Gaildorf/Hall Verhätschelt, gequält, versteuert

»Hunds Tage«-Autorin Dr. Heike Krause bei der Vorstellung ihres Werks in der Haller Osiander-Buchhandlung. Scheinbar unbeeindruckt von ihrer fesselnden Lesung und den vielen Gästen - darunter Verleger Hans Karl Friedrich Schmidt aus Neustadt an der Aisch - lümmelt ihre treue Vierbeinerin, »Archivhund« Helene, neben ihr auf dem Boden.
»Hunds Tage«-Autorin Dr. Heike Krause bei der Vorstellung ihres Werks in der Haller Osiander-Buchhandlung. Scheinbar unbeeindruckt von ihrer fesselnden Lesung und den vielen Gästen - darunter Verleger Hans Karl Friedrich Schmidt aus Neustadt an der Aisch - lümmelt ihre treue Vierbeinerin, »Archivhund« Helene, neben ihr auf dem Boden. © Foto: Klaus Oßwald
KLAUS MICHAEL OSSWALD 19.08.2014
Viele Jahre lang war sie am Sammeln und Forschen. Nun hat sich Gaildorfs Stadtarchivarin Dr. Heike Krause einen Traum erfüllt und ein Hundebuch veröffentlicht, das eine Lücke zu schließen scheint.

Die Archive der Stadt Gaildorf und des Evangelischen Diakoniewerks in Schwäbisch Hall sind sozusagen ihr zweites Zuhause. Dort pflegt Dr. Heike Krause, die in Mainhardt wohnt, die papierne Hinterlassenschaft vieler Generationen, die dokumentierte Geschichte der Menschen in hiesigen Gefilden. Und natürlich der Hunde. Die Archivarin, stets mit "Archivhund" Helene auf Achse, hat nun ihr spleeniges Traumprojekt in die Tat umgesetzt: eine 222 Seiten starke Dokumentation über das Zusammenleben von Mensch und Hund.

Das sei "ein ganz besonderes Buch", wie Silja Keller von der Haller Osiander-Buchhandlung bei der Präsentation im Schmöker-Café vor mehr als 50 interessierten Gästen hervorhebt. Wohl gebe es "Unmengen von Hundebüchern", sagt sie, "aber ich glaube nicht, dass es etwas Vergleichbares gibt".

Viele Dokumente aus der Region verarbeitet

Tatsächlich ist "Hunds Tage" mehr als "nur ein Hundebuch". Es dokumentiert die oft verkannte Tatsache, dass seit Jahrhunderten der Hund zwar der beste Freund des Menschen sein mag, dies aber umgekehrt nicht immer so war und ist. Heike Krause belegt das mit ihrer umfangreichen Text- und Bilder-Sammlung, die sie sich in zwei Jahrzehnten Archivtätigkeit zugelegt und nun für ihr Buch einem breiten Leserkreis - auch ein Nicht-Hundler mag viel Überraschendes darin entdecken - erschlossen hat.

Mal mit wissenschaftlicher Distanz, mal im warmen Plauderton, schildert sie anhand ungezählter archivalischer Quellen, überwiegend aus der hiesigen Region, wie Hunde geliebt und gehasst wurden, gefürchtet und verhätschelt, ausgenutzt und benutzt, gequält und getötet. "Darin", schreibt sie bestimmt, "unterscheidet sich das Heute nicht vom Gestern. Doch manches hat sich im Umgang mit den Vierbeinern inzwischen glücklicherweise auch geändert."

Sehr angetan vom Ergebnis der Krauseschen Hundeforschung ist im übrigen auch der renommierte Fürther Verhaltensbiologe PD Dr. Dr. habil. Udo Gansloßer. In seinem Vorwort zu "Hunds Tage" wünscht er "denjenigen, die glauben, dass auch im Umgang mit dem Hund früher alles einfacher gewesen wäre, viele erhellende Erkenntnisse".

Heike Krauses neues Buch ist nicht - wie das in den gängigen Hunde-Ratgebern unvermeidlich zu sein scheint - auf Harmonie programmiert, wenn sie den "archivalischen Hund" unter die Lupe nimmt. Und deswegen ist es in gewissem Sinn auch ein "Menschenbuch", das ungeschminkt zeigt, wie eben der Mensch den Hund behandelt, mal respektvoll, oft auch nicht - ob als Nutztier oder als Steuerquelle, als Schutz und nicht zuletzt als (Prestige-)Objekt zur Freizeitgestaltung.

"Bibliophile Kostbarkeit" begeistert Verleger

Sichtlich angetan von der Arbeit Heike Krauses ist Hans Karl Friedrich Schmidt, Geschäftsführer der VDS Verlagsdruckerei Schmidt in Neustadt an der Aisch. Eigens zur Präsentation nach Schwäbisch Hall gekommen, spendet er nicht nur der Autorin viel Beifall, sondern auch deren Nichte Anika Krause. Sie hat das Ganze grafisch aufwändig gestaltet. Das Ergebnis sei eine "bibliophile Kostbarkeit", wie der Verleger schwärmt, vorsichtig und beinahe andächtig in einem der Bücher blätternd.

Info Heike Krause: "Hunds Tage", Verlag PH.C.W. Schmidt in Neustadt an der Aisch, 222 Seiten, enthält mehr als 100 Farbabbildungen, gestaltet von Anika Krause, Konstanz. ISBN 978-3-87707-930-0, 24,50 Euro.