Gschwend Flamenco-Fest: Urlaubsgrüße aus Andalusien

Das Flamenco-Fest im Gschwender Bilderhaus setzt sowohl optisch als auch klanglich attraktive Akzente.
Das Flamenco-Fest im Gschwender Bilderhaus setzt sowohl optisch als auch klanglich attraktive Akzente. © Foto: Rainer Kollmer
Gschwend / Rainer Kollmer 02.08.2018
Das sommerliche Flamenco-Fest im Bilderhaus hat eine weit bekannte Tradition. Der Beifall der über hundert Besucher bestätigt die hohe Qualität des Gebotenen.

Der Gschwender Musikwinter erwacht jedes Jahr für ein paar Stunden aus seinem verdienten Sommerschlaf. Die engagierte Tänzertruppe um Ursula Jimenez-Mühleis fiebert im Winterhalbjahr bei Kursen und Workshops dem sommerlichen Abschluss entgegen. Freunde, Verwandte und Flamenco-Begeis-
terte sind gekommen, um sich bei Tapas und Getränken die Ergebnisse des langen Übens vorführen zu lassen.

Zehn disziplinierte Tänzerinnen und ein Tänzer bringen dabei perfekte Choreografien von Alegrias, Sevillianas oder Tangos auf die Bühne. Das eigens verlegte Holzparkett bietet den klappernden Absätzen und Schuhspitzen einen beeindruckenden Resonanzboden. Am Rande der Bühne haben Sängerin Alicia Vargas und Gitarrist Günter Zollfrank auf zwei Cajons Platz genommen. Die meisterlich gespielte akustische Gitarre mit ihrem Saitenrasseln und den typischen, oft dissonanten Akkordfolgen des Flamencos schafft in der überschaubaren Geschlossenheit des Bilderhauses eine besondere Atmosphäre. Besonders bei einem eingeflochtenen Solo-Stück kann Günter Zollfrank seine große technische und musikalische Begabung unter Beweis stellen.

Die Vorsängerin ist sich ihrer Rolle als kraftvolle „Cantaora“ bewusst. Sie wird gelegentlich von Ursula Jimenez-Mühleis mit einer Zweitstimme begleitet. Der schwierige Dialog zwischen den Singstimmen und dem rhythmisch markanten Gitarrenklang gelingt perfekt. Entscheidend sind jedoch die Schrittfolge und der synchrone Bewegungsablauf der elf Tänzer, die in unterschiedlichen Formationen das musikalische Geschehen steuern. Was gelegentlich an eher willkürliche Tanzimprovisation erinnert, ist in Wirklichkeit bis ins Kleinste einstudierte Feinarbeit. Natürlich sind nicht alle Tänze neu einstudiert. Ein Tango und eine Garrotin am Schluss der Programmfolge überraschen mit neuen Bewegungsabläufen und überraschenden Metaphern. Eine weibliche Garrotin-Parodie auf männliche Tanz-Machos gerät mit einem Synchron-Abwurf von Zigarillos in den Zuschauerraum zum symbolkräftigen Event.

Die Truppe besteht seit Jahren und die Beteiligten kennen sich mit Vornamen: Alicia, Charlotte, Ewa, Gisela, Heike, Ingaret, Ingrid, Michaela, Susanne und Ulrike sind froh, dass mit Ralf auch ein männlicher Tänzer in der Runde ist. „In der Gschwender Flamenco-Welt ist seit Jahren nur ein einsamer Mohikaner“, kommentiert Flamenco-Lehrerin Ursula Jimenez-Mühleis die unausgewogene Situation. Nach der Sommerpause wird es neue Einstiegsmöglichkeiten zum Durchstarten geben. Was in den Workshops, Tanzkursen oder Einführungswochenenden noch nicht geschafft wurde, soll fortgeführt werden – bis zum nächsten Flamenco-Fest im „Tablao“ des Bilderhauses.

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