Justiz Vertagt nach Verlesung der Anklage

Richard Färber 05.09.2017

Mit der Verlesung der Anklage hat gestern vor der achten Großen Strafkammer am Landgericht Heilbronn der Prozess gegen einen 34-jährigen Mann begonnen, der im Jahr 2016 Drogen in „nicht unerheblichen Mengen“ aus den Niederlanden eingeführt und damit gehandelt haben soll. Vier Anklagepunkte listete Staatsanwalt Andreas Ve­senmaier auf. Danach soll der Angeklagte im Frühjahr 2013 Amphetamingemisch verkauft haben. Der Zeitpunkt ist nicht bekannt, dafür aber der Abnehmer, der Ort der Übergabe, die Menge und der Preis: 100 Gramm im Wert von 1000 Euro.

Die drei weiteren Anklagepunkte wiegen vergleichsweise schwerer. Der Angeklagte soll ein durchorganisiertes Handelsnetz mit mehreren Beteiligten aufgebaut haben. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hat er im August, im Oktober und im November 2016 jeweils größere Mengen in den Niederlanden geordert und per Kurier liefern lassen. Über weitere Beteiligte, darunter zwei Brüder aus Sulzbach-Laufen, die bereits zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, seien die Drogen dann bis in die Räume Ulm und Heilbronn vertrieben worden.

Zwei Autos als „Tatmittel“

Vesenmaier nennt auch Art und Menge der Drogen. Danach wurden Kokaingemisch, Ecstasy, Amphetamingemisch, Marihuana und Haschischprodukte kiloweise eingeführt.

Die Anklage stützt sich dabei allerdings überwiegend auf die Aussagen von Zeugen und die Überwachungsprotokolle der Polizei. Erst im November, als der Handel schließlich aufflog, konnten Drogen im Gesamtwert von 44 000 Euro sichergestellt werden (wir haben mehrfach berichtet).

Es geht also im Falle eines Schuldspruchs nicht nur um eine Gefängnisstrafe, sondern auch um hohe Gewinne, die illegal erwirtschaftet wurden und deshalb eingezogen werden sollen. Auch die beiden Autos des Angeklagten, die als „Tatmittel“ verwendet wurden, gehören dazu.

Der Angeklagte und auch die Verteidigung äußerten sich vorerst nicht. Die Beweiserhebung erfolgt im „Selbstleseverfahren“: Verfahrensrelevante Urkunden werden nicht verlesen, sondern den Beteiligten zur Kenntnisnahme ausgehändigt. Der dem Schöffengericht vorsitzende Richter Frank Haberzettl hat die Verhandlung deshalb auf Donnerstag  vertagt.  Dann sollen erste Zeugen gehört werden.