Gaildorf Vernissage bei der IG Kunst in Gaildorf - Drei Künstlerinnen stellen aus

Gaildorf / GERLINDE BURKHARDT 11.05.2016
Ein vergleichsweise kleiner Kreis fand sich zur Vernissage der Mai-Ausstellung der Gaildorfer IG Kunst im Wurmbrandsaal des Alten Schlosses ein. "Kaiserwetter", die vielen Feiertage und eventuell auch die "Gaildorfer Kunstflut" dieser Tage trugen möglicherweise ihren Teil dazu bei.

Ein vergleichsweise kleiner Kreis fand sich zur Vernissage der Mai-Ausstellung der Gaildorfer IG Kunst im Wurmbrandsaal des Alten Schlosses ein.  „Kaiserwetter“, die vielen Feiertage und auch die „Gaildorfer Kunstflut“ dieser Tage trugen möglicherweise ihren Teil dazu bei. Viele verpassten so eine denkwürdige Einführung in die Werke der drei Künstlerinnen Wiebke Trunk aus Berlin, Leni Marx aus Korntal-Münchingen und Sabine Fach aus Stuttgart.

Manfred Schwarz begrüßte die Gäste, dankte den Ausstellungsmachern und entschuldigte Bürgermeister Frank Zimmermann, der aus familiären Gründen verhindert war. Er wies auf das Schülerkunstprojekt und die Kunstfahrten der Interessengemeinschaft hin und gab Einblicke in seine persönlichen ersten Eindrücke der Ausstellung, ohne dabei vorzugreifen.

Die auf der Einladungskarte bescheiden als Kunstkritikerin bezeichnete Buchautorin, Moderatorin, Kolumnistin, Kunst- und Theaterkritikerin Adrienne Braun begann ihre Einführung damit, dass sie sich eigentlich freue, in Gaildorf sprechen zu dürfen. Allerdings könne ihre Aufgabe, in einer Rede den Bogen über drei künstlerische Positionen zu spannen, die nicht nur extrem unterschiedlich seien, sondern im Grunde die äußersten Pole der Bildenden Kunst markieren – Figuration und Abstraktion –, kaum gelingen. Was folgte, war ein verbales Feuerwerk an Auseinandersetzung mit den Werken der drei Künstlerinnen. Unmöglich, dem Sinngehalt in wenigen Worten gerecht zu werden.

Der Betrachter der Werke wird zum Co-Autor

Wichtig zu erwähnen ist vielleicht der Hinweis, dass sich die gezeigte Kunst nicht darin erschöpft, die auf den ersten Blick unscheinbaren, unter anderem mit Filzstiften gezeichneten Blumenbilderreihen von Wiebke Trunk, die geometrischen Figuren und reduzierten Tuschezeichnungen von Leni Marx oder die nach Adrienne Braun dazwischen angesiedelten Collagen und Farbkompositionen einfach nur als schön, formal gelungen zu empfinden – oder auch nicht. Es geht vor allem um Wahrnehmung. Der Betrachter werde zum „Co-Autor“ und erkenne möglicherweise, dass er vorne und hinten definieren will, Räume sieht, Blumen, wie sie gemalt sind und wie er sie eigentlich kennt. Wie sein Gehirn ergänze und er Dinge sähe, die mitunter gar nicht vorhanden sind.  Wahrnehmung sei keinesfalls nur die Auseinandersetzung mit Ästhetik, mit formalen Fragen, sondern immer auch ein Versuch, Halt zu bekommen in der Welt.

Adrienne Braun stellt den Bezug zur Realität her. Auch die Realität werde ja aus zahllosen Schichten, ästhetischen Erscheinungsformen, gänzlich unterschiedlichen Dingen geformt. „Das eine ist sichtbar, das andere wird überlagert – und die Elemente greifen hochkomplex ineinander.“ Auch hier gehe es um die Rezeption, die optische und geistige Wahrnehmung.

Diese bei sich selbst zu analysieren, mehr über sich selbst zu erfahren,  „darüber, wie wir die Welt sehen, lesen, erwarten, interpretieren und häufiger auch manipulieren, als uns bewusst sein mag“, würden alle drei Künstlerinnen mit dem Betrachten ihrer Bilder ermöglichen. Adrienne Braun eröffnete die Ausstellung demgemäß mit den gewichtigen Worten: „Sie werden staunen, was Sie sehen, selbst wenn es vielleicht gar nicht zu sehen ist.“

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