in die regionale Lebensmittelproduktion zu stärken und deren Wert zu vermitteln.

Die Geschichte des Völkleswaldhofs

Rückblick Anfang der 1920er-Jahre, damals im Besitz des Fürsten Adolf zu Bentheim, entstand der Völkleswaldhof aus drei kleinen Höfen heraus. Die Gebäude wurden von der Architektin und Schwester des Fürsten, Prinzessin Victoria von Bentheim, geplant. 1938/1939 verkaufte die Fürstenfamilie den Gutshof an den Industriellen Hermann Mahle aus Stuttgart (Gründer des bekannten Firmenimperiums Mahle), der später die biologisch-dynamische Landwirtschaft auf dem Gutshof einführte.

Verpachtet Von 1957 bis ins Jahr 1987 wurde der Hof vom Verwalter-Ehepaar Thumm bewirtschaftet. Danach verpachteten ihn die Kinder Hermann Mahles an die Betriebsgemeinschaft Völkleswaldhof.
   
Quelle: Demeter