Als kürzlich eine Statistik fürs vergangene Jahr veröffentlicht wurde, in der 445 im Straßenverkehr getötete Radfahrer gezählt werden, rückte das Unfallgeschehen in den Fokus. Insgesamt starben 3275 Menschen auf Deutschlands Straßen, wobei die Zahl getöteter Radfahrer heraussticht: 445 Tote, das ist ein deutlicher Anstieg zum Jahr 2017. „Omnibus Abt beklebt rund zehn Busse mit den Warnaufklebern ,Toter Winkel‘“, sagte Dirk Massanetz beim Anbringen des ersten Aufklebers. Damit beteiligen sich der Gmünder Stadtbus sowie weitere Firmen an der Aktion. Der Arbeitskreis Mobilität und Verkehr möchte durch die Aufkleber Unfälle vermeiden und verspricht sich von der Aktion mehr Aufmerksamkeit für Fußgänger und Radfahrer.

Noch keine Pflicht

Zuletzt hatten tödliche Abbiege-­Unfälle für Schlagzeilen gesorgt. Lkw-Fahrer hatten beim Rechtsabbiegen Radler übersehen, die sich neben ihrem Fahrzeug im toten Winkel befanden. Abbiegeassistenten könnten Warnsignale aussenden oder automatisch bremsen, doch sie sind bislang nicht Pflicht.

Insgesamt kam es laut amtlicher Statistik im Jahr 2015 zu 3226 Kollisionen zwischen Radfahrern und Lkw, bei denen 72 Radfahrer starben und 665 schwer verletzt wurden. Gestützt auf eine zurückliegende Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen schätzte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) 2016, dass etwa ein Drittel der getöteten Radfahrer auf das Konto von Abbiegeunfällen geht.

Wie aus der UDV-Untersuchung weiter hervorgeht, fanden fast alle diese Unfälle bei Tag und trockener Witterung statt. Die Geschwindigkeit der Radfahrer lag dabei in der Regel unter 15 Stundenkilometern, sodass diese bei frühzeitiger Reaktion oft noch hätten stoppen und die Gefahrenzone verlassen können. Die Experten sehen dabei einen Zusammenhang mit dem Alter vieler verunglückten Radfahrer und halten Trainings für Senioren für sinnvoll. Gleichzeitig fordert UDV-­­Leiter Siegfried Brockmann, die Trainingsprogramme dahingehend zu optimieren, dass gezielt richtige Reaktionen in Krisensituationen trainiert werden.

Für die Lkw-Geschwindigkeit zeigen Studien, dass diese zwar situationsbedingt niedrig ist, der Lkw aber meist vor dem Abbiegevorgang nicht zum Stillstand gekommen ist. Brockmann erinnert daher die Lkw-Fahrer an die sich aus der Straßenverkehrsordnung ergebende besondere Vorsicht und Umsicht, die mit dem Betrieb eines solchen Fahrzeugs verbunden sein muss. „Lkw-Fahrer haben es sicherlich nicht leicht. Der durch die vorgeschriebenen Spiegel ohnehin klein gewordene tote Winkel kann aber nicht Entschuldigung für alles sein“, so Brockmann. Zusätzliche Armaturentafelaufsätze, Stofftiere, Namensschilder hinter der Scheibe oder Vorhänge, die das Sichtfeld einschränken, seien dabei eine gefährliche und überdies verbotene Unsitte.

Birenbach

Assistent hat großen Nutzen

Menschliche Fehler müssten in Zukunft aber auch besser durch Abbiegeassistenten angezeigt und damit vermieden werden. Für einen solchen Assistenten, der Radfahrer im Gefährdungsbereich zuverlässig erkennt und den Lkw-­Fahrer warnt, hat die UDV auf Basis ihrer Unfalldatenbank errechnet, dass dadurch rund 60 Prozent aller schweren Lkw-Fahrrad-Unfälle vermieden werden könnten.

Der Schulterblick beim Autofahren minimiert den nicht sichtbaren Bereich, wodurch für den Fahrer diese Kollisionen oft leicht vermeidbar sind. Das ist beim Lkw und Bus nur bedingt durch weitere Spiegel optimierbar, weshalb den Hinweis-Aufklebern besondere Bedeutung zukommt.

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